Neues Trauercafé in VS: Damit das Leben weitergeht
Sie kümmern sich um die Trauernden: Pastoralreferen Uli Viereck, Trauerbegleiterin Ingrid Wenzler, Vorsitzende des Sozialausschusses Anni Preißer (von links, vorne), Sandra Peic (Mitte), sowie Trauerbegleiter Bernhard Weißhaar und Werner Hoos (von links, hinten).
Sie kümmern sich um die Trauernden: Pastoralreferen Uli Viereck, Trauerbegleiterin Ingrid Wenzler, Vorsitzende des Sozialausschusses Anni Preißer (von links, vorne), Sandra Peic (Mitte), sowie Trauerbegleiter Bernhard Weißhaar und Werner Hoos (von links, hinten). | Bild: Anja Greiner
Villingen-Schwenningen
13.09.2017 20:08
Die Franziskusgemeinde initiiert ein neues Trauercafé in Schwenningen. Ein Gespräch mit den Machern über Leere, Lachen und das Leben.

Im Hintergrund läuten die Glocken der Mariä Himmelfahrt Kirche, als Uli Viereck, 57 Jahre alt, runde Brille, schmales Gesicht, auf dem Baumwollhemd ein Holzkreuz und die wissende Gelassenheit eines gläubigen Menschen in der Stimme, sagt: "Das Tabu des Todes ist ein großes Thema."

Viereck ist Pastoralreferent der katholischen St. Franziskusgemeinde, 40 bis 50 Trauerfeiern hat er im Jahr, (zwischen 150 und 180 Trauerfeiern sind es jährlich in der Seelsorgeeinheit Neckar-Baar). Vor allem wenn er Kinder beerdigt, gibt es auch für ihn die Momente, in denen er nicht mehr Uli Viereck, der Pastoralreferent ist, sondern Uli Viereck, der Vater zweier Kinder, der sich vorstellt, wie es ist, eines davon zu verlieren.

Die Trauer, sagt er, gehört zum Leben dazu. "Wir werden alle Trauernde sein." Vielleicht hat er recht. Vielleicht lässt das Leben zu wenig Raum für Trauer, vielleicht lassen die Menschen sie nicht zu, vielleicht will man sich selbst und andere damit nicht belasten. Vielleicht, ist Uli Viereck zu wenig. Mit dem Sozialausschuss der Kirchengemeinde St. Franziskus hat er einen solchen Raum für die Trauer nun geschaffen. Jeden dritten Donnerstag wollen sie in ihrem Trauercafé mit trauernden Menschen ins Gespräch kommen. Zuhören, Vertrauen schaffen, Mut machen, das wollen sie. Im Juni waren die Planungen beendet, begonnen wurde vor einem Jahr. Die Idee stammt von Uli Viereck. "Menschen", sagt er, "brauchen Orte der Trauer". Sieben Anmeldungen hat er bisher. Mehr, als erwartet. Er hat bereits den urpsrünglich angedachten Raum gegen einen größeren getauscht. Das Einzugsgebiet, sagt er, gehe deutlich über Schwenningen hinaus. Und ihr Trauercafé ist nicht das erste in Schwenningen, wenngleich das einzig kirchlich organisierte. Auch das Hosiz Via Luce bietet einen Anlaufstelle für Trauernde an.

Auch für Ingrid Wenzler sind die Vorbereitungen beendet. Seit September 2016, als klar war, es wird das Trauercafé geben, hat sie sich zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen. Sieben Schulungen, verteilt über ein Jahr. Im Schulungszentrum in Bad Waldsee trifft sie auf Bernd Weisshaar. Weisshaar, 55 Jahre alt, gelernter Versicherungskaufmann, ist da bereits seit vier Jahren ausgebildeter Sterbebegleiter. Den Tod hat er schon oft gesehen, die Trauer danach schon oft gespürt. Er begleitet die Sterbenden einen Tag, manchmal ein Jahr, manchmal mehr. Er begleitet die Trauernden, manchmal dorthin, wo es wehtut. Dorthin, wo sie ihren Angehörigen verloren haben, beispielsweise. Achtsam sein, sich zurücknehmen, da sein. Der Dreiklang der Trauerbegleitung.

Wie man wieder Licht in das Labyrinth der Trauer bringen kann, das will Pastoralreferent Uli Viereck den Gästen im Trauercafé nahebringen.
Wie man wieder Licht in das Labyrinth der Trauer bringen kann, das will Pastoralreferent Uli Viereck den Gästen im Trauercafé nahebringen. Bild: Anja Greiner

Die schlimmste Trauer? Viereck antwortet, ohne eine Sekunde zu zögern: "Die der Eltern, die um ihre Kinder trauern." Eine Rangliste der Trauer gibt es nicht, jede ist schlimm, die der Kinder um ihre Eltern, die der Lebenspartner um ihren Partner. Den anderen loslassen, sagen sie hier, ist nur die halbe Wahrheit. Mit dem Fehlenden Leben, das ist die Ganze. Den eigenen Weg wiederfinden ohne den anderen, das ist Kunst. Schön wäre es, sagen sie, wenn Menschen sehen, es lohnt sich, weiterzuleben, dass sie spüren, dass es möglich ist, mit dem Verlust weiterzuleben.

Ingrid Wenzler hat gelernt, wie man mit Trauernden umgeht, dass man offene Fragen stellen und keine fertigen Lösungen anbieten soll, dass man zuhören und sich zurücknehmen soll, dass Kinder anders trauern, als Erwachsene, woran man einen guten Bestatter erkennt, hat gelernt, nicht innerlich zusammenzuzucken, wenn Tränen kommen und, dass es eine Gratwanderung ist, zwischen Mitfühlen und Mitleiden. Gelernt hat sie viel, dennoch weiß Wenzler, 65 Jahre alt, ehemalige Apothekerin, nicht, was im Trauercafé auf sie zukommen wird. "Man muss sich darauf einlassen", sagt sie. "Das Herz aufmachen und offen sein", sagt Weisshaar. Der Trauer Raum geben, das wollen sie in dem Café. In der Gesellschaft, sagt Viereck, gehe sie zu schnell unter.

Das Café ist dabei wörtlich zu nehmen. Sie werden zu jedem Treffen Kuchen backen. "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen", sagt Anni Preißer, sie ist die Vorsitzende des Sozialausschusses. Jeder ist Willkommen. Die Konfession spielt keine Rolle, wer noch berufstätig ist, kann später dazustoßen. Viereck ist stolz darauf, was sein Team geleistet hat. Was er sich erwartet: "Schöne, intensive Momente." Und: "Dass es auch mal lustig ist. Lachen ist auch wichtig." Noch ein Wunsch? Diesmal antwortet Weisshaar: "Dass sich auch Männer hertrauen."

Die Termine

Das Trauercafé Lichtblick findet jeden dritten Donnerstag im Monat, von 16 bis 18.30 Uhr, im Gemeindehaus St. Franziskus, Erzbergerstraße 11 in VS-Schwenningen statt. Der erste Termin ist am 21. September. Willkommen sind Menschen mit Verlusterfahrungen in Trauer, das Treffen ist konfessionell offen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, aber hilfreich. Für Rückfragen steht Pastoralreferent Uli Viereck unter Telefon 0174/1391393 oder per E-Mail an trauercafe-vs@gmx.de zur Verfügung.

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