Neuer Spitäler-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt: "Wir brauchen einen Aufbruch"
Hans-Peter Schlaudt hat nach der Freistellung von Geschäftsführerin Simone Jeitner die alleinige Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein GmbH übernommen. Bild: Martin Köpfer
Hans-Peter Schlaudt hat nach der Freistellung von Geschäftsführerin Simone Jeitner die alleinige Geschäftsführung der Spitäler Hochrhein GmbH übernommen. Bild: Martin Köpfer | Bild: Martin Köpfer
Kreis Waldshut
04.08.2017 18:53
Nach der Freistellung von Geschäftsführerin Simone Jeitner führt der ursprüngliche Co-Geschäftsführer Hans-Peter Schlaudt nun alleine die Geschicke der Spitäler Hochrhein GmbH. Im Interview spricht er über die Zukunft der beiden Krankenhäuser. Noch in diesem Jahr soll es eine Entscheidung geben.

Herr Schlaudt, Sie sind von Beruf Arzt, seit 1995 aber in der Beratung von Kliniken tätig. Was sind denn da genau Ihre Aufgaben?

Ich betrachte mich in erster Linie als Partner der Kliniken, aber auch als jemand, der die Verantwortung für das Unternehmen übernimmt. Meine Firma, in der ich geschäftsführender Gesellschafter bin, wird immer dann angesprochen, wenn eine Klinik in eine Krise geraten ist oder unerwünschte Ereignisse eingetreten sind, um das mal etwas geschönt zu formulieren.

Sie haben in den vergangenen zehn Jahren 15 Kliniken, die in Schieflagen gekommen waren, als Geschäftsführer betreut. Wie viele bestehen noch?

Zwei sind nicht mehr am Markt. Herbolzheim wurde privatisiert und nach meiner Tätigkeit dort geschlossen. Das zweite Spital im Sauerland war ein Akuthaus. Das war einfach nicht mehr fortführungsreif. Ein Punkt dort war der Ärzte- und Personalmangel.

Also eine ähnliche Situation wie bei der Spitäler Hochrhein GmbH, was das Personal betrifft?

Das ist generell ein bundesweites Problem, dass wir Fachkräftemangel haben nicht nur bei den Ärzten, sondern auch bei den Pflegekräften. Dazu kommt, dass alle gerne in der Stadt leben wollen. Das dünnt die Flächen aus. Ich würde sagen, am Standort Waldshut haben wir dieses existenzielle Problem nicht, in Bad Säckingen würde ich es etwas dramatischer einschätzen – aber immer mit der Maßgabe, in wie weit ich dies nach diesen wenigen Tagen, die ich im Amt bin, einschätzen kann.

Wie geht es mit den Spitälern in Bad Säckingen (Bild links) und Waldshut (Bild rechts) weiter? Die Antwort auf diese Frage, soll laut Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH bis Jahresende gefunden sein. Bilder: Sandro Kipar/Spitäler Hochrhein GmbH
Wie geht es mit den Spitälern in Bad Säckingen (Bild links) und Waldshut (Bild rechts) weiter? Die Antwort auf diese Frage, soll laut Hans-Peter Schlaudt, Geschäftsführer der Spitäler Hochrhein GmbH bis Jahresende gefunden sein. Bilder: Sandro Kipar/Spitäler Hochrhein GmbH Bild: Sandro Kipar

Aber wie in Bad Säckingen gibt es doch auch in Waldshut das Problem, dass viele Ärzte und Mitarbeiter gerade in Pflegeberufen in die Schweiz gehen. Nicht unbedingt nur des Geldes wegen, sondern, sondern auch weil das Klima seit längerem nicht stimmt.

Ich habe auch einmal in der Schweiz gearbeitet – in Aarau im Kantonsspital am Ende des Studiums, daher kenne ich die Region ein bisschen. Die Schweiz ist sicherlich auch für Ärzte attraktiv, es kommen aber auch viele zurück, weil man als Deutscher in der Schweiz doch nicht so akzeptiert wird – vor allem, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht. Von denen, die zurückkommen, wollen wir den ein oder anderen auch in der Region halten. Das betrifft natürlich genauso das Pflegepersonal. Es ist unstrittig, dass wir in einer nicht einfachen, sondern in einer sehr zugespitzten Situation sind. Es gibt öffentliche Diskussionen, die nicht immer positive Inhalte haben. Das schwächt jedes Unternehmen, auch die Spitäler Hochrhein. Negativbotschaften zerstören das Vertrauen in der Öffentlichkeit, damit wird es noch schwieriger. Das ist aus meiner Sicht ein großes Problem – und ein Punkt, den ich gerne anders sehen würde. Ob wir das hinkriegen, wird sich zeigen.

Was fehlt denn in Bad Säckingen, eventuell auch im Bereich Personal?

Uns fehlt es grundsätzlich an fachärztlicher Kompetenz, die es zu gewinnen gilt. Dieses Thema besteht jedoch nicht erst seit gestern. Dazu kommen die baulichen Probleme und nicht zuletzt die zurückgehenden Patientenzahlen seit vielen Jahren. Wir müssen es schaffen, dass das Spital wieder von der Bevölkerung angenommen wird. Das wird nicht einfach.

Gibt es denn von den beiden Gesellschaftern – zu 60 Prozent ist die Stadt Waldshut-Tiengen über den Spitalfonds und zu 40 Prozent der Landkreis beteiligt – Zielvorgaben an Ihre Arbeit?

Das Spannungsfeld zwischen Bad Säckingen und Waldshut habe ich, glaube ich, inzwischen ganz gut verstanden. Ob man das politisch lösen kann, das ist nicht mein Job. Mein Job ist es, die Sachlage aufzuzeigen und eine Entscheidung der Gesellschafter herbeizuführen. Grundsatzentscheidungen müssen die Gesellschafter treffen. Da habe ich keine Weisung, da bin ich ergebnisoffen. Ich habe vor dem Kreistag und dem Gemeinderat in Waldshut-Tiengen gesagt: Sie bekommen aus meiner Sicht Optionen dargestellt, die Konsequenzen haben. Dann müssen sie entscheiden und dann müssen wir es umsetzen. Viele Wege sind denkbar.

Einer dieser Wege wäre die Schließung des Spitals in Bad Säckingen?

Ich bin da ergebnisoffen. Das ist eine von mehreren möglichen Optionen. Eine andere ist, Bad Säckingen als Krankenhaus wieder aufzubauen, zu einem vollwertigen Krankenhaus zu entwickeln. Da müssen wir prüfen: Ist das machbar, welche Fachgebiete kann es geben? Denkbar wäre auch: Es gibt Abstufungen zwischen den zwei Krankenhausstandorten mit einem Standort wie bisher und einer zweiten Einrichtung bis hin zu einem lokalen Gesundheitszentrum. Das muss man ausloten.

Angenommen Sie kämen zur Einschätzung, dass das Spital Bad Säckingen nicht überleben kann, aus welchem Grund auch immer. Dann haben wir mehr als zehn Jahre, bis ein Zentralkrankenhaus kommt – sollte es denn kommen. Kann das Spital Waldshut in dieser Zeit die Versorgung aller Patienten aus dem Landkreis alleine übernehmen?

Dazu kann ich im Moment nicht ernsthaft etwas sagen, ich bin ja erst wenige Tage hier. Ich habe noch kein Gefühl dafür, wie hoch der Investitionsstau in Waldshut ist, aber es gibt sicherlich noch Ertüchtigungsmaßnahmen, die notwendig sind. Es muss am Ende eine Lösung geben, und dafür sind die nächsten sechs bis acht Wochen, um diese ganzen Fragen aufzuarbeiten.

Wir reden da ja immer über den Zeitraum bis zur Fertigstellung eines Zentralklinikums.

Richtig. Aber wir sind nicht die Einzigen, die entscheiden. Wir haben eine Krankenhausplanung vom Land, entscheidend ist auch für die kleinen Häuser die großpolitische Wetterlage. Und die geht klar hin zur Zentralisierung. Wir haben Mindestmengen, die verschärft werden, da muss man schauen, wie man sich durchmanöverien kann. Die Städte im Landkreis wie Waldshut-Tiengen und Bad Säckingen haben ja auch Visionen, wie sie ihre Städte entwickeln wollen und haben nicht unendlich Geld.

Und wer finanziert diesen Spitalneubau?

Wenn man einen Krankenhausneubau schaffen will in einer Größenordnung wie angedacht von 120 Millionen Euro und rund 300 Betten kommen da gerade mal 43 Prozent Zuschuss vom Land, der erhebliche Teil muss vom Träger gestemmt werden. Bis dahin muss zudem der Betrieb der Gesundheitsversorgung im Landkreis sichergestellt werden. Auch das fließt in die Gesamtfinanzierung ein. Darüber müssen wir reden.

Die Stadt Waldshut-Tiengen will möglichst schnell aus der GmbH aussteigen. Simone Jeitner hat bei der Begründung ihres Rücktritts gesagt, die beiden Gesellschafter würden sich gegenseitig blockieren und sie komme so nicht weiter. Wie gedenken Sie weiter zu kommen? Irgendetwas muss ja wohl anders werden.

Ich kann nicht beurteilen, wie es vorher war mit Frau Jeitner. Meine Aufgabe ist es, auf Grundlage der Analyse Lösungen vorzuschlagen. Ich kann sagen, was ich für klug halte. Am Ende stehen da Beträge, dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Aber wie auch immer diese ausfällt: Am Ende muss Ruhe einkehren, und man muss die Konsequenzen tragen. Das müssen die Gremien am Ende aushalten, dass so und so viel Geld reinfließt. Ich bin da total offen. Letztlich geht es um die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Aber wir reden für 2017 von Verlusten von knapp 13 Millionen Euro.

Im Moment gibt es erhebliche Verluste, dafür muss jemand aufkommen oder das Unternehmen kann nicht weitergeführt werden. Mein Job ist es zu sagen: Ich will eine Entscheidung haben, wenn Sie Entscheidung A treffen, müssen sie soundsoviel Mittel bereitstellen, bei Entscheidung B entsprechend andere Mittel. Mehr kann ich nicht tun. Diese Entscheidung soll bis spätestens zum Jahresende gefallen sein.

Sehen Sie Licht am Horizont?

Mir geht es darum, das Unternehmen nach vorne zu bringen, wir brauchen einen Aufbruch. Das Licht sehe ich beim Potenzial der Mitarbeiter. Diese warten darauf, dass es endlich Veränderungen im Unternehmen gibt, die zum Guten führen bei allen Schwierigkeiten, die die Rahmenbedingungen darstellen. Das zweite Licht ist, dass wir in den nächsten Monaten zu Entscheidungen kommen, um Ruhe ins Unternehmen zu bekommen. Meine Wahrnehmung ist, dass die Träger das auch wollen. Die Endlosdiskussionen sind sehr schädlich. Sehr gut ist auch, dass zum 1.

 August Dr. Dette bei uns angefangen hat als Chefarzt der Gastroenterologie (Diagnostik, Therapie und Prävention von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sowie der damit verbundenen Organe; Anmerkung der Redaktion) auf einer Stelle, die lange vakant war – und wir mit ihm die Chance haben, Themen voranzubringen.

Zur Person

Hans-Peter Schlaudt ist 53 Jahre alt und hat zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren. Der promovierte Mediziner berät nach Stationen an renommierten Kliniken – unter anderem dem Deutschen Krebsforschungszentrum – seit 1995 Krankenhäuser und ist seit 1998 Geschäftsführer seiner Firma Jomec GmbH mit Sitz in Berlin. In dieser Position war er als „Manager auf Zeit“ seit dem Jahr 2000 als Geschäftsführer und Sanierer in zahlreichen Kliniken unter anderem in Herbolzheim, Halle, Schmallenberg, Duisburg und Frankfurt tätig. Die Firma von Hans-Peter Schlaudt hat seit der Gründung mehr als 500 Projekte in den vergangenen 20 Jahren abgewickelt. (mak)

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