Zurückgekämpft ins Leben: Das kleine Wunder des Peter Zwick
Überlebte knapp ein akutes Nierenversagen: Peter Zwick. Auf diesem Bild packt er seine Sachen zusammen für einen Auszug aus dem Pflegeheim und für die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben.
Überlebte knapp ein akutes Nierenversagen: Peter Zwick. Auf diesem Bild packt er seine Sachen zusammen für einen Auszug aus dem Pflegeheim und für die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben. | Bild: Fabian Vugrin
Allensbach
09.02.2018 12:47
Schon im Pflegeheim, hat sich Peter Zwick nicht aufgegeben. Der 66-Jährige führt wieder einen selbständigen und selbstbestimmten Alltag. Dabei gab es anfangs wenig Hoffnung auf Besserung.

„Es ist ein kleines Wunder geschehen“: Nachdenklich, aber spürbar erleichtert erinnert sich Peter Zwick an das vergangene Jahr. Er ist sich bewusst, wie viel Glück er hatte, nachdem er Anfang April wegen eines akuten Nierenversagens in das Singener Krankenhaus gebracht wurde und dort zusätzlich eine Lungenembolie erlitt. Er musste mehrere Minuten lang reanimiert werden – aber überlebte knapp. Heute, etwa zehn Monate später, sitzt der 66-jährige Rentner im Frühstückssaal des Kloster Hegne vor seinem Kaffee. Genauer gesagt ist es das Maria-Hilf-Altenpflegeheim, dieselbe Einrichtung, in die er nach seinem Krankenhausaufenthalt im Rollstuhl eingefahren kam.

Er wollte einfach seine Ruhe

„Ich war so schwach, ich konnte kaum stehen und laufen. Ich wollte einfach meine Ruhe haben“, erzählt Zwick. Stark pflegebedürftig, kraftlos und deprimiert verbringt er nach seinem Zusammenbruch die meiste Zeit des Tages im Bett. Der gesundheitliche Zustand des Rentners ist schlecht und die Aussicht auf Besserung scheint in weiter Ferne zu liegen. Wenig später beginnt Zwick dennoch eine Rehabilitation in den Kliniken Schmieder. Und zum Erstaunen der Mitarbeiter verbessert sich der Zustand des gelernten Industriekaufmanns rasant.

Intensives Training in der Therapie

Nach intensivem Training und in nur wenigen Wochen zeigen die Therapien ihre Wirkung. Zwick lässt den Rollstuhl nun getrost in der Ecke stehen und legt die ersten – zunächst kleineren – Strecken zu Fuß mit einer Gehhilfe zurück. Je mehr Erfolge, desto höher sei die Motivation, verdeutlicht der 66-Jährige. Ein besonderes Geheimnis für seine enormen Fortschritte habe der Rentner nicht, der Schlüsselmoment für ihn sei jedoch die Überwindung gewesen, überhaupt mit der Rehabilitation zu beginnen. „Die Therapeuten in den Schmieder Kliniken waren einfach sehr gut, denn sie nehmen einem die Angst. Ich hatte ein positives Gefühl, dass sie mich wieder auf die Beine bringen würden – da dachte ich, ich probier's!“

Aus dem Rollstuhl in den Rollator

Und es hat sich sichtbar gelohnt. Nach dem Ende seiner Therapie kehrt Zwick in das Pflegeheim Maria Hilf zurück. Dieses Mal hingegen nicht niedergeschlagen im Rollstuhl. Jetzt betritt der Rentner das Haus laufend, wenn auch mit Rollator. „Herr Zwick ist einer der ersten Fälle dieser Art“, teilt Claus Lehmann mit. Der Sozialarbeiter des Maria-Hilf-Pflegeheims begleitet Zwick seit seinem ersten Aufenthalt in der Klostereinrichtung. Besonders sei auch, dass die Genesung des Rentners sich im Pflegeheim fortsetzt.

Weg mit dem Rollator

Weitere Gymnastik, Aktivierungsübungen und ein so abwechslungsreich gestalteter Alltag wie möglich führen schließlich dazu, dass Peter Zwick nach dem Rollstuhl auch die Gehhilfe hinter sich lassen kann. „Als der Rollator eines Tages entfernt in der Ecke stand, dachte ich: Jetzt lasse ich den einfach mal stehen und bin ohne losgelaufen“, erinnert sich Zwick lächelnd.

Rückkehr in die eigene Wohnung

Während der 66-Jährige die erste Zeit nach seinem Zusammenbruch auf die Hilfe seiner Schwester angewiesen ist, wenn es darum geht, zum Arzt oder in die Stadt zu kommen, kann Zwick heute wieder vollkommen selbstständig mit der Bahn fahren. Und zwar auch in seine zukünftige Wohnung nach Radolfzell. Eine der Staunenden, als Peter Zwick nach seiner Reha durch die Tür des Altenpflegeheims auf eigenen Beinen läuft, ist Ina Klietz. Als Einrichtungsleiterin ist sie treibende Kraft bei der Wohnungssuche des Rentners. In dem Moment, als klar ist, dass Zwicks gesundheitlicher Zustand wieder so gut ist, dass er eigenständig leben kann, werden alle Vorbereitungen für den Umzug in eine betreute Wohnung in Radolfzell getroffen.

Es kommt auf den Willen an

Schließlich ist es soweit. Der 66-Jährige tauscht sein Zimmer in dem Pflegeheim endgültig gegen eine eigene Wohnung. Er sei erleichtert und betrübt zugleich, sagt Zwick vor wenigen Tagen, als die ersten seiner Sachen aus dem Pflegeheimzimmer in den Umzugskarton wandern. Er habe sich in der Einrichtung sehr wohlgefühlt und werde die von ihm mittlerweile allzu liebgewonnen Pfleger vermissen. Peter Zwicks Beispiel mag ein Ausnahmefall sein, verdeutlich allerdings eines: Neben viel Motivation, Unterstützung und Ausdauer braucht es vor allem eine Portion Mut und keine Angst vor dem Scheitern – oder wie Peter Zwick es sagt: „Ängste ablegen. Und es zumindest versuchen.“

Maria Hilf

Seit mehr als 150 Jahren trägt das Pflegeheim den Namen „Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz“. Es war das Jahr 1914, als das Schwesternkrankenhaus für Verwundete des Ersten Weltkriegs und kranke Schwestern zu einem Ort der Hilfe und Pflege wurde. Gelegen im malerischen Allensbach-Hegne am Gnadensee, vollzog sich im Zeitraum 1998 bis 2000 der aufwendige Umbau zum Altenpflegeheim, der alle denkbaren technischen und baulichen Möglichkeiten nutzte, um Leib und Seele gleichermaßen ein Zuhause zu bieten. 2006 wurde Maria Hilf laut eigener Darstellung um ein Gebäude und eine separat angelegte Gartenanlage erweitert.

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