Trainer Daniel Eblen zu den Chancen der HSG Konstanz: "Wir haben nichts zu verlieren"
Am Samstag wird es wieder ernst für das Team von Trainer Daniel Eblen: Um 20 Uhr sind die Rhein Vikings aus Düsseldorf zu Gast in der Schänzlehalle. Bild: Peter Pisa
Am Samstag wird es wieder ernst für das Team von Trainer Daniel Eblen: Um 20 Uhr sind die Rhein Vikings aus Düsseldorf zu Gast in der Schänzlehalle. Bild: Peter Pisa | Bild: Peter Pisa
Handball
07.02.2018 16:39
Im Interview spricht Daniel Eblen über die Aussichten auf den Klassenerhalt in der 2. Handball-Bundesliga und die Stimmung in der Mannschaft

Herr Eblen, Sie hatten jetzt durch die Europameisterschaft bedingt knapp einen Monat Pause. Wie ist Ihrer Mannschaft der Spagat zwischen Erholung und Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte gelungen?

Wir haben direkt nach dem Spiel am zweiten Weihnachtsfeiertag eine Pause gemacht und uns dann vier Wochen vorbereitet. Es war wichtig, dass wir ein, zwei Wochen weg waren vom Handball und zur Ruhe kamen – alle, nicht nur die Spieler. In der Vorbereitung haben wir körperlich viel gearbeitet, jetzt kommt nach und nach das Taktische ins Spiel. Das war in diesem Jahr ja nichts Neues mehr für uns, nach der WM-Pause vor einem Jahr.

Sie hatten etliche Ausfälle zu beklagen. Wie ist Ihr Kader aufgestellt?

Paul Kaletsch hatte zuerst Probleme mit dem Knie, in der Vorbereitung hatte er dann Schmerzen im Fußgewölbe. Gott sei Dank ist es wohl doch nicht wie befürchtet ein Ermüdungsbruch. Trotzdem ist er noch mal zwei Wochen ausgefallen. Michael Oehler ist wieder dabei. Felix Krüger hat gut mittrainiert und bekam dann Probleme mit dem Rücken. Eigentlich müssten jetzt alle wieder fit sein – abgesehen von den Langzeitverletzten wie Sebastian Bösing oder Benjamin Schweda.

Die HSG Konstanz hat schon bessere Schlagzeilen geschrieben als aktuell. Sie stehen auf dem letzten Platz, hatten Personalprobleme sowie einige Abgänge. Julius Heil und Stefan Hanemann haben sich in der Weihnachtspause verabschiedet, Chris Berchtenbreiter und Sebastian Bösing gehen im Sommer. Wie schaffen Sie es, wieder für bessere Stimmung zu sorgen?

Als wir zum Ende der Hinrunde in Dessau und Hamm mit riesigem Aufwand ganz ordentlich gespielt, aber trotzdem verloren haben, hat man schon gemerkt, dass ein bisschen Enttäuschung dabei war. Wir waren auch ein bisschen erschöpft, das darf man sagen. Ich merke aber in den Gesprächen mit den Jungs, dass eine gute Stimmung herrscht. Wir haben ja nichts zu verlieren. Jeder kämpft, um in der Mannschaft zu sein und sich einbringen zu können. Der Wille ist da, in der Rückrunde alles reinzuschmeißen. Ich sehe immer auch das Positive. Jetzt wo Stefan Hanemann weg ist, spielt sich Max Wolf in die erste Mannschaft und wird zum Matchwinner in Dresden. Als sich Paul Kaletsch verletzt hat, machte Max Schwarz ein Riesenspiel gegen Essen. Es ist gesund, dass sich immer wieder was verändert in einer Mannschaft.

Dass nicht alle zufrieden sind, wenn das Team Tabellenletzter ist, versteht sich von selbst.

Es gibt definitiv Reibungspunkte, das ist aber nichts, was unüberbrückbar wäre. Wir müssen es so weit hinbekommen, dass jeder sich selbst hinterfragt und auf sich schaut, weniger auf den Mitspieler. Man muss sich selbst fordern und nicht nur die anderen – das gilt für alle Beteiligten.

War ein so schweres zweites Jahr in der 2. Bundesliga für Sie absehbar?

Ja, es war klar, dass die zweite Liga einfach einen gewissen Preis fordert. Diese Liga ist sehr hochklassig besetzt mit den drei starken Absteigern Balingen, Bergischer HC und Coburg sowie den vier straken Aufsteigern aus Dresden, Düsseldorf, Hildesheim und Hagen. Es hätte doch auch niemand geglaubt, dass Mannschaften wie Aue oder der frühere Erstligist Eisenach so weit unten drin stehen.

Planen Sie angesichts der sportlichen Lage zweigleisig für die kommende Saison?

Wir schauen immer, dass wir die bestmögliche Mannschaft zusammenstellen, egal in welcher Liga. Die Spieler, die zu uns kommen wollen, können die Tabelle lesen. Bei uns ist es auch wichtig, in welcher Lebensphase die Spieler sind. Wenn das Studium dem Ende entgegengeht und eine 40-Stunden-Arbeitswoche ansteht, haben sich in der Vergangenheit viele Spieler verändert. Ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass sich höherklassige Vereine für unsere Spieler interessieren. Ich kann nicht sagen, wie die Jungs sich entscheiden werden – es ist legitim, wenn man sich sportlich und möglicherweise auch finanziell für höhere Aufgaben interessiert.

Was macht Ihnen Hoffnung im Hinblick auf den Rest der Saison?

Dass in die Lücken neue Leute reingesprungen sind, wie bereits angesprochen Max Wolf und Max Schwarz oder auch Tom Wolf, der eine Super-Hinrunde gespielt hat. Ich sehe, dass die einzelnen Leute sich entwickeln, aber auch dass wir als Mannschaft einen Schritt gemacht haben. In der Vorbereitung war eine tolle Stimmung im Team, auch wenn die Spiele nicht überragend waren. Wir müssen akzeptieren, dass wir immer noch die Herausforderer sind, nach der Hinrunde erst recht. Wir müssen die anderen ärgern und dürfen nicht ins Spiel gehen und denken: Hoffentlich verlieren wir nicht. Das wäre ein Riesennachteil. Alle wissen, dass es einen hohen Preis kostet, in dieser Liga zu sein, es ist aber auch eine ganz tolle Sache. Der Verein, die Mannschaft, die Spieler – jeder will unbedingt dabei sein. Die 2. Bundesliga ist keine Pflicht, die man wie einen schweren Rucksack durch die Gegend trägt, sondern ein Traum, für den es sich zu kämpfen lohnt.

Fragen: Ingo Feiertag

 

Zur Person

Daniel Eblen (43) ist seit 2004 Trainer der HSG Konstanz, bei der er als Spieler alle Mannschaften von der Jugend bis zur 2. Bundesliga durchlaufen hat. Eblen begann zunächst als Co-Trainer von Adolf Frombach, den er dann als Coach der ersten Mannschaft beerbte. Nach der Drittliga-Meisterschaft im Sommer 2016 hat sein Team als Neuling in der 2. Bundesliga überzeugt und als Tabellen-14. den Klassenerhalt geschafft. Zurzeit belegt die HSG Konstanz den letzten Rang und startet am Samstag, 20 Uhr, gegen Düsseldorf in die Rückrunde. Der gebürtige Konstanzer Daniel Eblen ist Diplom-Kaufmann, verheiratet und hat zwei Kinder. (fei)


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