Grüne analysieren die Bundestagswahl und ihr Abschneiden
Der Sigmaringer Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen zieht Bundestagswahlbilanz (von links): Inci Usanmaz, Wolfgang Ruff und Klaus Harter. Bild: Jürgen Witt
Der Sigmaringer Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen zieht Bundestagswahlbilanz (von links): Inci Usanmaz, Wolfgang Ruff und Klaus Harter. Bild: Jürgen Witt | Bild: Jürgen Witt
Kreis Sigmaringen
10.10.2017 19:46
Freude über kleine Zuwächse im Landkreis Sigmaringen bei der Tagung im Mengener Hotel Baier. Kritik des Direktkandidaten Erwin Feucht zur Medienbegleitung, die ihn nicht zufrieden gestellt hat.

In einer öffentlichen Sitzung im Mengener Hotel Baier hat der Sigmaringer Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Rückschau auf die Bundestagswahl vom 24. September gehalten. Den daraus resultierenden leichten Stimmenzuwachs nannte der Kreisvorsitzende Klaus Harter ein "respektables Ergebnis" – durch Ausgleichs- und Überhangmandate seien die Grünen mit 13 Abgeordneten (plus 3 gegenüber 2013) noch nie so stark in Berlin vertreten gewesen.

Grünen-Kreisschatzmeister Wolfgang Ruff ging dann in die Detailanalyse und stellte fest, dass die Grünen im Vergleich vor vier Jahren im Landkreis Sigmaringen 2520 Stimmen hinzugewonnen haben – beim Ergebnis von 11,97 Prozent bedeutet dies einen Zuwachs von 2,85 Prozent. Gute Zuwächse hätte in Beuron das Thema Kalkabbau und in Inzigkofen die Bundesstraße 311 neu gebracht, Stimmengewinne hätten die Grünen auch wegen ihrer Haltung zur Windkraft in Leibertingen und Meßkirch verbuchen können. Selbstkritisch stellte Ruff fest, dass durch die Zweiteilung dieses Wahlkreises die Verbindung zum Bodenseekreis und dessen Grünen-Kandidaten Markus Böhlen "nicht ganz so erklecklich" gewesen sei, hätten sich die beiden Grünen-Verbände im Nachgang deutlich besser absprechen müssen. Die politischen Themen seien aber richtig gewählt worden.

Als einen "Pferdefuß" bezeichnete Klaus Harter den erstmaligen Einzug der nationalkonservativen, völkischen AfD in den Bundestag. "Mit dieser Partei werden wir uns auseindersetzen müssen", stellt sich der Kreisvorsitzende auf ein hartes Ringen mit dem politischen Gegner ein.

Dass der für den Wahlkreis 295, Zollernalb-Sigmaringen bestimmte Direktkandidat Erwin Feucht nicht noch mehr Präsenz zeigen konnte, sei seinem Job als Gastronom geschuldet, sagte Ruff. Er bescheinigte dem Kandidaten, sich "bestens eingesetzt" zu haben. Feucht war bei der Versammlung selbst nicht zugegen und hatte dazu eine schriftliche Stellungnahme verfasst, die Klaus Harter im Teilnehmerkreis verlas. Neben dem Loblied auf alle tüchtigen Mitstreiter im Wahlkampf brachte dieser seine Freude über sein persönliches Erststimmenergebnis zum Ausdruck: Erwin Feucht hatte in diesem Wahlkreis gegenüber seinem Vorgänger von 2013, Roman-Hartmut Wauer, 6687 Stimmen mehr, das sind plus 4,4 Prozent, einheimsen können. Nicht zufrieden hätten ihn die Podiumsdiskussionen der Medien gestellt: Grüne Themen zur Energiefrage, zur Landwirtschaft oder zum Naturschutz seien hierbei zu kurz gekommen.

Mit einem Smiley hinter dem Wort Hahnennest begegnete Feucht lapidar seinem eigenen Zick-Zack-Kurs in Bezug auf den geplanten 1000-Mega-Kühestall in der Ostracher Teilgemeinde: Zunächst votierte er klar dafür, im Kontrast zur Grünen Landesvorsitzenden Sandra Detzer, die den Kuhstallgegnern wenige Tage zuvor einen solidarischen 1000-Euro-Scheck überreichte. Dann ruderte Feucht schnell wieder zurück, ganz im Sinne intervenierender Sigmaringer Kreisgrünen, und sprach sich gegen jede Art von Massentierhaltung aus.

Wolfgang Ruffs Resümee: Immer, wenn die Grünen die Probleme vor Ort angenommen und sich dazu positioniert haben, stießen sie auf gute Resonanz. So gelte es, bei der Kommunalwahl 2019 kreisweit eigene Listen aufzustellen. "Auf diese Gelegenheit müssen wir hinarbeiten", zielt der Kreisschatzmeister auf eine breitere Basis und den Gewinn von mehr Aktiven ab – sie seien ein wichtiger Pfeiler für zukünftige gute Wahlergebnisse.

Delegiertenwahlen

Zu der noch nicht terminierten Bundesdelegiertenkonferenz, für die sich vier Kandidaten bewarben, wurde zuvor deren Haltung zu den Koalitionsverhandlungen abgeklopft: Alle würden einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen zustimmen: Die Sigmaringer Kreisgrünen schickten daraufhin Ina Schultz ins Rennen, mitfahrender Ersatzmann ist Wolfgang Ruff. Als Delegierte für die Landesdelegiertenkonferenz, die am 25./26. November in Bruchsal abgehalten wird, wurden Inci Usanmaz und Wolfgang Ruff gewählt. Als Ersatzleute stehen Ursula Voelkel und Michael Gangotena parat.

Kreisvorstand der Grünen

Vorsitzender des Sigmaringer Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen ist Klaus Harter, sein Stellbvertreter gerold Schellinger. Als Kreisschatzmeister fungiert Wolfgang Ruff. Beisitzer sind Andrea Bogner-Unden, Roman Rist, Michael Gangotena und Inci Usanmaz.

Die nächste Jahresversammlung wird am Freitag, 17. November, im Hotel-Gasthof Traube in Sigmaringen abgehalten. (jüw)

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