Zwei Jahre Mietpreisbremse: So unterschiedlich haben sich die Preise in unserer Region entwickelt
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Symbolbild. | Bild: dpa
Region
17.10.2017 14:52
Sie war ein Prestigeprojekt der SPD in der großen Koalition und von Anfang an umstritten. Nun jährt sich die Einführung der Mietpreisbremse im November zum zweiten Mal. Eine Auswertung des Immobilienportals Immowelt zeigt jetzt, wie sich die Mietpreise in ausgewählten Städten in Baden-Württemberg verändert haben. Die Ergebnisse zeigen ein uneinheitliches Bild. Konstanz zog bei den Mietpreisen mit Stuttgart gleich und liegt nun auch an der Spitze Baden-Württembergs.
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Seit wann gibt es die Mietpreisbremse?

Die SPD hat im Bundestag mithilfe der Stimmen der CDU die Mietpreisbremse zum 1. Juni 2015 verabschiedet. Seitdem können die Bundesländer entscheiden, ob sie dieses Instrument in angespannten Wohnlagen anwenden. Baden-Württemberg hat die Mietpreisbremse am 1. November 2015 in 68 Städten und Gemeinden eingeführt. Sie gilt bis zum 31.10.2020 und muss nach drei Jahren auf ihre Sinnhafigkeit überprüft werden. Zwölf weitere Bundesländer haben eine Mietpreisbremse eingeführt.

Was soll die Mietpreisbremse bezwecken?

Bislang konnte bei Neuvermietungen der Mietpreis beliebig erhöht werden. Die Mietpreisbremse begrenzt diese Erhöhung. Demnach darf die neue Miete maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Meist ist diese in einem einfachen oder qualifizierten Mietspiegel festgelegt. Konstanz hat beispielsweise im Juli 2017 einen neuen qualifizierten Mietspiegel verabschiedet.

Mit welchen Daten hat die Auswertung gearbeitet?

In der Auswertung des Immobilienportals Immowelt wird die Entwicklung der Mietpreise in 20 baden-württembergischen Städten aufgeführt. Datenbasis waren 34.800 Mietswohnungen- und häuser, die auf diesem Portal hinterlegt sind. Daten von anderen Portalen wurden nicht hinzugezogen. Die angegebenen Quadratmeter-Mietpreise spiegeln den Median (Mittelwert) der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider. Verglichen wurden drei Zeiträume: Jeweils die ersten drei Quartale der Jahre 2013, 2015 und 2017. Interessant ist dabei der Vergleich zwischen den beiden Zweijahreszeiträumen von 2013 bis 2015 und 2015 bis 2017, einmal ohne Mietpreisbremse und einmal mit dem Instrument.

Was zeigt die Auswertung?

In acht der zwanzig Städte sind die Preise seit Einführung der Mietpreisbremse stärker gestiegen als in den zwei Jahren zuvor, in fünf Städten hat sich der Anstieg verlangsamt und nur in drei Städten sind die Angebotsmieten zurückgegangen. In den restlichen vier Städten sind kaum bis keine Änderungen bei den Mietpreisanstiegen zu verzeichnen. 

Hat die Mietpreisbremse also Wirkung gezeigt?

Das ist anhand der vorliegenden Zahlen nur schwer zu sagen. Während in der Universitätsstadt Heidelberg die Preise zwischen 2015 und 2017 um zwei Prozent gesunken sind, sind sie in Weingarten um 19 Prozent angestiegen. In Heidelberg waren die Preise jedoch bereits 2015 bei 10,60 Euro pro Quadratmeter, in Weingarten bei 8,30 Euro. Starke Anstiege verzeichneten vor allem Gemeinden, die im Vergleich zu beliebteren Lagen bislang preislich eher im moderaten Bereich angesiedelt waren.

Wie sieht die Situation in der Region rund um den Bodensee aus?

Mit stolzen 11,80 Euro teilt sich Konstanz den Spitzenplatz unter den teuersten Städten in Baden-Württemberg mit Stuttgart. 2015 lag die Konzilstadt noch auf Platz zwei hinter der Landeshauptstadt. Während sich der Anstieg der Preise in Stuttgart seit Einführung der Mietpreisbremse stark verlangsamt hat, hat sich in Konstanz nichts verändert. Sowohl zwischen 2013 und 2015, als auch zwischen 2015 und 2017 stiegen die Preise um jeweils sechs Prozent. Auch hier lässt sich eine Wirkung der Mietpreisbremse kaum ermessen. Deutlich günstiger lebt es sich übrigens in Singen.

Hier weist die Statistik für 2017 einen Quadratmeterpreis von 8,60 Euro auf. Noch günstiger im Ländle lebt es sich übrigens nur in Rastatt und in Offenburg bei einem Preis von 8,10 Euro beziehungsweise 7,70 Euro. Fest steht dennoch: Überall in der Region sind die Preise gestiegen.

 

 

 

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