Drei Millionen Euro für die Marktstätten-Unterführung: Konstanz macht die Pforte zum See hübscher
Zukunftsperspektiven: Das war der Siegerentwurf für die Umgestaltung der Marktstätte, mit dem das Kölner Architekturbüro Club L94 einst überzeugte.
Zukunftsperspektiven: Das war der Siegerentwurf für die Umgestaltung der Marktstätte, mit dem das Kölner Architekturbüro Club L94 einst überzeugte. | Bild: CLUB L94 LANDSCHAFTSARCHITEKTEN
Konstanz
15.05.2018 21:17
Mehr Übersicht, weniger Rutschgefahr und insgesamt Aufenthaltsqualität: Noch dieses Jahr sollen Bauarbeiten vor dem Café Pano beginnen. Doch auf den neuen "Festsaal der Stadt", die sanierte Marktstätte, müssen die Bürger wohl noch einige Jahre waren.
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Schluss mit der verwinkelten und unübersichtlichen Treppenlandschaft, Ende der Rutschgefahr auf dem glatten Steinbelag und ein besserer Bezug von der Marktstätte zum See. Das will die Stadt Konstanz mit der Sanierung der wichtigsten Fußgängerunterführung in der Altstadt erreichen. Die Baubehörden wollen noch in diesem Herbst mit den Arbeiten beginnen, wie sie am Dienstag im Technischen und Umweltausschuss berichteten. Ob das auf drei Millionen Euro taxierte Vorhaben aber wirklich so wie beschlossen umgesetzt wird, ist noch unklar. Denn groß ist angesichts stark steigender Preise für Bauleistungen die Sorge vor unerwarteten Mehrkosten.

Auf den Stufen am Pano sitzt es sich bald besser

Die Sanierung erfolgt in Etappen, sagten Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn und Klara Trummer, die Chefin des Bauverwaltungsamts. Zunächst erhalten die markanten Stufen vor dem Café Pano, ein beliebter Sitzplatz in der Sonne, eine Überholung. Holzplanken sollen den Aufenthalt angenehmer machen, ansonsten bleibt auf dieser Seite alles beim Alten. Größer sind die Veränderungen vor dem Konzilsgebäude. Dort ist geplant, die Treppen und Podeste, die im Moment häufig von Obdachlosen genutzt werden, durch eine breite und übersichtliche Anlage zu ergänzen.

Unansehnlich: Um die Treppen unterhalb des Konzilgebäudes machen viele Konstanzer lieber einen Bogen, obwohl man dort eigentlich schön in der Sonne sitzen könnte. Jetzt soll die Anlage übersichtlicher und einladender werden.
Unansehnlich: Um die Treppen unterhalb des Konzilgebäudes machen viele Konstanzer lieber einen Bogen, obwohl man dort eigentlich schön in der Sonne sitzen könnte. Jetzt soll die Anlage übersichtlicher und einladender werden. Bild: Jörg-Peter Rau

Wenn das Geld ausgeht, ändert sich gegenüber nicht viel

In weiteren Schritten sind ähnliche Verbesserungen vor der Sparkasse sowie vor dem Gebäude der Bodensee-Schiffsbetriebe geplant. Ob diese aber wirklich umgesetzt werden, ist noch offen. Wenn die Kosten steigen, könnte die Stadt an diesen nach Norden ausgerichteten und nicht von der Sonne verwöhnten Bereichen den Rotstift ansetzen, sagte Trummer auf Nachfrage mehrerer Stadträte.

Zwischen Seenachtfest und Weihnachtsmarkt: Fürs Bauen bleiben nur enge Zeitfenster

Gesetzt scheint nach der Diskussion im Ausschuss aber der neue Belag für die Unterführung – die bisherigen Naturstein-Platten sind bei Nässe und Eis oft glatt und überdies stark beschädigt. Hier soll ein Pflaster im Fischgrät-Muster eingebaut werden – so, wie es irgendwann auch die Markstätte selbst prägen soll. Es wäre die letzte Etappe und vermutlich 2021 fertig. Warum der Umbau so lange dauert, erklärte Wolfgang Seez, der Leiter des Tiefbauamts: Gearbeitet werden könne nur im Frühjahr und Herbst, wenn nicht gerade Bodenseewoche, Seenachtfest oder Weihnachtsmarkt ist. Überdies könne die Unterführung als wichtigster Zugang zum See nicht über längere Zeit voll gesperrt werden.

Die Verschönerung soll endlich starten: Die Stadt will rund drei Millionen Euro in die Marktstätten-Unterführung investieren. Die beliebte Treppe beim Café Pano (rechts) bleibt erhalten, die gegenüber (links) wird übersichtlicher gestaltet.
Die Verschönerung soll endlich starten: Die Stadt will rund drei Millionen Euro in die Marktstätten-Unterführung investieren. Die beliebte Treppe beim Café Pano (rechts) bleibt erhalten, die gegenüber (links) wird übersichtlicher gestaltet. Bild: Jörg-Peter Rau

Politiker fragen: Muss das wirklich so lange dauern?

Die Kommunalpolitiker fanden das Projekt einleuchtend, hofften aber auf eine schnellere Fertigstellung. Dafür machte ihnen die Verwaltung wenig Hoffnung: Weil es nicht gelungen war, die Baustelle an einen Generalunternehmer zu vergeben, muss nun jedes Gewerk einzeln ausgeschrieben werden. Auf einen Baustart noch im Jahr 2018 hoffe man dennoch, sagte Klara Trummer. Langensteiner-Schönborn ergänzte, erste Arbeiten könnten die Technischen Betriebe der Stadt ausführen, sodass keine Zeit für die Einholung von Angeboten verloren gehe.

Und die Marktstätte selbst? Da ist noch viel Geduld gefragt

Dass den Bürgern aber die Sanierung des Platzes selbst – immerhin liegt eine mit Bürgerbeteiligung erarbeitete Gestaltung für das Vorhaben "Festsaal der Stadt" schon seit 2014 vor – wichtiger sei, daran erinnerte Jürgen Ruff (SPD): "Die obere Marktstätte ist ja eigentlich die erste Priorität." Die neue Optik für den belebtesten Platz der Altstadt dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden, sagte er und forderte, dass die Arbeiten "spätestens 2020/21" beginnen müssten.

Bereits seit 2013 wird über die Umgestaltung der Marktstätte und der angrenzenden Unterführung diskutiert. Die Arbeiten am Durchgang zum See stocken, weil die Stadt nach eigener Darstellung bei zwei Ausschreibungen nur wenige und unverhältnismäßig teure Angebote erhielt. In der Folge teilte es die Verwaltung mit viel Mühe in einzelne kleine Bausteine auf, für die auch kleinere Firmen Gebote abgeben können.