Großkampftag für alle Böcke am Schmotzigen
Da helfen auch keine Feldjäger: Dem Ansturm der Stettener Böcke auf die Hauptwache kann die Bundeswehr nicht standhalten. <em>Bilder: Hermann-Peter Steinmüller</em>
Da helfen auch keine Feldjäger: Dem Ansturm der Stettener Böcke auf die Hauptwache kann die Bundeswehr nicht standhalten. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller
Kaum ist das Schulzentrum in Narrenhand, beginnt im Lichthof und in der Aula die große Fasnetsparty.
Kaum ist das Schulzentrum in Narrenhand, beginnt im Lichthof und in der Aula die große Fasnetsparty.
Der Jahrgang 1998 hat am Schmotzigen den Transport und die Aufstellung des Stettener Narrenbaums übernommen.
Der Jahrgang 1998 hat am Schmotzigen den Transport und die Aufstellung des Stettener Narrenbaums übernommen.
Stetten am kalten Markt
08.02.2018 17:51
Kaum hatte der Morgen über Stetten gegraut und es war hell geworden, hatten die Narren in der Garnisonsgemeinde ihre erste Bewährungsprobe des Schmotzigen zu bestehen. Immerhin galt es, die Kaserne zu erstürmen.

Die närrischen Kampfeinheiten, hauptsächlich aus Böcken bestehend, und die Kapelle hatten sich schon einige Zeit vor dem festgesetzten Termin der Erstürmung in der Nähe der Hauptwache postiert. Hinter dem Zaun versammelten sich immer mehr neugierige Militärs zum Zuschauen.

Aktiv zur Verteidigung bot die Bundeswehr Soldaten und Militärpolizisten auf. Außerdem war die Truppenübungsplatzfeuerwehr aufgefahren und zeigte mit gezielten Wasserstrahlen ins Abseits, was potenzielle Erstürmer zu erwarten haben. Gerade als sich die Narren auf das bis dahin geöffnete Kasernentor zubewegen wollten, schloss der Wachdienst das massive Stahltor. Dahinter bauten sich als lebende Mauer Soldaten und Feldjäger auf. Doch die Böcke ließen sich nicht abschrecken.

Die närrische Front näherte sich unaufhaltsam dem Tor. Die Böcke klammerten sich an die Gitter und begannen, daran zu rütteln. Jetzt machten sich bei den Soldaten die ersten Ermüdungserscheinungen breit. Schließlich blieb den Uniformierten nichts anderes übrig, als das Tor zu öffnen. Jetzt kam es zum Gerangel zwischen Bock und Soldat. Dabei behielten die Narren erneut die Oberhand. Die Verteidiger gaben das Haupttor frei. Mit dem Scheiffele-Marsch marschierten Narren und Kapelle als Sieger ins Militärareal ein. Drinnen wurden sie mit Sekt begrüßt.

Um 9.35 Uhr schlugen die Narren erneut, und zwar zeitgleich in den beiden Kindergärten, im Schulzentrum und wenig später auch im Alten- und Pflegeheim "Haus Silberdistel" zu. Selbst im Sigmaringer Landratsamt war Kreischefin Stefanie Bürkle vor einem Bock-Mäh-Besuch der Stettener Narren nicht sicher. Im evangelischen Kindergarten warteten die 45 Mädchen und Jungen ebenso wie ihre Erzieherinnen bunt verkleidet auf den närrischen Besuch. In die Kindergärten kamen nicht die Mitglieder der Bockzunft. Aus Storzingen kamen wenig später die Felsdapper und aus Glashütte die Glasbläser zur Unterstützung der Befreiungsaktion in die Vorschuleinrichtungen.

Im Schulzentrum mündete die Ankunft der Narren in eine richtige Fasnetssause. Sowohl auf dem Lichthof des Schulgeländes, als auch in der Aula war Party pur angesagt. Viele Schüler und Lehrer waren in Verkleidung erschienen. Die Mitglieder der Zunftkapelle, die sich normalerweise Feuerwehrkapelle nennt, spielten eins ums andere Mal den Scheiffele Marsch. In der Aula erklang Partykracher um Partykracher – das Schulzentrum war zur Festmeile geworden.

Am Nachmittag verlagerte sich der Schauplatz des närrischen Geschehens auf den Schlosshof. Hier vor dem Rathaus hatte der bisherige Bürgermeister Maik Lehn seine Verteidigungslinien aufgebaut. Doch seine nur mit Holzgewehren bewaffneten Soldaten konnten wie schon die Bundeswehrler dem närrischen Ansturm nichts entgegensetzen. Unter den Augen zahlreicher Zuschauer, darunter auch der Landrätin, musste Maik Lehn seine Niederlage zugeben.

Er kündigte aber an, zu Aschermittwoch wieder zurückkehren zu wollen. Währenddessen hatten die Mitglieder des Jahrgangs 1998 die Vorbereitungen für das Aufrichten des Narrenbaums beendet. Noch während vor der Rathaustür verdiente Narren mit Bockschlag und Orden geehrt wurden, richtete sich der Baum langsam aber stetig in seine Endposition auf.

Fasnet steht dieses Jahr ganz unter dem Motto "Bock-TV"

Auch Stettens Narren haben ihre liebe Not mit dem Berliner Regierungs-Hickhack. Das damit verbundene Leid für die Hüter der Ortsfasnet formulierte Zunftmeister Oliver Beil in seiner Absetzungsrede für Maik Lehn:

"Diese Fasnet steht ganz unter dem Motto Bock-TV. Zunächst hatten wir an Jamaika gedacht, jedoch hat uns hierbei die aktuelle Lage längst überholt." Flexibel und pragmatisch hätten sich die Narren dann auf das TV-Motto konzentriert. Was die Bockzunft aus diesem Motto gemacht hat, werde sich beim Zunft- und Scheiffele-Ball am Samstag zeigen, kündigte der Zunftmeister an. Der neben ihm stehende, einstweilen entmachtete Bürgermeister hatte für die Zuhörer ebenfalls eine Ankündigung mitgebracht. Er werde, so vertraute der Kommunalpolitker der Öffentlichkeit an, im Sommer zum ersten Mal Vater werden.

Doch zurück zum Ernst der närrischen Tage und damit zu den Ausführungen des Zunftmeisters. Natürlich kam die Fasnet für die Bock-Narren nicht überraschend. Dazu Oliver Beil: "Endlich ist es wieder soweit und wir haben die Macht im Ort in unseren Händen. Seit Monaten, kaum dass die letzte Fasnet rum war, sind wir schon dran und scharren kräftig mit den Hufen, damit es endlich wieder losgange ka." Im politischen Teil seiner Erklärung bekannte der Zunftmeister, der auch Ortsvorsitzender der CDU ist, seine Sympathie für Cem Özdemir: "I hann da Eindruck gewonne, mit so oim hätt me was reiße könne, aber en Schwaze isch er au it", stellte der Zunftmeister fest.

Über die Ehrungen verdienter Narren wird der SÜDKURIER noch berichten. (hps)

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