Die erste Zahl steht im Raum: Ein Stadt-Seilbahn-Netz würde 250 bis 350 Millionen kosten
In Berlin schwebt sie über die Internationale Gartenausstellung, in Konstanz vielleicht irgendwann über den Rhein: Eine Seilbahn braucht nicht viel Platz am Boden und ist schnell aufgestellt. Dennoch – das Projekt bleibt erst einmal Zukunftsmusik.
In Berlin schwebt sie über die Internationale Gartenausstellung, in Konstanz vielleicht irgendwann über den Rhein: Eine Seilbahn braucht nicht viel Platz am Boden und ist schnell aufgestellt. Dennoch – das Projekt bleibt erst einmal Zukunftsmusik. | Bild: dpa
Konstanz
11.08.2017 21:48
Stadtwerke-Chef Norbert Reuter überrascht mit einer Zahl: Erstmals hängt ein Preisschild an der Seilbahn, die sich manche für Konstanz vorstellen können. Obwohl von mindestens einer Viertelmilliarde Euro die Rede ist, hält die Stadtspitze das Projekt mit mehreren Linien nicht für eine Utopie. Und das hat auch einen recht einfachen Grund.
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Ein Seilbahn-Netz mit mehren Linien als Haupt-Transportmittel im Stadtverkehr wäre voraussichtlich die größte Investition in der Geschichte der Stadt Konstanz. Ihr Bau und Betrieb würde alle bekannten Dimensionen sprengen und den gesamten Verkehr in Konstanz auf neue Beine stellen. Das ergibt sich aus einer Aussage von Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter. Bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens sagte er jüngst, allein die reinen Baukosten für ein solches Transportsystem lägen bei "250 Millionen bis 350 Millionen Euro", und dabei sei der Betrieb noch nicht finanziert. Reuter muss es wissen, denn die Stadtwerke sind nicht nur nach seinen Worten "im intensiven Austausch" zu dem Thema. Auch Walter Rügert, der Sprecher der Stadtverwaltung, bestätigt, dass die Stadtwerke eng in die Erarbeitung eines Fachgutachtens über die Chancen und Risiken neuer Verkehrsmittel eingebunden sind.

Für Norbert Reuter steht fest, dass eine Seilbahn wie alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel Subventionen braucht. Nicht nur müsste die Investition von Bund und Land erheblich unterstützt werden, auch im Betrieb sei eine schwarze Null nicht zu erreichen. Eine Stadt-Seilbahn in Konstanz "wird nicht wirtschaftlich betreibbar sein", erklärte Reuter. Dennoch hält er die Arbeit an dem Thema für richtig und wichtig, wie er betonte: "Ich meine, das ist ein sehr, sehr interessantes Verkehrsmittel." Zumal die Stadt Konstanz die Kosten allein nicht stemmen könnte oder müsste. Bei Straßenbahnen zum Beispiel bekommen die Kommunen 85 Prozent der Kosten von Bund und Land ersetzt. Bei Seilbahnen gibt es solche gesetzlichen Grundlagen noch nicht.

Genauere Zahlen soll ein Gutachten liefern, das der Gemeinderat bereits vor dreieinhalb Jahren in Auftrag gegeben hat. Im Herbst soll ein Zwischenbericht erste Hinweise geben, ob Konstanz sich weiterhin mit einer Seilbahn und einer Straßenbahn beschäftigen soll. Das sei eingebettet in strategische Fragen, so Rügert: "Bei einem Projekt in dieser sowohl städtebaulich wie finanziell erheblichen Größenordnung geht ganz klar Sorgfalt vor Schnelligkeit. Es nützt niemandem, eine Entscheidung, mit der die Stadt für lange Jahre Entwicklungen vorgibt, auf der Basis fehlender Daten übers Knie zu brechen." Die Verkehrsplanung für Konstanz hat demnach kurzfristige Ziele wie ein besseres Verkehrsmanagement, mittelfristige wie die Umsetzung des C-Konzepts und eben langfristige wie die Seilbahn.

Dass eine Seilbahn für Konstanz schlicht zu teuer wäre, das sieht die Verwaltungsspitze so pauschal nicht. "Die Investition einer Seilbahn ist natürlich hoch", so Walter Rügert, bei einer Stadtbahn wäre sie ihm zufolge aber noch höher. Und der Betrieb einer Seilbahn sei über die Jahre günstiger als Bus oder Bahn, weil wenig Personal nötig ist. Auch deshalb sieht OB Uli Burchardt keinen Grund, das Thema zu begraben – ganz im Gegenteil. Die Machbarkeitsstudie, die nun auch neu hinzugekommene Aspekte wie den künftigen Stadtteil Hafner mit betrachten kann, sei verzögert, komme aber nicht zu spät. Erst sie zeige auf, ob eine Seilbahn sinnvoll wäre, teilt die Stadtverwaltung mit: "Große Projekte benötigen vor allem zwei Dinge: einen langen Atem und eine ruhige Hand."


Die Vorgeschichte

Eine Studienfahrt der Bürgermeister im Landkreis führte 2013 auch zur Firma Doppelmayr nach Vorarlberg. Dort lernte OB Uli Burchardt Gondeln auch als innerstädtisches Verkehrsmittel kennen, das deutlich weniger Fläche braucht als etwa eine Straßenbahn. Im Januar 2014 beschloss der Gemeinderat, dass die Stadtverwaltung eine Studie über die Chancen neuer Verkehrsmittel (Seilbahn, Straßenbahn, Wasserbus) vorlegen soll. (rau)

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