Drei Jahre danach (2) - "Herr Schmidt, nehmen die Delikte, die von Flüchtlingen begangen werden, eher zu oder ab?" Der Pressesprecher der Polizei Konstanz im Interview
Bernd Schmidt, der Pressesprecher der Polizei Konstanz
Bernd Schmidt, der Pressesprecher der Polizei Konstanz | Bild: Felix Kästle (dpa)
Konstanz
14.04.2018 17:00
2015 kamen sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland - auch in den Kreis Konstanz. Wir haben mit Bernd Schmidt, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Konstanz, über Kriminalität in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften und die Entwicklung seit Herbst 2015 gesprochen.
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Herr Schmidt, wie ist die Tendenz seit 2015? Nehmen die Delikte, die von Flüchtlingen begangen werden, im Kreis Konstanz eher zu oder ab?

Zwischen 2014 und 2016 ist die Zahl der Delikte, bei denen Flüchtlinge tatverdächtig sind, von 3,9 Prozent auf 9,3 Prozent gestiegen. Im Jahr 2017 ist der Trend aber wieder rückläufig.

Um welche Delikte handelt es sich vornehmlich in den Gemeinschaftsunterkünften im Dörfle und der Luisenstraße?

Im Dörfle liegt der Schwerpunkt auf Drogendelikten. So hat es beispielsweise am 8. Januar eine Durchsuchungsaktion mit Festnahmen gegeben. In den vergangenen zwölf Monaten gab es einige Fälle von Hausfriedensbruch und zwei Mal wurden Personen nach Streitigkeiten in Gewahrsam genommen. Sechs Mal war die Polizei wegen Streitigkeiten und Körperverletzungen vor Ort.

Die Zahl der Einsätze ist rückläufig, im Vergleich zu 2015/16 hat sich die Situation deutlich entspannt. In der Luisenstraße gab es im Jahr 2017 zwei Drogendelikte sowie sechs körperliche Auseinandersetzungen und zwei Mal wurden Randalierer in Gewahrsam genommen.

Diese Statistik sagt aber nichts darüber aus, was um die Luisenstraße in den Außenbereichen passiert. Beide Unterkünfte sind keine Brennpunkte, aber Örtlichkeiten, an denen die Polizei regelmäßig vor Ort ist. 



Es gibt Gerüchte, dass es im Park bei der Unterkunft Luisenstraße eine Vergewaltigung gegeben habe. Stimmt das?

In allen Unterkünften gab es im Jahr 2016 zwei Sexualdelikte, 2017 ein Sexualdelikt, aber keine Vergewaltigung. Im Park beim Krankenhaus gab es 2015 einen Handtaschenraub, dessen Opfer eine 30-Jährige wurde. Der Täter schlug der Frau ins Gesicht, sie kam ins Krankenhaus. Die Tat konnte nicht aufgeklärt werden.

Zwei Sexualdelikte gab es 2017, im Juli wurde eine Frau im Herosé-Park von einem Flüchtling bedrängt und sexuell belästigt. Die Frau konnte sich befreien, der Mann wurde festgenommen. Im Mai hat ein Jugendlicher aus Gambia am Seeuferweg eine Fußgängerin belästigt. Die Frau konnte fliehen.

Wie häufig sind Beschwerden von Anwohnern und wie reagiert die Polizei?

Den Beschwerden wegen Ruhestörung gehen wir nach und greifen gegebenenfalls ein. In der Nähe der Unterkünfte fahren wir öfters Streife.

Hat es Angriffe auf Flüchtlinge gegeben?

2017 kam es im Bereich des Polizeipräsidiums Konstanz zu 19 Straftaten mit ausländerfeindlichem Hintergrund. Meist handelt es sich um Beleidigungen, bei denen Ausländer gezielt beschimpft wurden. Im Kreis Konstanz fielen fünf dieser Straftaten in den Bereich des Polizeireviers Singen.

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