Nachbar-Streit: Freispruch für Rentner
Schwarzwald-Baar-Kreis
09.02.2018 15:08
Die Berufungskammer des Landgerichts kann eine Körperverletzung nicht nachweisen, daher hebt sie die Strafe gegen einen 72-Jährigen aus einer Kreisgemeinde auf.

Schwarzwald-Baar (emv) Das Landgericht Konstanz hat einen 72-jährigen Mann aus dem Kreisgebiet vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Der Freispruch erfolgte in zweiter Instanz. Das Amtsgericht Villingen hatte den mehrfach vorbestraften Rentner vor fünf Monaten zu einem halben Jahr Haft verurteilt.

Seit Jahren lag der Angeklagte mit einer 63-jährigen Nachbarin des Mehrfamilienhauses, in dem er damals lebte, im Streit. Vor einem Jahr soll er der missliebigen Nachbarin eine schwere Eingangstür so gegen den Arm geschleudert haben, dass sie eine erhebliche Handgelenkverletzung erlitt. Doch der genaue Ablauf dieser unseligen Begegnung blieb vor der Berufungskammer auch nach ausgiebiger Prüfung unklar. Die Schilderungen der 63-Jährigen brachten nach etlichen Nachfragen keine eindeutige Klärung. Auch anhand von Fotos konnte das Gericht den Vorgang nicht eindeutig nachvollziehen.

Fakt war aber, dass die gehbehinderte Frau zwei Wochen lang einen Salbenverband um ihr geschwollenes und schmerzendes Handgelenk tragen musste. Jetzt berichtete sie, der Mann habe sie damals auch übel beschimpft und herumgeschrien. Auch sei er schon zuvor mehrmals gewalttätig gegen sie geworden und werfe gerne mit Gegenständen um sich. "Einmal hat er mich so gegen das Knie getreten, dass die Prothese verrutscht ist, und ich noch einmal operiert werden musste", klagte sie. Inzwischen habe sie vermutlich aufgrund des ständigen Ärgers einen Schlaganfall erlitten. Ein Grund für die Streitereien seien ihre Hunde gewesen, die er ständig malträtiert habe. Ein anderer sein Hass auf Frauen: "Der wollte erreichen, dass ich genauso kusche wie seine Ehefrau", meinte die frustrierte Nachbarin.

Der 72-Jährige schob dagegen ihr selbst die Schuld an ihrer Verletzung zu. Es sei wahr, dass er die Hunde gehasst habe, weil sie seinen Fußabtreter ständig verschmutzt hätten. Nicht wahr sei aber, dass er der Frau die schwere Tür gegen den Arm geschleudert habe. "Sie hat sich neben mir durch die Tür gequetscht." Dabei habe sie ihm ihren "bösartigen" Zwergdackel, den sie auf dem anderen Arm trug, vors Gesicht gehalten. Da sei er sehr erschrocken.

Ganz unschuldig an der Verletzung sei er womöglich nicht gewesen, meinte das Gericht. Für eine Verurteilung hätten die Erkenntnisse jedoch nicht ausgereicht. Er musste nach dem Zweifelsgrundsatz freigesprochen werden. Der 72-Jährige sitzt derzeit zwei früher verhängte Strafen im Freiburger Gefängnis ab. Im einzigen deutschen Seniorenknast in Singen, in den er seine Strafe antrat, hatte es ihm nicht gefallen.

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