Bach trifft Jazz: Fulminanter Auftakt für den Bergstadtsommer
Nur scheinbare Gegensätze, die sich kräftig anziehen: das David Gazarov Jazztrio (hinten) und das klassische Dönneweg Quartett (vorne) beim Eröffnungskonzert des zehnten Bergstadtsommers. Bilder: Gunter Faigle
Nur scheinbare Gegensätze, die sich kräftig anziehen: das David Gazarov Jazztrio (hinten) und das klassische Dönneweg Quartett (vorne) beim Eröffnungskonzert des zehnten Bergstadtsommers. Bilder: Gunter Faigle
Der armenischdeutsche Jazzpianist David Gazarov lässt in der Stadthalle seine große künstlerische Klasse hören.
Der armenischdeutsche Jazzpianist David Gazarov lässt in der Stadthalle seine große künstlerische Klasse hören.
Die Konzertpause wird für eine kleine Stärkung und angeregten Plausch genutzt.
Die Konzertpause wird für eine kleine Stärkung und angeregten Plausch genutzt.
Das Publikum zeigt sich zum Schluss des Eröffnungskonzertes völlig begeistert. Bild: Gunter Faigle
Das Publikum zeigt sich zum Schluss des Eröffnungskonzertes völlig begeistert. Bild: Gunter Faigle
Das Publikum zeigt sich zum Schluss des Eröffnungskonzertes völlig begeistert. Bild: Gunter Faigle
Das Publikum zeigt sich zum Schluss des Eröffnungskonzertes völlig begeistert. Bild: Gunter Faigle
St. Georgen
03.09.2017 17:53
Mit einem Eröffnungskonzert, das Genregrenzen sprengte, hat am Samstag das zehnte St. Georgener Musikfestival Bergstadtsommer begonnen.

Das Eröffnungskonzert zum zehnten Bergstadtsommer hat gehalten, was von seinen Organisatoren zugesichert war: die Grenzen zwischen Ernster Musik und Jazz verschwinden zu lassen und nur auf die Qualität der gebotenen Musik zu achten. Ein bestens gelungenes Crossover-Konzert konnte man das am Schluss nennen.

Nach der freundlichen Begrüßung durch Hanno Dönneweg und seinem Dank an die zahlreichen heimischen Sponsoren war zu erleben, wie solch eine Crossover-Veranstaltung angegangen werden kann: Zuerst spielt ein klassisches Streichquartett, dann tritt ein Jazztrio auf und schließlich machen beide gemeinsam Musik, kombinieren geschickt ihre sich voneinander unterscheidenden Stile und erweitern auf diese Art so manch gefestigte Hörgewohnheit.

Zuerst also interpretiert das Dönneweg Quartett mit Gesa Jenne-Dönneweg als erster Geigerin und ihrem Bruder und Festivalleiter Karsten Dönneweg am Cello ein wirkungsvolles Kammermusikwerk – das Streichquartett e-Moll op. 44/2 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Es ist eine Komposition, welche an die vier Streicher ziemlich hohe Ansprüche stellt. Sie erfüllen sie überzeugend dank ihres durchgehend gerundeten und an keiner Stelle ruppigen Tons, dank ihrer Aufmerksamkeit für die zahllosen feinen Effekte, einer zurückhaltenden Eleganz in der Melodieführung und besonders auch einer Beherrschung der in etlichen Varianten geforderten diffizilen Bogentechnik.

Einen mächtigen Klangkontrast bietet anschließend das David Gazarov Trio, zu dem neben dem armenischdeutschen Pianisten als Namengeber der Schlagzeuger Meinhard Obi Jenne, Ehemann von Gesa Jenne-Dönneweg, und der Bassist Mini Schulz zählen. Sie legen los mit drei Stücken, in denen sie unter dem Etikett Bachology drei Werke von Johann Sebastian Bach verjazzen: den Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme", das "Ave Maria" in der Erfindung von Charles Gounod und die Bourrée aus Bachs Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur. Gazarov zeigt sich als ungemein flexibles Energiebündel und als Improvisator von großartigem Einfallsreichtum; Jenne breitet sein riesiges Schlagrepertoire vom coolen Dahinrühren bis zum stahlhart prasselnden Schlaggewitter aus; Mini Schulz reißt seine Pizzicati mit einer beeindruckenden Kraft an und vermittelt permanent eine absolute rhythmische Sicherheit. Das ist spektakulär.

Nach der Pause kommen Streichquartett und Jazztrio gemeinsam auf die Bühne. Sie lassen den "Lover" des Komponisten Richard Rodgers hören und swingen als Septett durch George Gershwins Jazzsong "They can't take that away from me". Die Zugaben nach dem stürmischen Applaus besorgt wieder das Jazztrio: Gazarov virtuos in Tempo und Anschlagskultur, Jenne in teilweise entfesselter Manier und Schulz als souveräner Könner. Es hagelt Beifallspfiffe und Bravorufe.

Montag beim Festival

"Jenseits der Sicherheit" lautet das Konzertmotto, das beim Bergstadtsommer der Neuen Musik gewidmet ist. Das Newears Ensemble um den Klarinettisten und Saxofonisten Dirk Altmann spielt am Montag, 4. September, Stücke von Luciano Berio, Mauricio Kagel und VinkoGlobokar. Die Veranstaltung findet im Deutschen Phonomuseum St. Georgen, Bärenplatz 1, statt und beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ihre Meinung ist uns wichtig
0 Kommentare