Bunt anziehen und raus aus dem grauen Alltag, schlägt das Karsauer Fasnachtsurgestein Rolf Hönicke vor
Rolf Hönicke macht seit 50 Jahren aktiv Fasnacht in Karsau.
Rolf Hönicke macht seit 50 Jahren aktiv Fasnacht in Karsau. | Bild: Horatio Gollin
Rheinfelden
09.02.2018 23:59
Der seit fünf Jahrzehnten aktive Fasnächtler Rolf Hönicke erzählt, was die fünfte Jahreszeit für ihn lebens- und liebenswert macht.

Seit 50 Jahren mischt Rolf Hönicke in der Karsauer Fasnacht mit und hat in verschiedenen Cliquen und in der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte Ämter gehalten. Für ihn steht bei der Fasnacht die gemeinsame Freude im Vordergrund.

Erstmals wurde beim Empfang der Moschtbirekönigin mit Rolf Hönicke ein Fasnächtler für 50-jährige aktive Fasnacht in Karsau ausgezeichnet. Die Fasnacht war ihm vielleicht schon in die Wiege gelegt worden, als er 1947 im heutigen Blauen Bock, damals noch Gasthaus zum Kraftwerk, geboren wurde. Zwischen 1949 und 1970 wohnte er im Schloss Beuggen, wo er bis zur Schließung des früheren Kinderheims in der Verwaltung tätig war. Bis heute lebt Hönicke in Karsau und hat 1985 sogar die Moschtbirekönigin Susanne I. von 1983 geheiratet.

Beruflich war Hönicke immer in der Buchhaltung tätig, bei der Fasnacht stand der Vater zweier Töchter und zweifache Großvater in der vordersten Reihe. „Ich war von klein auf bei der Fasnacht dabei“, erzählt Hönicke. Nach seiner Bundeswehrzeit trat er 1968 in die Wildenclique ein, wo er das Amt des Schriftführers übernahm und von 1973 bis 1985 die Schnitzelbänke schrieb. 1985 wurde er zum Zunftmeister der neu gegründeten Narrenzunft Karsau gewählt, die den Elferrat als das die Fasnacht bestimmende Organ ablöste und wechselte von den Wilden zum Elferrat, der neu aufgebaut werden musste. „Stück für Stück konnten wir neue Mitglieder gewinnen und wieder eine eigene Mannschaft beim Umzug stellen“, sagt Hönicke, der 24 Jahre im Vorstand des Elferrats wirkte.

Zunftmeister blieb Hönicke bis 2003. „Wenn man Zunftmeister ist, ist man automatisch im Zunftstab der Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte“, erklärt Hönicke, der von 1997 bis 2013 VHN-Präsident war. Heute ist Hönicke Ehrenzunftmeister der Narrenzunft und Ehrenpräsident der VHN, wo er noch im Zunftstab tätig ist. „Immer schön war, als Zunftmeister zusammen mit dem Stellvertreter die Moschtbirekönigin auszusuchen“, blickt Hönicke zurück. „Für mich ist wichtig, dass meine Frau sehr gut schminken kann und ein gutes Auge für Kostüme hat. Wenn man so etwas so lange macht, ist es wichtig, dass der Partner mitspielt, und schön, wenn er auch mitmacht.“

In 50 Jahren hat sich viel verändert in der Fasnacht. „Die Beizenfasnacht ist gestorben und in der Halle haben wir noch die Inthronisation, die Zunftabende und den Wildenball. Dann haben wir nur den Narrenmarkt“, bemerkt Hönicke mit Wehmut. „Das ist ein Stück, was fehlt. Der Stammtisch ist nicht mehr da. Das ist schade, weil der Treffpunkt am Stammtisch war immer schön.“ Er meint, die neue Technik sei zwar schnell, aber der persönliche Kontakt gehe verloren. „Schon das Verkleiden, das Herrichten, das Schminken sind schön“, schwärmt Hönicke. Er schränkt aber ein, dass ein Kostüm nicht nur gruselig sein sollte, sondern auch ansprechend und fröhlich. Und die Fasnächtler dürften nicht vergessen, dass Anstands- und Verhaltensregeln wegen der Fasnacht nicht aufgehoben würden, sagt Rolf Hönicke.

An die Besucher appelliert er: „Am Narrenmarkt oder beim Umzug muss man sich auch als Zuschauer verkleiden und mitmachen. Sich bunt anziehen und aus dem grauen Alltag raus, das gehört einfach mit dazu.“

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