Nach Todes-Drama: DLRG berät über Konsequenzen für ihre Feriencamps und plant Trauerfeier
Bild: Kamera24
Bad Säckingen
02.08.2017 17:31
Wetter-Experte Jörg Kachelmann geht nach dem Unglücksfall in Egg mit den zuständigen Betreuern hart ins Gericht. Mit gesundem Menschenverstand hätte die Gefahr frühzeitig bemerkt werden müssen. Die DLRG, an deren Zeltlager der Junge teilnahm, berät derweil über Konsequenzen.

Nach dem Tod eines 15 Jahre alten Jungen im Zelt durch einen umgestürzten Baum in Südbaden will die Polizei den Hergang des Unglücks rekonstruieren. „Es ist zu klären, ob ein mögliches Fremdverschulden vorliegt, weil an der Örtlichkeit am Waldrand bei den bestehenden Witterungsverhältnissen gezeltet wurde“, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Es werde aktuell nicht gegen Personen ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in Waldshut-Tiengen ordnete die Obduktion des Opfers an, um die genaue Todesursache festzustellen.

Die DLRG berät inzwischen Konsequenzen für ihre Feriencamps. Dazu habe es am Mittwochabend in Stuttgart eine Vorstandssitzung gegeben, sagte der Sprecher des DLRG-Landesverbandes Württemberg, Dieter Geisberger, am Donnerstag. „Das Thema hat eine große Rolle gespielt“. Man überlege, was getan werden könne, um solche Unfälle in Zukunft zu verhindern.

Im Moment gehe es noch um die emotionale Aufarbeitung, sagte Geisberger. „Die Betroffenheit ist absolut riesig bei allen Beteiligten.“ Polizei und Staatsanwaltschaft würden bei ihren Ermittlungen voll unterstützt. Die DLRG plant nach Angaben des Sprechers eine Trauerfeier. Einzelheiten seien noch nicht bekannt.

Derzeit laufen laut Polizei noch die Befragungen der Kinder und Jugendlichen sowie verschiedener Zeugen, insbesondere der vor Ort gewesenen Betreuer, die im Alter zwischen 17 und 29 Jahren sind. Die kriminaltechnischen Maßnahmen am Unglücksort sind abgeschlossen. Es hat sich bestätigt, dass die Bäume durch den Sturm umgestürzt sind und nicht durch einen Blitzschlag. Zum Gesundheitszustand des schwer verletzten Jugendlichen gibt es keine neuen Erkenntnisse

Kachelmann ist besorgt


Der Tod des jungen Mannes während eines Zeltlagers in Egg wäre vermeidbar gewesen. Dies erklärte der bekannte Meteorologe und Journalist Jörg Kachelmann in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Denn das schwere Gewitter in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sei erwartet worden. Der Deutsche Wetterdienst hatte eine entsprechende Warnung herausgegeben. Kachelmann: „Jeder hätte das merken können, alle Anzeichen waren da.“

Beispielsweise eine bei Jugendlagern teilweise übliche Nachtwache hätte das „Blitzfeuerwerk“ und das Donnern frühzeitig bemerken können. Spätestens dann hätte sich die Gruppe in Sicherheit bringen müssen. Wer solche Wetterereignisse ignoriere, nehme fahrlässig in Kauf, dass Menschen zu Schaden kommen, so Kachelmann.

Falls die Gruppe keinen Notfallplan mit festem Unterstand gehabt habe, sei dies ebenfalls ein großes Versäumnis. „Wir haben Sommer. Zu dieser Jahreszeit ist ein starkes Gewitter im Hotzenwald nicht ungewöhnlich,“ sagte der Meteorologe.



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Kachelmann appellierte außerdem: "Wir müssen uns davon lösen, dass Warnungen von offiziellen Diensten den gesunden Menschenverstand ersetzen." Der Meteorologe vergleicht die Situation mit einem Fluss, dessen Pegel immer weiter steigt. Auch hier würde der Mensch ohne eine zusätzliche Warnung begreifen, dass er sich in Sicherheit bringen müsse.

Trotz des Appells an den menschlichen Verstand sei technisch eine Vorwarnung für die Gruppe dennoch möglich gewesen: Verschiedene Dienste hätten ab 1.05 Uhr wieder vor einem starken Gewitter mit heftigem Starkregen gewarnt. "Die Gruppe hätte demnach 40 bis 45 Minuten Zeit gehabt, um sich in Sicherheit zu bringen."


Wetterkarte über dem Unglücksort
Eine Wetterkarte über dem Unglücksort, von 1 Uhr morgens bis 2 Uhr. Bild: Kachelmann-Wetter

Zudem seien schon ein bis zwei Stunden vorher Blitze im Westen deutlich zu sehen gewesen. Der Donner wäre hörbar, sobald sich das Gewitter auf 15 Kilometer Entfernung genähert habe. Dieser müsse laut Kachelmann dann kontinuierlich lauter geworden sein, während das Unwetter sich unaufhaltsam Egg näherte.

Für ein Gewitter sei der sicherste Ort ein Auto oder ein fester Unterstand, so Kachelmann. Sich auf einem freien Feld oder in der Nähe von Bäumen aufzuhalten könne tödliche Folgen haben. Der Todesfall in Rickenbach unterstreicht diese Einschätzung auf traurige Art. Dem Gewitter eine außergewöhnliche Schwere zuzuweisen oder die Schuld gar bei den Wetterdiensten zu suchen, lehnt Kachelmann ab: "Das sind Nebelkerzen."

Emotionales Posting


Die Leiche des 15-Jährigen wird obduziert, wie ein Polizeisprecher bekanntgab. Die Polizei geht davon aus, dass ein heftiger Sturm einen etwa 30 Meter hohen Baum auf das Zelt stürzen ließ und den Jungen unter sich begrub. Die Obduktion solle nun zeigen, was die genaue Ursache für den Tod des Jungen war.

Bei einem Zeltlager der DLRG in Egg waren bei einem Gewitter in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch kurz vor 2 Uhr mehrere Bäume auf die Zelte der Jugendlichen gestürzt. Ein 15-Jähriger erlag seinen Verletzungen. Drei weitere Jungen, ein 13-Jähriger und zwei 14-Jährige, wurden schwer verletzt, einer der 14-Jährigen lebensbedrohlich. Er wurde per Rettungshubschrauber ins Spital nach Basel geflogen.


Die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg hat derweil ein emotionales Posting auf Facebook veröffentlicht:
 
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