Oberteuringen wählt: Kandidat Ralf Meßmer macht Wahlkampf von Null auf 100
Ralf Meßmer, Bürgermeisterkandidat in Oberteuringen, hat seinen Wahlflyer persönlich in vielen Haushalten vorbei gebracht und war auf dieser Tour "bis ins letzte Zipfele der Gemeinde" unterwegs.
Ralf Meßmer, Bürgermeisterkandidat in Oberteuringen, hat seinen Wahlflyer persönlich in vielen Haushalten vorbei gebracht und war auf dieser Tour "bis ins letzte Zipfele der Gemeinde" unterwegs. | Bild: Katy Cuko
Oberteuringen
13.09.2017 19:30
Bürgermeister-Kandidat Ralf Meßmer setzt auf Bürger-Vorschläge und seinen Finanz-Sachverstand. 1900 Wahlflyer hat er zusammen mit seiner Familie und Freunden in allen Haushalten verteilt.

Die kleinen Wahlflyer in Postkartengröße – dreifach gefaltet – sind verteilt. Familie und Freunde haben geholfen, alle 1900 Haushalte zu beliefern, erzählt Ralf Meßmer. In die Ortschaften und Weiler sei er selbst gefahren, "um die Gemeinde bis in den letzten Zipfel kennenzulernen". Über den Ortsplan von 1995 gebeugt, ist schön zu sehen, dass Oberteuringen abseits des Ortskerns viel Landschaft und verstreut liegende Höfe hat. Nördlich dahinter und direkt in der Nachbarschaft liegt Horgenzell, wo Meßmer Kämmerer ist. Der kleine Schritt über die Gemeindegrenze wäre für den Bürgermeister-Kandidaten ein großer auf der Karriereleiter – von der zweiten in die erste Reihe.

Mit dem Wahlkampf ist Ralf Meßmer gewissermaßen von Null auf 100 gestartet. Nur wenige kannten den Mann im Ort, obwohl er seit 17 Jahren Teuringer ist. Umso neugieriger sind sie jetzt auf den 43-Jährigen, der Karl-Heinz Beck nachfolgen will. Seine Bewerbung sei auf deutliche Resonanz gestoßen, erklärt der gebürtige Tettnanger quasi zur Halbzeit zwischen Kandidatenkür und Wahltermin. "Ich habe ein positives Gefühl. Die Leute sind offen und freuen sich, dass sie jetzt wirklich eine Wahl haben." Gewerbetreibenden oder Vereinsvertretern hatte er Briefe geschrieben und das Gespräch angeboten; viele seien darauf eingegangen. Er sucht das Gespräch vor oder im Rotachkindergarten, in den seine zwei Kinder gehen, oder an der Haustür, wenn es sich beim Verteilen der Flyer ergibt, beim Einkaufen auf dem Hofladen oder in der Apotheke.

Umfrage statt Wahlprogramm

Anders als sein Mitbewerber Reinhard Friedel präsentierte Ralf Meßmer mit dieser kleinen Werbebotschaft in eigener Sache nicht mal den Ansatz eines Wahlprogramms. Stattdessen ist ein Drittel des Flyers eine Antwortkarte an ihn, auf der die Teuringer formulieren sollen, worauf es jetzt im Ort ankomme. "Es war mir wichtig, kein Programm überzustülpen, sondern die Bürger von Anfang an mit einzubeziehen", erklärt er diese Herangehensweise. Freilich habe er schon lange eine umfangreiche Materialsammlung, wo er anpacken, weiterentwickeln will. In den letzten Ratssitzungen war er ein stiller, aufmerksamer Zuhörer. Aber er wolle schon als Kandidat die Bürger mitnehmen. Welche Vorstellungen er in Sachen Ortsentwicklung hat, legte Ralf Meßmer am Montag bei der Kandidatenvorstellung detailreich, wenn auch in der gebotenen Kürze vor.

Gibt es viel zu tun? "Die Gemeinde ist gut aufgestellt", sagt der Bürgermeisterkandidat, und selbst für die derzeit größte Baustelle ist die Vorarbeit gemacht. Die Pläne für Um- und Ausbau der Talschule sind fertig, das Baugesuch liegt vor, und sogar die Zuschussanträge seien bewilligt. Dass der amtierende Schultes trotzdem nicht den ersten Spatenstich machen wollte, ist für seinen potenziellen Nachfolger mit Blick auf die Fertigstellung des Lebensraums-Campus und dem so noch bestehenden Kostenrisiko in der Schlussrechnung nachvollziehbar. "Ich glaube schon, dass das Projekt genau abgewogen wurde", sagt Ralf Meßmer, auch wenn Leute ihn darauf angesprochen hätten, dass sie es schade finden, wenn das alte Rathaus und wieder ein Stück Ortsgeschichte mit der neuen Schule verschwinden. Der Standort selbst sei sicher nicht perfekt, "aber er hat auch Vorteile".

Auf das Projekt an sich würde er sich freuen. "Beim Schulbau kenn ich mich aus", sagt er. Horgenzell mit seinen 5500 Einwohnern hat schon vor fünf Jahren die Ganztagsschule eingeführt und über die Jahre 15 Millionen Euro in eine nagelneue Schule samt Ausbau des Schulcampus inklusive Gemeinschaftsschule und neuer Sporthalle investiert. Denn auch Horgenzell ist – wie Oberteuringen – in kurzer Zeit enorm gewachsen und hat heute rund 1000 Einwohner mehr als vor 15 Jahren.

Kämmerer durch und durch

Wenn Ralf Meßmer dann vorrechnet, warum beide Großprojekte – Lebensraum-Campus und Schule – den Gemeindehaushalt auf Jahrzehnte belasten werden, kommt ganz der Kämmerer in ihm durch. Den Schulbau müsse man abzüglich der Zuschüsse über Kredit finanzieren, was nach grober Schätzung eine Belastung von rund 250 000 Euro pro Jahr bedeute. Aber auch der Campus-Betrieb verursache Mehrkosten im Vergleich zum Status quo. "Beides engt den Haushalt der Gemeinde um rund eine halbe Million Euro jährlich ein. Das ist eine Hypothek", sagt Ralf Meßmer klipp und klar, wiewohl der Lebensraum-Campus für ihn eine "ganz tolle Geschichte ist". Beides sei auch leistbar, solange die Steuern sprudeln wie derzeit. Langfristig komme Oberteuringen aber allein deshalb nicht um eine weitere Baulandentwicklung herum, um aus dem Grundstücksverkauf Einnahmen zu erzielen, aber auch, um die Wohnnachfrage der Einheimischen zu befriedigen. Hier schwebe ihm eine Doppelstrategie vor: die maßvolle Ausweisung neuen Baulands für kleine Einheiten – "was zum Dorf passt" – und die Bebauung von Baulücken oder Brachen dort, wo man mit Grundstückseigentümern einig werde. "Das ist ein langfristiger Prozess", sagt Ralf Meßmer.

Betriebe gehen lassen geht nicht

Einen ebenso langen Atem, aber auch eine passende Strategie wird die Gemeinde nach seiner Einschätzung beim Thema Breitband-Ausbau brauchen. "Da kommt auch finanziell was auf die Gemeinde zu. Es wäre schön, wenn Oberteuringen am Ende ein eigenes Netz hätte und das verpachten kann", stellt er sich vor. Denn dann könnten dank Mischfinanzierung auch die Teuringer in Bibruck oder anderen Weilern zu vertretbaren Preisen an die Internet-Autobahn angeschlossen werden. Ein drittes großes Thema ist für Ralf Meßmer die Gewerbe-Entwicklung – auch hier im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf lange Sicht. Dass Betriebe abwandern, weil sie im Ort keinen Platz finden, dürfe nicht sein, urteilt er.

Nach einem langen Gespräch über Zahlen und Baustellen schwenkt Ralf Meßmer dann noch einmal dorthin, was die Gemeinde Oberteuringen zusammenhält. Die Vereine zum Beispiel. Gut findet er auch den Sozialbeirat, eine Art Sensor für die weichen Standortfaktoren einer Gemeinde. "Das mündet sicher irgendwann in ein Leitbild", könnte sich Ralf Meßmer vorstellen. Ob er als Bürgermeister mal daran mitwirken wird, entscheidet sich am 24. September.

Podium zur Wahl

Ein erstes Aufeinandertreffen der beiden Bewerber für das Amt des Teuringer Bürgermeisters gab es am Montag im Gasthaus Post. Bei dieser Veranstaltung der Gemeinde durften die Besucher keine Fragen an Ralf Meßmer beziehungsweise Reinhard Friedel richten. Für einen Schlagabtausch der beiden Kandidaten, wie auch ausreichend Zeit für Fragen der Wählerinnen und Wähler an die beiden Bewerber, soll das Wahlpodium des SÜDKURIER am Montag, 18. September, ab 19 Uhr in der „Post“ ausreichend Möglichkeiten bieten. Moderieren wird dieses Podium SÜDKURIER-Redakteur Manfred Dieterle-Jöchle. Der Eintritt zu diesem Podium ist frei. Die Redaktion versteht diese Veranstaltung auch als eine Entscheidungshilfe für die Wahl am Sonntag, 24. September. Der Kandidat, der dabei mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann, wird neuer Bürgermeister der Rotachtal-Gemeinde. An diesem Sonntag findet zeitgleich die Bundestagswahl statt. (dim)

Ihre Meinung ist uns wichtig
0 Kommentare