Monika Schrott vom RSV Wallbach ist die Erste
Rasselbande auf zwei Rädern: Die frischgebackene Trainerin Monika Schrott betreut mit Michael Post (Zweiter von rechts) und Timo Reinartz (nicht im Bild) den Radball-Nachwuchs des RSV Wallbach. <em>Bild: Matthias Scheibengruber</em>
Rasselbande auf zwei Rädern: Die frischgebackene Trainerin Monika Schrott betreut mit Michael Post (Zweiter von rechts) und Timo Reinartz (nicht im Bild) den Radball-Nachwuchs des RSV Wallbach. Bild: Matthias Scheibengruber
Regiosport Hochrhein
09.02.2018 16:28
Die 45-Jährige ist erste offizielle Radballtrainerin im Badischen Radsportverband (BRV). Gemeinsam im Jugendtraining des RSV Wallbach mit Michael Post und Timo Reinartz im Einsatz. Söhne Mika und Kimi spielen seit 2013.

Radball: – Manchmal ist der Schlüssel zum Glück recht unscheinbar. Er hängt an Monika Schrotts Schlüsselbund und passt in die Eingangstür der Flößerhalle in Wallbach. In diesen doch eher funktionell gehaltenen Räumen und letztlich auch im Bad Säckinger Ortsteil hat die 45-Jährige ihr Glück gefunden. „Ich habe unheimlichen Spaß am Radball gefunden“, lacht die zweifache Mutter. Dieser Tage hat sie als erste Frau im Badischen Radsportverband (BRV) die Lizenz als Radballtrainerin erworben.

Mit dem frisch erworbenen Fachwissen unterstützt sie die Nachwuchstrainer Michael Post und Timo Reinartz, die sich beim RSV Wallbach um etwa 20 Kinder zwischen vier und 14 Jahren kümmern. Obwohl Radball der Ruf anhaftet, eher ein Sport für Jungs zu sein, haben auch drei Mädchen den Weg in die Halle gefunden: „Ich denke nicht, dass sie wegen mir zu Radball gekommen sind. Aber es erleichtert für Kinder, Trainer und Eltern im Trainingsbetrieb vieles, wenn eine Frau mit dabei ist“, so Monika Schrott, die sich den jüngsten Teil der wilden Radball-Meute gesichert hat: „Es ist schön, den Anfängern die Grundlagen beizubringen.“

Der zwölfjährige Mika war es, der die Mama zum Radball brachte. Zum Radball, einer Männersportart, in der Frauen extrem selten auf dem Sattel sitzen: „Wir wohnten noch nicht in Wallbach, hatten aber bereits einen Bauplatz. Mika spielte hier Fußball, ging in den Kindergarten. Eines Tages sah er die Radballer in der Halle und wollte das auch machen.“ Monika Schrott vertröstete ihren Großen, wartete mit der Familie erst einmal den Umzug ab: „Ich hatte es schon fast vergessen, dass ihn Radball so interessierte.“

Spätestens als ein Werbeflyer des RSV Wallbach im Briefkasten lag, war das Thema wieder auf dem Tisch. Monika Schrott staunte nicht schlecht, als sich herausstellte, dass Michael Post den RSV-Nachwuchs trainiert: „Was ein toller Zufall, denn Michael und ich hatten Jahre zuvor einen gemeinsamen Arbeitgeber.“ So ließ Mika im Herbst 2013 den Lederball links liegen, stieg aufs Rad und jagte fortan dem mit Rosshaar gefüllten Stoffball hinterher: „Seinen besten Freund, Lukas Stocker, nahm er damals gleich mit“, erinnert sich Monika Schrott. Und heute stehen Mika und Lukas ohne Punktverlust an der Tabellenspitze ihrer U15-Spielklasse.

Es dauerte natürlich nicht lange, bis der zwei Jahre jüngere Kimi seinem Bruder folgte. Heute ist die komplette Familie in der Halle anzutreffen, wenn die Wallbacher Radballer spielen – oder trainieren. Monika Schrott beließ es nicht damit, ihre Söhne an der Halle abzuliefern. Nein, die engagierte Mutter interessierte sich für den Sport – bis er sie faszinierte: „Radball kannte ich als gebürtige Öflingerin mehr oder weniger vom Hörensagen. Nun aber war ich vom Geist dieses Sports gefangen. Ich glaube langsam, ich bin noch angefressener als meine beiden Buben. Und die konnten schon eher Rad fahren als laufen.“

Was als aufmerksame Beobachterin des Trainingsgeschehens begann, gipfelte im Laufe der Zeit in eine engagierte Mutter, die sich mittlerweile auf dem Rad so wohl fühlt, wie auf dem Pferd: „Wie meine Jungs bin ich bei diesem Sport mit ganzem Herzen dabei“, fühlt sich Monika Schrott als Teil der großen Wallbacher Radsportfamilie. An der Seite von Michael Post und Timo Reinartz etablierte sie sich als Helferin und Assistentin im Nachwuchstraining: „Irgendwann schlug Michael mir vor, den Trainerschein zu machen.“

Diese Entscheidung wollte gut überlegt sein: „Ich war ja nicht einmal eine Seiteneinsteigerin. Mir fehlte sämtliches Basiswissen“, machte sich die Wallbacherin die Sache nicht leicht: „Doch der Spaß am Radball und an der Arbeit mit den Kindern waren stärker als meine anfänglichen Bedenken.“ Heute lacht sie darüber, denn die drei Lehrgangswochen belehrten sie des Gegenteils: „Es war richtig und wichtig, diesen Schein zu erwerben.“ In der württembergische Landessportschule Tailfingen, sportliche Heimat der baden-württembergischen Hallenradsportler, wurde den Lehrgangsteilnehmern zunächst viel Basiswissen gelehrt.

„Zunächst waren Kunstradfahrer und Radballer gemeinsam im Unterricht. Erst später wurden die Disziplinen getrennt“, erzählt Monika Schrott von den Kursen, die Stefan Schubach vom RSV Öflingen in seiner Eigenschaft als Verbandstrainer leitete. Spätestens jetzt ist für sie klar, dass Radball ein sehr komplexer Sport ist: „Es wird nahezu alles trainiert – Kondition, Konzentration, Technik und Ausdauer. Die soziale Komponente in diesem Sport ist zudem eine lehrreiche Eigenschaft für die Entwicklung der Kinder.“

Der Schein „Trainer C Leistungssport Radball“ ist für Monika Schrott nicht nur wegen der erworbenen Fachkenntnis wichtig: „Wir Trainer tragen eine große Verantwortung bei der Arbeit mit den Kindern.“ Heutzutage sei es wichtig, kompetenter und vertrauter Ansprechpartner der Eltern zu sein. Dass ein Führungszeugnis verlangt und die Unterschrift unter den Ehrenkodex des Verbands erwartet wird, ist für sie eine Selbstverständlichkeit: „Es ist wichtig, dass der Verein beim Trainerpersonal eine gewisse Qualität für die Ausbildung der Kinder bietet.“

Die frischgebackene Trainerin schätzt besonders den familiären Charakter der gesamten Szene: „Ich wurde mit offenen Armen in dieser großen Radsportfamilie aufgenommen.“ Das beschränke sich nicht allein auf den RSV Wallbach: „Wir kommen durch die Jungs viel auf Turnieren herum. Während des Spiels ist Rivalität angesagt. Aber nach dem Schlusspfiff fallen sämtliche Vereinsgrenzen – im Inland wie im Ausland.“

Diese Erfahrung machte Monika Schrott in den vergangenen Jahr durch ihr ehrenamtliches Engagement: „Eingebunden in die Vorbereitungen auf die Europameisterschaften, die der RSV Wallbach im Frühjahr 2016 ausgerichtet hat, habe ich schon viele Kontakte geknüpft.“ Durch Besuche bei Meisterschaften in der Schweiz und Österreich wurden diese ausgebaut: „Es ist immer wieder eine Freude, wenn sich Radballer bei Turnieren treffen.“

Mittlerweile ist Monika Schrott aus dem RSV Wallbach nicht mehr wegzudenken. Im Vorfeld der EM 2016 rückte sie näher heran, übernahm Teile der Öffentlichkeitsarbeit. „Ich pflege die Internet- und Facebook-Seite der Radballer, fotografiere viel und nehme auch immer wieder mal Radball-Partien mit der Kamera auf“, erzählt Monika Schrott: „Die Videos sind eine wertvolle Hilfe für die Trainer und die Spieler.“ Schließlich haben Mika und Lukas in dieser Saison noch Großes vor. Der Meistertitel soll bei den noch ausstehenden Spieltagen eingefahren werden und dann geht es weiter mit den baden-württembergischen Meisterschaften. Zudem wird das Team im Viertelfinale um die Deutschen Meisterschaften mitmischen.

Dass die Mama mittlerweile Teil des Trainerteams ist, sei für die beiden Jungs kein Problem: „Sie wissen, dass ich sie in der Halle so behandle, wie die anderen Kinder“, genießt Monika Schrott den Sport mit ihren Buben: „Ehe sie vor der Glotze hocken, fordern sie mich lieber auf, mit ihnen in die Halle zu gehen, um freiwilliges Zusatztraining einzulegen. Wir drei haben viel Spaß an der Bewegung.“

Ob sie selbst noch eine späte Karriere als Radballerin startet? „Ich kann mit dem Rad fahren, kann stehend die Balance halten. Mehr ist nicht drin“, lacht Monika Schrott schallend: „Meine Aufgabe sehe ich darin, beim Radball zu beobachten und zu lernen und dieses Wissen an die Kinder weiterzugeben. In dieser Aufgabe habe ich mein Glück gefunden“, lässt sie den Schlüsselbund klingen – das Training ruft...

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