Neue humanistische Gruppe in Konstanz
Dieter Kaiser engagiert sich für die neue humanistische Giordano-Bruno-Stiftung Bodensee. Sie lehnt diskriminierende Ideologien ab und setzt sich kritisch mit Verflechtungen von Staat und Kirche auseinander.
Dieter Kaiser engagiert sich für die neue humanistische Giordano-Bruno-Stiftung Bodensee. Sie lehnt diskriminierende Ideologien ab und setzt sich kritisch mit Verflechtungen von Staat und Kirche auseinander. | Bild: Claudia Rindt
Konstanz
14.08.2017 15:55
Gründungsmitglied Dieter Kaiser kämpft gegen Diskriminierungen und für Nächstenliebe: "Mein Gott ist der Mensch". Ein kritischer Blick auf die öffentlichen Subventionen für kirchliche Einrichtungen ist ihm wichtig.
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Dieter Kaiser ärgert sich immer, wenn er vom Tag der Religionen hört. Tag der Weltanschauungen wäre für ihn der richtige Begriff, denn dieser würde die Vielfalt der Weltverständnisse abbilden, auch von Menschen, die nicht an Gott glauben. Dieter Kaiser sagt über sich: "Mein Gott ist der Mensch. Für den tue ich etwas." Er gehört zu einer Gruppe von zehn Bürgern, die in Konstanz dabei sind, die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung Bodensee zu begründen.

Der Name geht auf den italienischen Philosophen und Astronom Giordano Bruno zurück, der im Jahr 1600 als Ketzer verbrannt wurde, weil er von einem unendlich belebten Universum ausging. Kritiker fragen immer wieder, wie der Namensgeber zu den Zielen des bundesweit agierenden humanistischen Kreises mit Regionalgruppen passt, denn Giordano Bruno galt auch als Judenhasser. In Konstanz, so sagt Kaiser, wolle die Gruppe humanistische Grundsätze wie Aufklärung, kritische Rationalität, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit verbreiten und eintreten gegen diskriminierende Ideologien. Zu den Aktivitäten gehöre auch der kritische Blick auf öffentliche Subventionen wie bei der Kunstaktion zum Kirchentag in Leipzig: "Elftes Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!"

Für Kaiser gehört auch die Auseinandersetzung mit den Chancen, welche die Gemeinwohlökonomie oder ein ethischer Welthandel bieten würden, zu den Themen, die die Humanisten aufgreifen wollen. Geplant sind Vorträge und andere öffentliche Aktionen. Die neue Gruppe hat nichts zu tun mit der humanistische Alternative Bodensee, die vier Jahre lang in der Region wirkte und sich 2016 auflöste. Sie hatte Atheisten, Freidenkern und Humanisten eine Anlaufstelle geboten.

Einer der Treibkräfte in der neuen Giordano-Bruno-Gruppe ist der Konstanzer Neubürger Dieter Kaiser. Er hatte sich schon im Raum Stuttgart für den Aufbau einer solchen Gemeinschaft eingesetzt. Der agile 80-Jährige hatte die Humanisten erst mit 72 Jahren für sich entdeckt. Die Prinzipien des Humanismus aber lebte er schon lange davor. Kaiser ist in drei Ländern aufgewachsen, in Frankreich, Belgien und Deutschland. Der gelernte Übersetzer, Exportkaufmann und Marketingberater sagt, er habe Entwicklungshelfer werden wollen, damals sei dies aber nur mit kirchlichem Hintergrund als Missionar möglich gewesen. Er habe ein entsprechendes Internat besucht, die Regeln zur Beichte aber schon damals in Frage gestellt.

Mit 20 Jahren, so berichtet er, sei er aus der Kirche ausgetreten. "Ich bin gottlos, aber trotzdem glücklich." Entwicklungshilfe leistete er über die Städtepartnerschaft der Gemeinde Kernen im Remstal und der afrikanischen Stadt Masvingo in Simbabwe. Unter anderem wurde ein Haus für Waisenkinder mit der Immunschwächekrankheit Aids errichtet. Ihm sei es wichtig zu zeigen, dass es für mitmenschliches und verantwortungsvolles Handeln keinen religiösen Hintergrund braucht, sondern einfach nur die Liebe zum Menschen.

Treffen der Gruppe

Die humanistische Giordano-Bruno-Stiftung Bodensee trifft sich jeden vierten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Café Exxtra (Hussenstraße 28). Sie ist dabei, ihre Vereinsgründung vorzubereiten. Eine Hochschulgruppe hat sich zudem schon formiert.

Informationen im Internet: www.gbs-bodensee.de
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