Flüchtlingsunterkunft Sigmaringen: Bürgermeister schreibt Brandbrief an die Politik
Ein Zaun trennt das Gelände der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Sigmaringen ab. Die Erstaufnahme steht in der Öffentlichkeit heftig in der Kritik. Bild: dpa
Ein Zaun trennt das Gelände der Erstaufnahmestelle für Asylbewerber in Sigmaringen ab. Die Erstaufnahme steht in der Öffentlichkeit heftig in der Kritik. Bild: dpa | Bild: Thomas Warnack
Sigmaringen
09.02.2018 16:41
Seit 38 Jahren werden Flüchtlinge im Landkreis Sigmaringen erfolgreich von Bürgern und Behörden betreut. Doch mit der Unterbringung mehrerer hundert Asylbewerber seit 2015 sind Stadt und Landkreis überfordert. Jetzt fürchtet Bürgermeister Schärer, dass die Integration scheitern könnte

Nachdem es rund um den Bahnhof Sigmaringen immer wieder zu Alkoholexzessen und Pöbeleien durch Asylbewerber gekommen ist und Ladenbesitzer in der Innenstadt über eine Zunahme von Diebstählen klagen, platzt Sigmaringens Bürgermeister Thomas Schärer nun der Kragen. In einem Brief an die Innenminister von Bund und Land, de Maiziére und Strobl, sowie an Abgeordnete, Regierungspräsidium und Landrätin fordert Schärer Maßnahmen, um "eine konsequente Sanktionierung von auffälligen Asylbewerbern" zu erreichen.

In Sigmaringen leben derzeit mehr als 500 Flüchtlinge in der Landeserstaufnahme-Einrichtung in der einstigen Graf-Stauffenberg-Kaserne. Außerdem befinden sich in der Stadt 120 Flüchtlinge in einer Gemeinschaftsunterkunft sowie 200 Menschen in kommunaler Anschlussunterbringung. Es gäbe viele positive Entwicklungen bei der Integration, so Schärer. Dennoch machen der Stadt kleinere Gruppen von auffälligen Flüchtlingen zu schaffen.

In seinem Brief verweist der Bürgermeister auf "Rückmeldungen aus der Bürgerschaft", in denen es kein Verständnis dafür gäbe, dass auffällige Asylbewerber "kaum Sanktionen zu befürchten" hätten. Es müssten schnelle Maßnahmen ergriffen werden, die auch rasch umgesetzt werden sollten. Dabei regt Schärer einen Hausarrest für auffällige Asylbewerber an, vorübergehenden Smartphone-Entzug, ein härteres Durchgreifen bei Beleidigungen und mehr Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingen. Kritisch sieht er auch, dass Benimm- und Suchtpräventionskurse für Asylbewerber nur freiwillig sind. Diese sollten verpflichtend sein, so Schärer. "Die freiweilligen Angebote der Landeserstaufnahme Sigmaringen haben zu positiven Erfahrungen geführt." Verpflichtend sollte für neue Asylbewerber auch ein Stadtrundgang mit einem Streetworker sein.

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