Prozessauftakt: Duo prügelt auf 36-jährigen Kneipenbesucher ein
Pfullendorf
09.02.2018 11:57
Zwei Männer müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Sie sollen einen 36-Jährigen in und vor einer Gaststätte mit Tritten, Schlägen krankenhausreif geprügelt haben. Das Opfer bekam auch eine Stichwunde ab.

Wegen gefährlicher Körperverletzung sind zwei Männer vor dem Amtsgericht unter Vorsitz von Richterin Carbotta angeklagt, die am 21. Mai 2016 einen Gast in einer Gaststätte verprügelt und erheblich verletzt haben sollen. Das Urteil wird voraussichtlich am 19. Februar verkündet.

Aus der von Staatsanwalt Desmond Weyl verlesenen Anklage ging hervor, dass einer der beiden Angeklagten nach einem Disput dem 36-jährigen Opfer zunächst einen sehr heftigen Kopfstoß verpasst haben soll. Danach, so der Vorwurf, habe es Faustschläge gehagelt, das Opfer sei mehrere Meter nach hinten gestürzt. Als das Opfer nach draußen flüchtete, seien ihm die beiden Angeklagten gefolgt. Vor der Gaststätte soll das Opfer nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit Fußtritten traktiert worden sein sowie eine Stichverletzung im Rücken erhalten haben.

Der Geschädigte, der auch als Nebenkläger in Begleitung seines Anwalts erschienen war, konnte sich jedoch nur noch sehr eingeschränkt an die Ereignisse in der Nacht erinnern. Er berichtete, dass er zusammen mit einem Nachbarn an der Theke gesessen habe. Dort seien auch zwei Mädchen gesessen, die von einem anderen Gast ständig „angelabert“ worden seien. Deshalb habe er den Wirt zwei Mal darum gebeten, er möge eingreifen. Dann sei alles sehr schnell gegangen. „Ich stand vor dem Stammtisch und habe einen wahnsinnigen Schlag auf den Kopf bekommen.“ Danach sei er total benommen gewesen. Bei einer Gegenüberstellung habe er jedoch den Angeklagten, der ihm den Kopfstoß verpasst hatte, zweifelsfrei identifizieren können.

Draußen vor der Gaststätte hätten dann beide Angeklagten auf ihn eingeschlagen. Dabei habe er nicht nur zahlreiche Faustschläge an den Kopf und den ganzen Körper erhalten, sondern auch Fußtritte, als er auf dem Boden lag. Von einem Messerstich habe er zunächst nichts gespürt. Mit dem Handy habe er danach die Polizei gerufen. Der Wirt habe versucht, ihn von der Alarmierung der Polizei abzuhalten: Er wisse wohl nicht mit wem er sich da anlege, so die Worte des Wirts.

Auf Anraten der Polizei sei er noch in der Nacht das erste Mal ins Krankenhaus gegangen und am nächsten Morgen erneut. Aus einem von Richterin Carbotta verlesenen, ärztlichen Attest ging hervor, dass der 36-Jährige eine Schädelplatzwunde und mehrere Prellungen von der Schlägerei davongetragen hat. Beim zweiten Krankenhausbesuch wurde dann eine drei Zentimeter lange Stichverletzung festgestellt. Obwohl das Opfer einräumte, in der Nacht alkoholisiert gewesen zu sein und sich an den Ablauf nicht mehr genau erinnern konnte, war sich der 36-Jährige sicher, dass die zwei Angeklagten ihn vor der Gaststätte misshandelt hatten.

Den Reigen der Zeugen eröffnete der 33 Jahre alte Begleiter des Opfers. Der Mann beklagte sich genauso wie die darauffolgenden Zeugen über die fast zweijährige Dauer von der Tat bis zur Gerichtsverhandlung. Vom Beginn der Schlägerei in der Gaststätte und der Fortsetzung im Freien konnte er keine wesentlichen Angaben machen. Er bestätigte jedoch die Belästigung der beiden Mädchen durch einen anderen Gast. Der Wirt habe jedoch auf die Aufforderung zum Einschreiten nicht reagiert. Als sein Begleiter jedoch wieder ins Lokal zurückgekommen sei, habe der „Blut gespuckt“. Auch ihm sei jedoch ziemlich deutlich zum Verstehen gegeben, dass man keine Polizei haben wolle. Zu ihm habe man gesagt: „Nein, lass das, geh lieber nach Hause, du warst nie hier.“

Als Beweismittel lag dem Gericht eine Videoaufzeichnung vom Ablauf in der Gaststätte vor. Was jedoch dann vor der Gaststätte passierte, ist nicht auf Video dokumentiert. Bei der Polizei hatte ein Zeuge zu Protokoll gegeben, dass er gesehen habe, wie die beiden Angeklagten hinter dem Opfer hinausgegangen seien und es draußen geschlagen hätten. In der Verhandlung räumte er jedoch ein, dass er von der Schlägerei vor der Gaststätte durch das Fenster mit farbigen Ornamentglas keine Gesichter habe erkennen können.

Der als Zeuge geladene Sachbearbeiter vom Polizeiposten Pfullendorf berichtete, dass er die Ermittlungen erst im Nachhinein übernommen habe. Die Vernehmung der Zeugen sei ein bisschen schwierig gewesen. Der mittlerweile im Ruhestand befindliche Polizeihauptmeister untermauerte seine Wahrnehmung mit den Worten: „Die hatten einfach Angst.“ Auf Befragen räumte er jedoch ein, dass dies nur ein Gefühl von ihm sei, denn geäußert habe dies kein Zeuge.

Der als Zeuge geladene und mittlerweile nach Böblingen verzogene Gastwirt war zur Verhandlung nicht erschienen. Er wird daher erneut vorgeladen. Dazu wird auch noch eine weitere Zeugin geladen. Die Verhandlung wird am Montag, 19. Februar, um 9 Uhr fortgesetzt.

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