Fasnacht ist ein hartes Geschäft
Fasnacht trotz Handicap: Günther Horst vom Fanfarenzug der Froschen hält trotz lädierten Beines tapfer durch. <em>Bild: Jarausch</em>
Fasnacht trotz Handicap: Günther Horst vom Fanfarenzug der Froschen hält trotz lädierten Beines tapfer durch. Bild: Jarausch
Radolfzell
08.02.2018 20:14
Schlafentzug, Nahrungsentzug – Narren kämpfen mit vielen Widrigkeiten. Warum ein Narr auch immer ein Kämpfer ist.

Was viele Narren gerne verdrängen: Die Fasnacht bedeutet auch leiden. Während der närrischen Tage gibt es eben nicht nur Spaß, Freude, Heiterkeit. Nein! Ein echter Fasnachter sein bedeutet auch ein echter Kämpfer sein. So kämpft ein wahrer Narr stets mit dem Hunger, dem Durst, der Müdigkeit, weil der Tag bereits in den frühen Morgenstunden beginnt und in selbigen auch wieder endet. Um vier Uhr in der Früh sind zum Beispiel die Mitglieder des Narrizella Fanfarenzugs aufgestanden, um die Stadt zum Schmutzige Dunschtig zu wecken. Zu einer ähnlichen Uhrzeit dürften die Musiker der Froschenkapelle nach dem Hemdglonkerumzug erst ins Bett gekrabbelt sein. Fasnacht ist eine Extremerfahrung für Körper und Geist. Auch die einseitige Ernährung mit Gulaschsuppe, Berliner und Weinschorle kann nach ein paar Tagen den ähnlichen Überwindungsfaktor wie eine Dschungelprüfung bekommen.


 

Ein besonders harter Kollege der Radolfzeller Fasnacht ist Günther Horst vom Fanfarenzug der Froschenzunft. Mit einer dicken Beinschiene, nur mit Hilfe von Krücken, bewältigt er Auftritt nach Auftritt. Ein alter Arbeitsunfall, ein steifes Sprunggelenk und Günther Horst hat für sechs Monate einen besonders modischen, wenn auch höchst unpraktischen Stiefel bekommen. Die Fasnacht ausfallen lassen? Gar die Füße hochlegen? Allein die Frage kommt wie eine bösartige Beleidigung daher. Schwäche wird nicht gezeigt, nicht vor einem steifen Sprunggelenk, nicht vor hunderten Narren, nicht an der Fasnacht.

Eine ähnliche Härte wollte auch Oberbürgermeister Martin Staab zeigen. Doch die autoritätseinflößende Gefängniswärter-Uniform durfte er nur ganz kurz tragen, bevor die Blauhelme der Narrizella ihn aus seinem Bunker holten und nicht nur die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, sondern gleich alle befreiten. Obwohl der gestürzte OB gar nicht begeistert war und feststellte: „Macht ist nichts für Narren“, zeigte der Narrizella-Präsident seinerseits, wo der Frosch die Locken hat. Er regiere jetzt die Stadt, damit der Bürger seine Ruhe hat. 


 

anna-maria.schneider@suedkurier.de

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