"Mir ist die Frage des Glaubens im Alltag sehr wichtig", sagt Pfarrvikarin Regine Born.
Pfarrvikarin Regine Born
Pfarrvikarin Regine Born | Bild: Stefan Pichler
Vor 51 Jahren wurde die evangelische Kirche in Höchenschwand eingeweiht.
Vor 51 Jahren wurde die evangelische Kirche in Höchenschwand eingeweiht. | Bild: Stefan Pichler
Höchenschwand
06.02.2018 22:00
Regine Born, Pfarrvikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Höchenschwand, nimmt Abschied aus der Kirchengemeinde und wechselt mit ihrem Ehemann Michael nach Laufenburg.

Frau Born, wann stand für Sie fest, dass sie Theologie studieren werden und Pfarrerin werden wollen?

Ich bin in einem württembergischen Pfarrhaus aufgewachsen und war von klein auf in der Gemeinde mittendrin dabei. Als Kind habe ich meine Puppen getauft. Später habe ich den Berufswunsch Pfarrerin zwar nochmals überdacht, letztlich stand mein Entschluss aber fest.

Gab es für die Entscheidung ein entscheidendes Ereignis?

Außer den guten Erfahrungen mit meinem Glauben in einer lebendigen Kirche der jeweiligen Wohngemeinde hat mich besonders ein Praktikum in der evangelischen Gemeinde auf dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd darin bestärkt, diesen Weg einzuschlagen. Während meines Studiums habe ich Freunde im Theologen-Netzwerk churchconvention gefunden, die auf ihrem Weg ins Pfarrhaus mit viel Mut, Leidenschaft und Hoffnung für unsere Kirche eintraten, und dies trotz aller demografischen, finanziellen und strukturellen Herausforderungen, die die Kirche beschäftigen oder noch beschäftigen werden.

Haben Sie sich schon vor dem Studium in ihren Wohnortgemeinden in der Kirche engagiert?

In meiner Jugend habe ich mich in der evangelischen Kirchengemeinde Zwerenberg eingebracht. So war ich beispielsweise Mitglied im sogenannten JuGo-Team, das regelmäßig Jugendgottesdienste verantwortet hatte, auch habe in der JuGo-Band mitgespielt. In einem Kreis für junge Erwachsene, hier war ich mehrere Jahre aktiv dabei, haben wir zudem abwechselnd die wöchentlichen gemeinsamen Abende gestaltet.

Warum fiel Ihre Entscheidung bei der Wahl der Vikarstelle auf Höchenschwand?

Vikariatsstellen kann man sich nicht selbst aussuchen, auch nicht die erste Pfarrstelle im Probedienst nach dem Vikariat. Doch man kann vor dem Vikariat Wünsche äußern, etwa was die Region oder die Prägung der Gemeinde betrifft. Mein Mann und ich waren erst zwei Jahre vor meinem Vikariat aus dem Stuttgarter Raum nach Lauchringen gezogen, und ich äußerte den Wunsch, für mein Vikariat in der Region zu bleiben. Ich bin sehr froh, dass die Wahl der Landeskirche damals auf Höchenschwand gefallen ist, denn ich habe mit Pfarrer Markus Wagenbach einen sehr guten, erfahrenen Mentor für mein Vikariat gehabt. Ich durfte in einer Gemeinde Vikarin sein, die mich herzlich aufgenommen und ebenso herzlich und interessiert durchs Vikariat begleitet hat.

Für welche kirchlichen Themen haben Sie sich im Höchenschwand besonders eingesetzt?

Mir ist die Frage des Glaubens im Alltag sehr wichtig. Die Sonntagspredigt hat etwas zu tun mit den restlichen Tagen der Woche und andersherum. Außerdem habe ich mich besonders im Konfirmandenunterricht engagiert und mich mit dafür eingesetzt, dass wir den Konfirmandinnen und Konfirmanden eine besondere Konfirmanden-Freizeit gemeinsam mit anderen Konfirmanden-Gruppen ermöglichen. Auch habe ich sehr gerne Ideen rund um die Entwicklung der Gemeinde eingebracht, weil mich das sehr interessiert. Passenderweise hat der Kirchengemeinderat während meines Vikariats genau dieses Thema vertieft.

Haben Sie auch eigene Ziele eingebracht und umgesetzt?

Ja und Nein. Zum Einen bin ich der Meinung, dass man in einer Gemeinde eigene Ziele nicht einfach umsetzen sollte. Wenn ich eine gute Idee habe, prüfe ich sie gemeinsam mit anderen oder hole mir Rückmeldungen. Daraus kann dann ein gemeinsames Ziel werden, das man Schritt für Schritt umsetzt. Aber natürlich habe ich auch eigene Ziele verwirklicht. Wie schon erwähnt, war mir sehr wichtig, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden eine tolle, prägende Zeit erleben.

Gab es in Ihrer Zeit in Höchenschwand Momente, an die Sie sich auch heute noch besonders gerne erinnern?

Ich erinnere mich an eine Konfirmandenfreizeit, bei der eine Konfirmandin aus einer anderen Gemeinde getauft wurde. Sie wurde dazu in einem alten Fass ganz untergetaucht, das wir auf abenteuerliche Weise mit viel warmem Wasser befüllt haben. Für diese Taufe das Fass vorbereiten zu dürfen, war irgendwie etwas ganz besonderes. Auch war für mich sehr bewegend, wie die Konfirmandin erzählte: Von ihrem Entschluss sich taufen zu lassen und was es für sie bedeutet, an Jesus Christus zu glauben. Ich erinnere mich auch gern an das gemeinsame Essen in der Kirchengemeinde. Ich erlebte dabei, dass Gastfreundschaft ein ganz wichtiger Aspekt des Gemeindelebens ist, nicht nur beim Essen.

Was haben Sie sich als Pfarrerin in Laufenburg vorgenommen?

Ich möchte nicht mit vielen Vorhaben im Gepäck nach Laufenburg ziehen, sondern möchte gemeinsam mit meinem Mann die Gemeinde erst einmal wahrnehmen und kennenlernen. Es ist eher so, dass uns verschiedene Dinge wichtig sind. Das sind beispielsweise Ideen und neue Perspektiven, die wir im Nachdenken über die Zukunft der Kirche für uns entdeckt haben und wir freuen uns, wenn das eine oder andere gut nach Laufenburg passt. Wir sind gespannt und freuen uns darauf, das gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entdecken.

Zur Person

Regine Born(33) wohnt in Lauchringen und ist verheiratet mit Michael Born, sie haben zwei Kinder. Von 2005 bis 2012 studierte sie Theologie in Tübingen, am Krelinger Studienzentrum und in Marburg. Vier Semester nutzte Regine Born als Vorbereitungszeit. Sie lernte Hebräisch und Griechisch, um die Bibel in der Ursprache lesen zu können. Während des Studiums lernte Regine Born ihren Mann Michael kennen, mit dem sie nun am 1. März 2018 gemeinsam eine Pfarrstelle in der Stadt Laufenburg antritt. Nach zwei Jahren Dienst in der evangelischen Kirchengemeinde Höchenschwand wurde die Lehrvikarin im Gottesdienst verabschiedet.

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