Pfullendorferin wird beinahe Opfer von Betrugsmasche
Bildunterschrift
Immer wieder versuchen Kriminelle in der Region, mit betrügerischen Telefonanrufen und Schadsoftware Geld zu erpressen.
Pfullendorf
09.02.2018 16:30
Telefonbetrüger wollten sich Zugang zu heimischem Computer verschaffen. Wahrscheinlich sollte der PC über Schadsoftware geentert werden. Die kriminellen Täter arbeiten sich nach den Beobachtungen der Polizei systematisch durch Telefonbücher.

Marion Ritter wäre am Mittwoch beinahe Opfer von Telefon-Betrügern geworden. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Pfullendorferin hätte sich Schadsoftware auf ihren heimischen Rechner geladen. Ihre Erfahrungen nahm sie zum Anlass, sich an den SÜDKURIER zu wenden, damit potenzielle andere Opfer gewarnt werden. Offensichtlich versuchen Kriminelle in der Region zurzeit wieder, mit einer bekannten Masche Geld zu erpressen. In der vergangenen Woche wurden beim Polizeipräsidium in Konstanz vier ähnliche Fälle aus dem Landkreis Konstanz gemeldet, wie Polizeisprecher Bernd Schmidt auf Anfrage sagte. Marion Ritter fragte sich, woher die Anrufer ihre Telefonnummer hatten. Die Kriminellen würden einfach die Telefonbücher zur Hand nehmen und die Nummern eines ganzen Landkreises systematisch anrufen, schildert der Polizeisprecher. Denn heutzutage verfüge jeder Haushalt über einen Computer, deshalb sei die Trefferquote sehr hoch. Grundsätzlich rät Schmidt, bei solchen Anrufen einfach aufzulegen.

Bei Marion Ritter meldete sich zunächst eine sehr schlecht Englisch sprechende Frau. Diese behauptete, sie sei vom us-amerikanischen Computerunternehmen Microsoft. Ihren Anruf begründete sie damit, dass Microsoft ein Hackerproblem habe und deshalb eine Software auf den heimischen Rechner von Marion Ritter aufgespielt werden müsse. Hier wurde die Pfullendorferin stutzig. Ihr Hinweis, dass sie bereits ein Schutzprogramm auf ihrem Rechner installiert habe, wurde von der Gegenseite mit dem Hinweis gekontert, dass durch eine bestehende Sicherheitslücke die Hacker dieses Schutzprogramm überspringen könnten.

Doch als der Name der mutmaßlichen Microsoft-Schutzsoftware genannt wurde, erinnerte sich die Pfullendorferin an eine Warnung, diese Software nicht aufzuspielen. Oftmals würde den Angerufenen suggeriert, sie müssten diese Software nutzen, damit von außen auf den Rechner zugegriffen werden könne, schildert der Polizeisprecher. Wenn die Software aktiviert ist, dann haben sich die Kriminellen ein Zugriffsfenster auf den betroffenen Computer verschafft. Mit teilweise verheerenden Folgen, wie Bernd Schmidt weiß. Nicht selten würden die Daten darauf so schwer zerstört, dass diese nur unter sehr großem technischen Aufwand wiederhergestellt werden könnten. "Das Unternehmen Microsoft wendet sich nicht telefonisch an seine Kunden," sagt Bernd Schmidt und begründet damit sehr einfach, warum solche Gespräch sofort abgebrochen werden sollten.

 

Marion Ritter war zunächst mit der Aussage konfrontiert worden, ihr Computer könnte wegen einer Sicherheitslücke von Hackern attackiert werden. Als sie jetzt Widerstand zeigte, wurde das Gespräch von einem gut Englisch sprechenden Mann übernommen, der den Druck erhöhte. Marion Ritter legte auf, um kurz darauf sofort wieder angerufen zu werden. In diesem zweiten Telefonat sei sie sogar angeschrien worden, bevor sie ein zweites Mal auflegt und das Gespräch beendete. Auch eine solche Eskalation des Gesprächs ist der Polizei bekannt. Mit allen Mitteln wollen die Kriminellen einen Zugriff auf den fremden Computer erreichen, um Geld erpressen zu können. Marion Ritter hat ihren Computer nach dem zweiten Telefonat gründlich inspiziert.

Und die Polizei über den Anruf informiert. Polizeisprecher Bernd Schmidt rät dazu, in solchen Fällen immer die Polizei zu informieren. Denn dann könne eine öffentliche Warnmeldung herausgegeben werden, um vor dieser kriminellen Masche zu warnen. Die Täter würden meist ähnlich vorgehen und nur Varianten verändern. Marion Ritter war beispielsweise überrascht, dass die Kriminellen unter einer us-amerikanischen Telefonnummer anriefen. Sie vermutet aufgrund der Hintergrundgeräusche, dass der Anruf aus einem Callcenter kam und die Frau, die zunächst am Hörer war, von den Philippinen stammen könnte.

Wie im oben geschilderten Fall gehen die Kriminellen auch bei der Enkeltrick-Masche vor. Die Betrüger rufen nach den Erfahrungen der Polizei meist bei älteren und allein lebenden Personen an und geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus. Die Angerufenen werden um Bargeld gebeten. Vorgetäuscht werde ein finanzieller Engpass oder eine Notlage wie etwa ein Unfall. Die Lage werde als äußerst dringlich dargestellt, um Druck aufzubauen. Die Telefonnummern würden die Kriminellen aus den Telefonbüchern herausfiltern, in dem sie nach heute nicht mehr üblichen Vornamen suchen würden, wie Bernd Schmidt schildert. Ein Vorname wie Kunigunde beispielsweise lasse die Täter annehmen, dass sie unter dieser Nummer eine Seniorin finde, bei der ihre Masche Erfolg haben könnte.

 

Tipps gegen kriminelle Maschen

Den allermeisten Nutzern ist zwar das Thema Sicherheit im Internet wichtig, doch gezielt informieren sich nur rund 30 Prozent darüber, wie eine repräsentative Umfrage ergab. Zum Umgang mit kriminellen Anrufern hat die Polizei einige Tipps bereit:

Sicherheit im Internet ist 97 Prozent aller Deutschen wichtig. Dennoch informiert sich nur jeder Dritte gezielt zum Thema IT-Sicherheit. Das hat eine repräsentative Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes ergeben. Die Nutzer interessiert nach dieser Umfrage sicheres Surfen vor allem dann, wenn es um ihr Geld geht. Für 71 Prozent aller Befragten ist besonders beim Online-Banking die Sicherheit wichtig, fast jeder zweite (45 Prozent) ist auf Sicherheit beim Online-Shopping bedacht. Bei sozialen Netzwerken (11 Prozent), Cloud-Diensten (8 Prozent) und vernetzten Geräten zur Heimsteuerung (4 Prozent) ist den Befragten dagegen das Thema Sicherheit kaum bis gar nicht wichtig.

Tipps zum Umgang mit Betrügern am Telefon: Die Polizei rät, sich bei solchen Anrufen nicht unter Druck setzen zu lassen. Am besten sei es, einfach aufzulegen. „Sprechen sie am Telefon nicht über ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse. Übergeben sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen. Sprechen sie mit Ihrer Familie oder anderen Vertrauten über den Anruf“, heißt es in einer Informationsbroschüre der Polizei. Und die Rückruf-Funktion sollte nicht genutzt werden. Nach einem solchen Anruf sei es am besten, die Polizei zu informieren. (dim)

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