"Ein generelles Problem ist die Nachwuchsgewinnung", sagt Arno Schlecht über Schwierigkeiten bei Kläranlagen
Anne Gerritsen ist die einzige Frau im Landkreis Waldshut, die eine Kläranlage betreut. Sie tut dies in Stühlingen.
Anne Gerritsen ist die einzige Frau im Landkreis Waldshut, die eine Kläranlage betreut. Sie tut dies in Stühlingen. | Bild: Edelgard Bernauer
Stühlingen
09.02.2018 19:00
20 Kläranlagenmitarbeiter tagten in Stühlingen. Arno Schlecht, Leiter der Zusammenkunft, beantwortet im Interview Fragen dazu.

Herr Schlecht, was waren beim Treffen der Kläranlagenmitarbeiter in Stühlingen die Themen?

Das waren nachhaltige Klärschlammentsorgung sowie die zukünftig vom Land Baden-Württemberg angestrebte Phosphorrückgewinnung aus dem Klärschlamm. Es wurde sehr lebhaft diskutiert.

Wie misst man Kläranlagenleistung? Wie muss der Laie sich das vorstellen?

Gemessen werden Sauerstoffgehalt, Kohlenstoffabbau, Nährstoffbelastungsstufen, Stickstoff- und Phosphorabbau. Aber auch Energieverbrauch. Dafür gibt es Parameter, an die wir uns halten müssen. Die Häufigkeit der Eigenkontrollen richtet sich nach der Ausbaugröße.

Kläranlagen führen meist ein Schattendasein, dabei kommt ihnen doch ein hoher Stellenwert innerhalb der Kommunen zu. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kläranlagen liegen meist abgeschottet im Außenbereich der Gemeinden und es wird sehr wenig in den Medien berichtet. Nach dem Toilettengang ist das Wasser nicht mehr zu sehen. Mit dem Trinkwasser kommt man dagegen jeden Tag in Berührung. Über Trinkwasserbelastung, wie beispielsweise hoher Nitratwert, wird in der örtlichen Presse berichtet.

Tauchten beim Stühlinger Treffen besondere Probleme auf?

Eigentlich nein. Ein generelles Problem ist die Nachwuchsgewinnung. In dem Zusammenhang: Warum nicht auch Frauen? Die einzige Frau unter uns Männern ist Anne Gerritsen, die die Stühlinger Kläranlage betreut und sehr aufgeschlossen und engagiert ist.


Blick auf die Stühlinger Kläranlage direkt an der Wutach.
Blick auf die Stühlinger Kläranlage direkt an der Wutach. Bild: Edelgard Bernauer

 

Gibt es auch einen Austausch zum Thema Abwasser mit den Anrainerländern Schweiz und Frankreich?

Ja, es gibt beim Landesverband Baden-Württemberg eine Bodenseekläranlagen-Nachbarschaft. Und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald führt seit 2009 jährlich einen Erfahrungsaustausch mit der französischen Verwaltung und einigen Kläranlagen des Départements Haut-Rhin durch.

Wie funktioniert eine Kläranlage neuesten Standes?

Das ist von der Ausbaugröße und dem Standort abhängig. Alle Anlagen haben einen mechanischen Teil. Also Absetzung von Feststoffen, Trennung von Fest- und Grobstoffen sowie von Sand und Fett, sowie einen biologischen Teil: Bakterien arbeiten und reinigen unter Zugabe von Sauerstoff. Bei der großen Verbandskläranlage Klettgau-West, auf 50 000 Einwohner ausgelegt, gibt es sogar eine solare Klärschlammtrocknungsanlage. Ansprechpartner und Betriebsleiter ist Klaus Buntru aus Stühlingen.

Was ist geplant, um das Problem resistente Viren/Bakterien sowie Kunststoffpartikel in den Griff zu bekommen?

Da verweise ich auf das Internet (unter portal.dwa.de). Wir sind an dem Thema dran.

Zu Person und Abwasser

  • Arno Schlecht (57) ist Bauingenieur. Er wohnt in Neuenburg, ist verheiratet und hat drei Töchter. Seine Hobbys sind Wandern, Laufen und Fitness.
    Arno Schlecht leitete das Treffen der Kläranlagenmitarbeiter des Landkreises in Stühlingen.
    Arno Schlecht leitete das Treffen der Kläranlagenmitarbeiter des Landkreises in Stühlingen. Bild: Edelgard Bernauer
  • Klärung: Sauberes Trinkwasser hat einen äußerst hohen Stellenwert, die Kommunen lassen es sich daher viel kosten. Zum Leistungsvergleich und auch zum Fachsimpeln treffen sich die Fachleute aus dem Landkreis Waldshut regelmäßig. In Stühlingen betreut mit Anne Gerritsen die einzige Frau im Landkreis eine Kläranlage.

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