Mehr Mitglieder, mehr Hilfsbedürftige: Der Sozialverband VdK wächst an
Ehrung für Martha Hafen (vorn, Mitte): Seit 70 Jahren ist sie Mitglied im VdK. Es gratulieren und danken (v.l.) der Kreisvorsitzende Eckhardt Strehlke, Jochen D. Lentzsch (Vorsitzender VdK Radolfzell), Gerlinde Spielvogel (Schriftführerin), Ralf Witzstrock (Kassier), Helen Benedix (Frauenbeauftragte) sowie die Beisitzer Hanelore Witzstok, Elke Lentzsch, Martha Riedmüller und Monika Strölin.
Ehrung für Martha Hafen (vorn, Mitte): Seit 70 Jahren ist sie Mitglied im VdK. Es gratulieren und danken (v.l.) der Kreisvorsitzende Eckhardt Strehlke, Jochen D. Lentzsch (Vorsitzender VdK Radolfzell), Gerlinde Spielvogel (Schriftführerin), Ralf Witzstrock (Kassier), Helen Benedix (Frauenbeauftragte) sowie die Beisitzer Hanelore Witzstok, Elke Lentzsch, Martha Riedmüller und Monika Strölin. | Bild: Lange
Radolfzell
16.04.2018 17:52
Der Sozialverband VdK verzeichnet zunehmend mehr Mitglieder. Für den Radolfzeller Vorsitzenden ist das auch ein Zeichen einer bitteren Entwicklung: Die soziale Schieflage nehme zu, deshalb seien mehr Menschen auf die Hilfe des VdK angewiesen.

Viele Vereine verzeichnen einen Mitgliederschwund. Der Sozialverband VdK (Verband der Kriegsbeschädigten) nicht – im Gegenteil: Bei ihm steigt die Mitgliederzahl. "Aus der Vielzahl der Mitglieder wird ersichtlich, wie gespalten das Gefüge in unserer Gesellschaft ist", sagte der wiedergewählte Vorsitzende Jochen Lentzsch bei der Mitgliederversammlung des VdK Radolfzell im voll besetzten Saal des Mehrgenerationenhauses. Auf neun Ortsverbände verteilt hat der VdK Kreis Konstanz rund 3600 Mitglieder. Allein im Jahr 2017 verbuchte er 224 Zugänge. Mit 820 Mitgliedern ist der Radolfzeller Ortsverein größer als der Konstanzer.

Der Verband hat viel zu tun. Statistiken aus dem Bericht der Radolfzeller Servicestelle beleuchteten fehlerhafte Abrechnungen von Mitgliedern mit Sozialversicherungsträgern. Im Kreis Konstanz erstritt der Verein Rück- und Nachzahlungen von mehr als 350 000 Euro.

Im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen habe sich der Sozialverband besonders mit den Themen Armut, Rente und Krankenversicherung beschäftigt und wesentliche Verbesserungen im Sozialsystem angemahnt, erläuterte Eckhard Strehlke, Kreisvorsitzender des VdK. Die Armut mache den Menschen zu schaffen: Sie würden ängstlich in die Zukunft schauen. Die Pflege zu Hause und in den Pflegeeinrichtungen sei nicht immer sichergestellt. Es gehe nicht nur um finanzielle Entlastungen, es mangele auch an Pflegepersonal und Pflegeplätzen.

Während der VdK auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene Einfluss auf politische Entscheidungen sucht, beraten die Ortsverbände direkt ihre Mitglieder in der Servicestelle in Radolfzell und bieten gemeinsame Freizeitgestaltungen an. Die VdK-Servicestelle berät in Fragen des Sozialrechtes und vertritt ihre Mitglieder in Widerspruchs-, Klage- und Berufungsverfahren vor den Behörden, Sozial- und Verwaltungsgerichten. Sie bietet Hilfe, wenn ein Antrag auf Erwerbsminderung oder Pflegeleistungen abgelehnt wurde, ein Mitglied nicht mit der Einstufung des Behinderengrades einverstanden ist oder um Anerkennung eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit kämpft.

Krankenpflege, Hartz IV, Barrierefreiheit und Arbeitslosigkeit seien von hochrangiger Bedeutung, sagte Lentzsch. Immer mehr Menschen hätten soziale Probleme: Im letzten Jahr suchten 1523 Personen die Servicestelle in der Bleichwiesenstraße auf, darunter zählte der Verein 224 Neuanträge. In einer schriftlichen Note machte zudem VdK-Sozialreferentin Petra Mauch deutlich, wie fehlerhaft Sozialverfahren sein können: Allein 2017 erzielte der Verein für seine Mitglieder im Landkreis Nachzahlungen in Höhe von 85 418 Euro. Zusätzlich konnten im Geschäftsjahr knapp 273 000 Euro aus länger andauernden Widerspruchs- und Klageverfahren erstritten werden.

 

Soziale Gerechtigkeit

Der Sozialverband VdK begreift sich als eine gemeinnützige Gemeinschaft, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Der Bundesverband ist mit 1,8 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband in Deutschland. Er wurde 1950 in Düsseldorf gegründet. Sein Name stand für "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland". Aktuell sind thematische Schwerpunkte Rente, Gesundheit, Pflege, Behinderung, Leben im Alter und soziale Sicherung. (gla)

 

 

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