Spekulationen um Ex-Chefarzt Runkel
Das Großkrankenhaus in Villingen-Schwenningen: Viele rätseln derzeit am Schwarzwald-Baar Klinikum über die Gründe, die zur fristlosen Entlassung des bisherigen Chefarztes Norbert Runkel geführt haben. Die Gerüchteküche brodelt in den Patientenzimmern ebenso wie auf den verschiedenen Stationen. Bild: Roland Sprich
Das Großkrankenhaus in Villingen-Schwenningen: Viele rätseln derzeit am Schwarzwald-Baar Klinikum über die Gründe, die zur fristlosen Entlassung des bisherigen Chefarztes Norbert Runkel geführt haben. Die Gerüchteküche brodelt in den Patientenzimmern ebenso wie auf den verschiedenen Stationen. Bild: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland
Schwarzwald-Baar
05.12.2017 23:20
Plötzliches Karriere-Ende sorgt für Gesprächsstoff: Sind unregelmäßige Abrechnungen der Grund für die fristlose Kündigung des langjährigen Klinikdirektors?

Die fristlose Kündigung des Chefarztes Norbert Runkel ist derzeit das Gesprächsthema Nummer eins unter Beschäftigten und Patienten am Schwarzwald-Baar Klinikum. Der unerwartete Rauswurf des Top-Mediziners lässt die Gerüchteküche weiter brodeln.

Unter anderem wird spekuliert, dass es zu finanziellen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Abrechnungen von operativen Eingriffen und medizinischen Leistungen gekommen ist. Unter anderem wird die Frage gestellt, ob es sich dabei um ungeklärte Zahlungen für Chefarztleistungen handelt, die nicht im Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sind. Die Abgrenzung solcher Wahlleistungen von den normalen Leistungen eines Krankenhauses gilt unter Fachjuristen als kompliziert, was in der Konsequenz immer wieder zu rechtlichen Konflikten führen kann.



Den Fall Runkel wollte das Klinikum bislang nicht weiter offiziell kommentieren – abgesehen von der Bestätigung der fristlosen Kündigung. Der aktuelle Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzende und Villingen-Schwenninger Oberbürgermeister Rupert Kubon hatte jedoch auf SÜDKURIER-Anfrage am Montag betont: „Die Klinik schätzt die Arbeit von Dr. Runkel außerordentlich.“

Allerdings legt die außergewöhnliche Vorgehensweise gegen Runkel – früher eines der medizinischen Aushängeschilder des Klinikums – eine tatsächlich gravierende Verfehlung als Grund für den Rauswurf nahe. Der Aufsichtsrat des Großkrankenhauses hatte sich wie berichtet eigens zu einer Sondersitzung getroffen, um den Fall Runkel zu beraten. Dabei wurde auch die Entscheidung für die sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses getroffen. Bislang ist es nach Angaben von gut informierten Kreisen noch unklar, wie mit einer Neubesetzung der bisherigen Position von Runkel weiter verfahren werden soll. Die kommissarische Leitung der Allgemein- und Viszeralchirurgie hat der Leitende Oberarzt Harald Reiser übernommen.

Im Jahr 2000 war Runkel als Chefarzt ans damalige Klinikum Villingen-Schwenningen gekommen. Am neuen Großklinikum in Villingen-Schwenningen hatte er zuletzt die Position des Direktors der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie inne. Er gilt als Spitzenmediziner im Bereich Bauchchirurgie und Adipositaschirurgie, engagierte sich für Aufklärung über Darmkrebs und die Einführung moderner Operationsmethoden. Er ist aber nach einem Motorradunfall seit Monaten nicht mehr im Dienst, wobei fraglich gewesen sein soll, ob der 60-jährige Chirurg gesundheitlich in der Lage gewesen wäre, seinen Posten wieder anzutreten.

Professer Norbert Runkel. <em>Bild: Schwarzwald-Baar Klinikum</em>
Norbert Runkel. Bild: Schwarzwald-Baar-Klinikum

Wahlleistung Chefarzt

Eine Behandlung durch den Chefarzt wird häufig als Wahlleistung genommen. Der Patient muss diese Leistung selbst bezahlen, wobei gesetzlich Versicherte eine private Zusatzversicherung abschließen können, um sich die Kosten ganz oder teilweise erstatten zu lassen, berichtet zum Beispiel das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege in seinem Online-Auftritt. Private Krankenversicherungen enthalten diese Chefarztleistungen in der Regel automatisch.

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