Ensemble Clazzic bringt klassische Jazzklänge in den Montfort-Jazz-Club
Das Ensemble Clazzic mit Martina Silvester (Flöte), Susanna Klovsky (Piano), Alex Baier (Kontrabass) und Tilmann Herpichböhm (Schlagzeug).
Das Ensemble Clazzic mit Martina Silvester (Flöte), Susanna Klovsky (Piano), Alex Baier (Kontrabass) und Tilmann Herpichböhm (Schlagzeug). | Bild: Caroline Schelling
Langenargen
08.09.2017 15:40
Barock trifft Jazz. Und die Querflöte als Leadinstrument. Kann das gut gehen? Und ob! Die vier Musiker des Ensemble Clazzic – Martina Silvester (Flöte), Susanna Klovsky (Piano), Alex Baier (Kontrabass) und Tilmann Herpichböhm (Schlagzeug) – gehen mit innovativen Klängen und raffinierten Arrangements neue Wege und verschmelzen virtuos Klassik und Jazz. Kenner wissen schon: Es ist Donnerstagabend im Montfort-Jazz-Club in Langenargen und Besonderes steht an.

Das exzellent eingespielte Ensemble interpretierte an diesem Abend altvertraute Werke wie Claude Bollings „Vagabond“und „Amoureuse“, Béla Bartóks „Rumänische Tänze“ und Paul Schoenfields Tango aus „Four Souveniers" facettenreich mit dynamischen Bögen und erfrischenden Klangimprovisationen. Herausragend die „Milonga de Mis Amores“ nach einem Arrangement von Exequiel Mantega. Das perfekte Crossover, ohne die Gewohnheiten der Hörer mit überbordender Disharmonie zu überfordern: Eine Freude für Klassikfreunde und Jazzliebhaber gleichermaßen, die Zuhörer schwebten an diesem Abend zwischen den musikalischen Welten. Da Capo! Die Begeisterung über dieses besondere Klangerlebnis war nicht zu überhören.

An so einem Abend durfte natürlich Bach nicht fehlen. „Walking Bach-Wards“ des israelisch-russischen Komponisten Uri Brener aus der „The Clazzic Suite“, die er eigens für das Ensemble arrangierte, wirkte wie ein Lehrstück für das musikalisches Abenteuer und zeigte, dass Barockmusik und Jazz nicht so weit auseinanderliegen. Die Grenzen wirken fließend. Zeigten die filigranen barocken Klänge anfangs die Strenge der Form, mäanderten sie einige Takte später sinnlich-schwerelos zwischen den leidenschaftlichen jazzigen Rhythmen. Der musikalische Stilwechsel vollzog sich dabei innerhalb eines Taktes. Die Raffinessen des Stücks mit seiner melodiösen Vielstimmigkeit und seinen pointierten Kürzen betonte Martina Silvester mit der eleganten Leichtigkeit ihres virtuosen Flötenspiels. Kraftvoll, temperamentvoll und dann auch wieder zurückhaltend perlte das Klavierspiel von Susanna Klovsky. Ganz die perfekte Begleiterin, die Klangfarben und dynamische Abstufungen ausbalanciert, um so die innere Spannung eines Stücks zu halten. „Walking Bach-Wards“ ist eine eindrucksvolle Hommage an Bach.

Anfang der 60er Jahre sorgte Jacques Loussier für Furore, als er Bach ins Jazzgewand steckte. Seither gilt er als Urvater des Crossover. Man fragt sich, warum die Fusion von Barockmusik und Jazz so gut funktioniert? Der Saxofonist Joshua Redman sagte einmal: „Du kannst nicht Jazz spielen, ohne auch Bach zu spielen.“ Jazz und Barock haben bei genauerem Hinsehen jede Menge Gemeinsamkeiten, was einem an diesem Abend bei der leidenschaftlichen Interaktion, den überraschenden Arrangements und der extravaganten klanglichen Kommunikation der vier Musiker zweifelsohne klar wurde. Anstrengend sei es, alle Noten so schnell spielen zu müssen, sagte der Kontrabassist Alex Baier augenzwinkernd, der seine Zuhörer mit dem energiegeladenen tief tönenden Vielklang seines Bass begeisterte: „Normalerweise spiele ich so viele Noten wie hier heute Abend auf einer Seite stehen an einem Abend.“

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