Narren bestrafen Bürgermeister für die Straßensperrungen
Ein strenges Narrengericht in Rielasingen-Worblingen urteilt über das angeklagte Gemeindeoberhaupt Ralf Baumert, der sich vergeblich verteidigt. BILD: SANDRA BOSSENMAIER
Ein strenges Narrengericht in Rielasingen-Worblingen urteilt über das angeklagte Gemeindeoberhaupt Ralf Baumert, der sich vergeblich verteidigt. BILD: SANDRA BOSSENMAIER
Vergeblich ist die Müh des Fürsprechers Michael Pätzholz (Mitte). Das Narrengericht mit dem hochwohlgeborenen Junker Hans vom Rosenegg (rechts) urteilt über des Schultes Ralf Baumert (links) Absperr-Umleitungs-Unfähigkeit
Vergeblich ist die Müh des Fürsprechers Michael Pätzholz (Mitte). Das Narrengericht mit dem hochwohlgeborenen Junker Hans vom Rosenegg (rechts) urteilt über des Schultes Ralf Baumert (links) Absperr-Umleitungs-Unfähigkeit
Das Narrengericht mit dem Ziel der Absetzung des Schultes tagt in Rielasingen. Für den als Worblinger Biber vorgeführten Ralf Baumert (Mitte) gibt es keine Gnade. <em>Bild: Sandra</em> Bossenmaier
Das Narrengericht mit dem Ziel der Absetzung des Schultes tagt in Rielasingen. Für den als Worblinger Biber vorgeführten Ralf Baumert (Mitte) gibt es keine Gnade. Bild: Sandra Bossenmaier
Rielasingen-Worblingen
08.02.2018 18:06
Das Narrengericht versammelte sich in Rielasingen. Das Gemeindeoberhaupt Ralf Baumert wurde wegen Unfähigkeit angeklagt. Als Strafe muss der Schultes nun eigenhändig Straßen sperren.

Das Narrenvolk aus Katzdorf, Schaflingen und Rattlingen hatte sich am Schmutzige Dunnschtig auf dem Narrenplatz versammelt. Von Mitleid zeigte es keine Spur, als das Gemeindeoberhaupt Ralf Baumert vor das Gericht geführt wurde. Auch sein Gewand des Worblinger Bibers – oder vielleicht gerade deswegen – verschonte ihn nicht vor einer erbarmungslosen Verhandlung.

Angeklagt der übermäßigen Straßensperrungsaktivitäten wurde er. Kaum hätte er den Rathausbuckel gesperrt, hätte er erst richtig angefangen, so der Burgvogt Spindler (Michael Blum in seiner Paraderolle) in seiner Anklage. Gesperrt hatte der Schultes die Kreuzung nach Arlen und die Hardstraße in Worblingen. Damit ja keiner mehr ins Rathaus könne und man dort seine Ruhe hätte, sperrte der Schultes dann auch noch die Lessingstraße. Für das Volk war es fast unmöglich, in das Rathaus zu kommen. Den Rathäuslern sei es egal gewesen, sie hätten einfach vier Wochen Sonderurlaub genommen.



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"Ralf Baumert, man sieht's ihm an, hat auch dieses Jahr nur sein Bestes getan", setzte sich sein Fürsprecher Michael Pätzholz, Oberhaupt des örtlichen Handel- und Gewerbevereines, für den Angeklagten ein. Schuld hätte nicht der Schultes, sondern ganz allein das Landratsamt in Konstanz, dies sei doch klar, "denn dort hockt die ganze Sesselfurzerschar". Die dort oben in Konstanz hätten keine Ahnung von einer praktischen Planung.

Loben müsse man den Schultes. Die Vorteile der Straßensperrungen für die Rielasinger lägen doch deutlich auf der Hand. Kaum ein Arlemer hätte nach Rielasingen kommen können. Die Arlemer hätten zu Hause bleiben müssen – im Haus und im Bett, das sei doch nett.

Baumert selbst verteidigte sich vor dem hochwohlgeborenen Junker Hans vom Rosenegg (Andreas Fürst, auch in seiner Paraderolle). Zum Üben hätte man die Straßen gesperrt. Falls der Weihnachtsmarkt und der Narrenplatz in nächster Zeit woanders stattfinden würden, hätte man schon Übung mit den Sperrungen. Aber alle Verteidigung war erfolglos, kein Erbarmen gab es für Baumert – die Gerechtigkeit des Junkers Hans nahm ihren Lauf.

"Die Bürger hatten eine schwere Zeit mit Deiner Absperr-Umleitungs-Unfähigkeit", so der Junker in seiner Urteilsbegründung. Des Schultes Hochmut müsse bestraft und das Urteil gefällt werden. Neben einer Spende an die Narren von 1001 Litern Wein müsse sich der Schultes rächen am Landratsamt. Den Weihnachtsmarkt und den Narrenplatz wird Baumert in Zukunft persönlich absperren. Mit erhobener Hand schwor feierlich der Angeklagte: "Hoch und heilig verspreche ich, mich am Landratsamt zu rächen." Nie mehr werde in Zukunft mehr als eine Straße gesperrt werden "so wahr ich de Schultes vu Schaflinge, Katzdorf und Rattlinge bin", versprach der Verurteilte.

Die Amtsgewalt wurde dem Schultes entzogen, Junker Hans nahm den Rathausschlüssel in Besitz. Feiern solle das närrische Volk bis zum Morgen, ohne Kummer und Sorgen.

 

Umzug für Roland Schoch

Viel zu früh war der langjährige Narrenpräsident der Rattlinger, Roland Schoch, letztes Jahr gestorben. Ihm zu Gedenken lautet das Motto des diesjährigen Gemeinschaftsumzuges in Rielasingen-Worblingen "Der Himmel über NARIWO". Los geht es am Fasnet Sunntig um 13.11 Uhr ab der Arlemer Gems. Gemeinsam ziehen die Rattlinger, Schaflinger und Katzdorfer durch die Straßen. An der Talwiesenhalle wird dann ein Kindernarrenbaum aufgestellt. An Junkers großer Tafelrunde darf gemeinsam das mitgebrachte Vesper verzehrt werden. Ab 14.11 Uhr ist dann in der Festhalle Kinderfasnet.

 

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