Firmen beklagen hohe Preise für Gewerbe-Immobilien
IHK-Geschäftsführer Peter Jany (ganz links) präsentierte die Ergebnisse der Umfrage und baute positive kausale Brücken zwischen manchen bedenklichen Bewertungen und der Attraktivität des Standorts. Für Erika Koch, Einzelhändlerin und Mitglied der IHK-Vollversammlung, ist das Stimmungsbild aus der Wirtschaft besonders wichtig. Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte zu, die Anregungen aus der Umfrage konstruktiv anzugehen; im Bild mit Wirtschaftsförderer Stefan Schneider (ganz rechts).
IHK-Geschäftsführer Peter Jany (ganz links) präsentierte die Ergebnisse der Umfrage und baute positive kausale Brücken zwischen manchen bedenklichen Bewertungen und der Attraktivität des Standorts. Für Erika Koch, Einzelhändlerin und Mitglied der IHK-Vollversammlung, ist das Stimmungsbild aus der Wirtschaft besonders wichtig. Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte zu, die Anregungen aus der Umfrage konstruktiv anzugehen; im Bild mit Wirtschaftsförderer Stefan Schneider (ganz rechts). | Bild: Hanspeter Walter
Erika Koch, Einzelhändlerin und Mitglied der IHK-Vollversammlung, verwies darauf, wie wichtig das Marketing für die Region ist. Damit liegt sie mit Oberbürgermeister Jan Zeitler (rechts) auf einer Linie.
Erika Koch, Einzelhändlerin und Mitglied der IHK-Vollversammlung, verwies darauf, wie wichtig das Marketing für die Region ist. Damit liegt sie mit Oberbürgermeister Jan Zeitler (rechts) auf einer Linie. | Bild: Hanspeter Walter
IHK-Geschäftsführer Peter Jany (rechts) präsentierte die Ergebnisse der Umfrage. Den Teilnehmern blieb genug Zeit, sich auszutauschen; links: Wirtschaftsförderer Stefan Schneider.
IHK-Geschäftsführer Peter Jany (rechts) präsentierte die Ergebnisse der Umfrage. Den Teilnehmern blieb genug Zeit, sich auszutauschen; links: Wirtschaftsförderer Stefan Schneider. | Bild: Hanspeter Walter
Überlingen
09.02.2018 14:38
Unternehmer sorgen sich wegen Kosten für Gewerbe-Immobilien und dem Defizit an Wohnraum. Das ist ein Ergebnis der IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit. Ein weiteres Ergebnis: Das Image der Region und der hohe Freizeitwert sind wichtige Stärken.

Echte Überraschungen brachte die Umfrage zur Standortzufriedenheit der Unternehmen nicht, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben jetzt vorstellte. Thematisiert wurden die vier Themenbereiche Infrastruktur/Verkehr, Fachkräfte/Bildung, Attraktivität und Kosten. Kritik übten die Firmen an den hohen Kosten für Gewerbeimmobilien und der mangelnden Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, aber auch am Defizit an Wohnraum und der Verkehrsinfrastruktur. Als Stärken gesehen werden die Versorgungssicherheit, der hohe Freizeitwert und das positive Image, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Jany vor Vertretern der Unternehmen erläuterte. Jany baute den Verantwortlichen dabei eine Brücke zur positiven Interpretation mancher auf den ersten Blick bedenklichen Ergebnisse. Schließlich könne man die beklagten hohen Kosten für Gewerbeimmobilien und das Defizit an Wohnraum mit der hohen Attraktivität des Standorts in einen kausalen Zusammenhang bringen.

Zeitler: Offen mit Analyse umgehen

Nicht nur rund 70 Vertreter der Firmen konnte Geschäftsführer Sascha Damaschun in den Räumen des Naturkost-Großhandels Bodan zu der Präsentation willkommen heißen. Als gutes Zeichen zu Beginn des Jahres wertete Damaschun, "dass wir uns gemeinsam den Standortfragen zuwenden können". Auch Oberbürgermeister Jan Zeitler, Wirtschaftsförderer Stefan Schneider und mehrere Gemeinderäte hörten sich die Resultate an und suchten das Gespräch. Einzelhändlerin Erika Koch begrüßte die Kollegen als Vertreterin in der IHK-Vollversammlung und verwies auf das wichtige Marketing für die Region.

Die Resultate konstruktiv aufzunehmen sicherte Oberbürgermeister Jan Zeitler den Unternehmen schon im Vorfeld der Präsentation zu. "Wir wollen völlig offen mit der Analyse umgehen", sagte Zeitler. "Wir werden den Austausch mit der IHK suchen und uns Gedanken machen, wie wir die Rahmenbedingungen verbessern können."

Parken bleibt ein Reizthema

Zunächst ging Peter Jany auf die Bevölkerungsentwicklung und die Pendlerströme ein, bei denen Überlingen einen Überschuss von 3000 Einpendlern aufweise. Als einen kritischen Faktor griff er die Gewerbesteuer heraus. Erstmals habe die IHK die Anteile der Gewerbesteuer am gesamten Steueraufkommen einer Kommune ermittelt und überraschende Ergebnisse erhalten. So liege Überlingen mit seinem Hebesatz von 370 Prozent zwar weit oben in der Region. Der Anteil an den Einnahmen der Stadt mache allerdings nur 28,6 Prozent aus, in Markdorf liege er mit 53 Prozent fast doppelt so hoch.

Die einzige Gemütsregung zeigte das Auditorium, als Jany über die Ursache nach den negativen Werten beim Parken spekuliert hatte. "Sie werden ja keine Parkplätze abgebaut haben", mutmaßte Jany und weckte damit Widerspruch. "Doch!", ertönte es postwendend und vielstimmig.

Einzelergebnisse der Umfrage: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

  • Zuletzt hatte die IHK Bodensee-Oberschwaben die Umfrage zur Standortzufriedenheit 2007 und 2012 gemacht. Im Jahr 2017 waren nun 474 Unternehmen angeschrieben worden, von denen knapp 94 antworteten. Die Rücklaufquote von 20 Prozent liegt im Bereich der ganzen Region (21 Prozent) und des Regierungsbezirks (18 Prozent).
  • Auf die Frage "Würden sie Ihren Wirtschaftsstandort anderen Unternehmen empfehlen?", antworteten immerhin 63 Prozent der Teilnehmer mit Ja. Der Wert liege allerdings etwas niedriger als im Durchschnitt des Bodenseekreises (70 Prozent) und in der Region Bodensee-Oberschwaben (73 Prozent). Selbst zu expandieren, diese Absicht bekunden vor Ort 27 Prozent, in der Region 19 Prozent und im Ausland 16 Prozent. Hier liegt Überlingen in allen drei Werten über dem Bodenseekreis und der IHK-Region.
  • In der Bedeutung der Standortfaktoren rangieren die Breitbandversorgung, die Versorgungssicherheit Strom, die Erreichbarkeit auf der Straße, eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung und das Parken ganz oben. Im Vergleich zur letzten Umfrage 2012 wichtiger geworden sind zudem insbesondere die Gewerbeflächen, die beruflich qualifizierten Fachkräfte und der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Ausreichend vorhanden sind inzwischen akademisch Qualifizierte.
  • Bei der Zufriedenheit der Überlinger Unternehmen liegen Versorgungssicherheit beim Strom, das Image der Region, die Sport- und Freizeitmöglichkeiten, die medizinische Versorgung sowie die Einkaufsmöglichkeiten ganz vorn. Unzufrieden sind sie vor allem mit dem verfügbaren Wohnraum, den Kosten für Gewerbeimmobilien, dem Parken, den verfügbaren Fachkräften und der Gewerbesteuer. Deutlich verschlechtert hat sich das Gefühl der allgemeinen Sicherheit.
  • Aus der Diskrepanz zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit bei den jeweiligen Faktoren hat die IHK quasi die Stärken und den Handlungsbedarf als relevante Größen abgeleitet. Bei den Stärken sind dies die bereits erwähnten Faktoren höchster Zufriedenheit, wobei das Kulturangebot noch dazu kommt. Gleiches gilt für den Handlungsbedarf bei den Faktoren größter Unzufriedenheit. Hier liegen die Kosten für Gewerbeimmobilien und der Mangel an Wohnraum ganz vorn. (hpw)
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