Kommentar: Arbeitgeber müssen umdenken
Singen
13.09.2017 18:12
Die gute Konjunktur stärkt die Position der Arbeitnehmer. Das war nicht immer so. Gut ausgebildete Nachwuchskräfte sind gefragt und können entsprechend selbstbewusst verhandeln.

Vollbeschäftigung und demografischer Wandel sind die Faktoren, die die heutige Arbeitswelt bestimmen. Die Industrie boomt. Deutschland ist die Exportnation Nummer 1. Das hat auch im Hegau zur Folge, dass die Produktionshallen seit Monaten unter Volllast stehen. Die Industrie – und hier besonders die Zulieferer der Automobilindustrie wie Constellium oder Georg Fischer – baut Zusatzschichten und Wochenendarbeit ein, um Aufträge abzuarbeiten.

Dazu sind die Arbeitgeber auf das Entgegenkommen ihrer Belegschaft oder den Einsatz von Leiharbeitern angewiesen. Beides ist den Gewerkschaften, wie jetzt der IG Metall, ein Dorn im Auge. Sie wollen die Arbeitnehmer vor ausufernden Arbeitszeiten schützen und die Leiharbeiter in feste Verträge bringen. So muss man die Bemerkung von Enzo Savarino verstehen, wenn er sagt: "Unsere Betriebe verdienen so viel Geld, dass sie nicht auf diese Modelle angewiesen sind." Tatsächlich sollten die Arbeitgeber den Umgang mit ihren Mitarbeitern überdenken. Wenn sie den wachsenden Fachkräftemangel schadlos überstehen wollen, so müssen sie neue Modelle entwickeln, mit denen sie Beschäftigte an sich binden.

Unternehmensführung nach Gutsherrenart ist langfristig zum Scheitern verurteilt, weil die junge Generation sich längst nicht mehr alles gefallen lässt. Statt sich demütig am Arbeitsplatz aufzuopfern, sucht sich der gut ausgebildete Nachwuchs selbstbewusst den Betrieb mit den attraktivsten Bedingungen in einer Region mit dem höchsten Freizeitwert. Wer diese Entwicklung ignoriert, könnte schon bald massive Probleme bekommen, seine Stellen zu besetzen. Arbeitskräfte haben ihren Wert längst erkannt. Deshalb handelt klug, wer seine Mitarbeiter gut behandelt.

gudrun.trautmann@suedkurier.de
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