Nach Verlust an München: Messe Friedrichshafen plant eigene Outdoor-Messe
Auch wenn der europäische Branchenverband München als neuen Messepartner erkoren hat, will die Messe Friedrichshafen 2019 mit einer eigenen Outdoor, die Branchentreff bleibt, an den Start gehen.
Auch wenn der europäische Branchenverband München als neuen Messepartner erkoren hat, will die Messe Friedrichshafen 2019 mit einer eigenen Outdoor, die Branchentreff bleibt, an den Start gehen. | Bild: Messe Frieddrichshafen
Friedrichshafen
09.02.2018 18:20
Einen Tag nach der Nachricht, dass die Messe Outdoor nach München abwandern wird, schauen die Verantwortlichen der Messe Friedrichshafen schon wieder in die Zukunft. Sie planen ab 2019 eine eigene Outdoor-Messe mit einem neuen Format in Friedrichshafen und sind überzeugt, dass die Aussteller diesen Branchentreff wollen.

Enttäuscht, aber nicht resignierend reagiert die Messe Friedrichshafen auf die Nachricht vom Donnerstag, dass die Partnerschaft zum Branchenverband European Outdoor Group (EOG) mit der Jubiläumsmesse der Outdoor in diesem Jahr endet. Rund zwei Drittel von 90 EOG-Mitgliedern, die an der Abstimmung teilnahmen, haben sich für München als neuen Messestandort entschieden (wir berichteten). Ob dieses Votum repräsentativ für die gesamte Branche ist, bezweifelt das Häfler Messeteam. Das sei "ein bisschen Augenwischerei", meint Projektleiter Stefan Reisinger. Von rund 950 Outdoor-Ausstellern hätten letztlich weniger als 50 über die Standortfrage abgestimmt (siehe Interview unten).

Genau aus diesem Grund will die Messe Friedrichshafen 2019 mit einem eigenen Format für die Outdoor an den Start gehen – und damit in Konkurrenz zu München treten. Die Erwartung, eine Alternative zu Ispo in der bayerischen Metropole anzubieten, hätten Aussteller schon vor dieser Entscheidung formuliert. "Es gibt viele, die weiterhin einen eigenen Branchentreff wünschen", erklärte Messe-Geschäftsführer Klaus Wellmann bei einem Mediengespräch am Freitag die neue Strategie. Die Ispo ist eine große Sportfachmesse, bei der das Thema Outdoor nur einen Aspekt darstellt.

Für die EOG allerdings ist die Ankündigung der Messe Friedrichshafen, eine eigene Veranstaltung auf die Beine zu stellen, eine Kampfansage. Der Branchenverband hadert sichtlich mit der Reaktion des bisherigen Messepartners. Das Hauptziel der EOG sei es, die Branche zusammenzuhalten und ihr die richtige Messeplattform für eine digitale Zukunft zu bieten, teilte der Verband gestern mit. Ihm liege es fern, die Branche wegen dieser Entscheidung zu entzweien. Das Ergebnis der Abstimmung sei repräsentativ, weil es die Interessen der Branche widerspiegele. Und die habe der Verband zuvor bei über 90 Prozent der Marktteilnehmer abgefragt. Nicht zuletzt vereinten die rund 100 EOG-Mitgliedsunternehmen rund 70 Prozent der Wirtschaftskraft des europäischen Outdoormarkts. Fazit: Die Entscheidung für München sei bindend und repräsentiere den Willen der Outdoorindustrie. Das sieht die Messe Friedrichshafen jedoch anders. "Jedes EOG-Mitglied und jeder Aussteller entscheidet für sich, wo er ausstellen will", sagt Projektleiter Stefan Reisinger knapp. Wer 2019 bei welcher Messe bucht, werde sich zeigen.

Warum Friedrichshafen das Rennen um die zehnjährige Messelizenz der EOG an München verloren hat, kann sich Klaus Wellmann nicht schlüssig erklären. "Wir haben alles gegeben, was wir können", sagt der Messechef. Mit 200 000 Quadratmetern Messefläche in München könne Friedrichshafen freilich nicht mithalten. München habe zudem die Karte Infrastruktur gespielt. Objektiv sei dieser Vergleich aber auch nicht. Wer aus der Münchner Innenstadt zur Messe fahre, sei in der Stauhauptstadt Deutschlands auch eineinhalb Stunden unterwegs. Und vom Züricher Flughafen fahre halbstündlich ein Shuttle Aussteller kostenlos nach Friedrichshafen.

Das Selbstbewusstsein der Häfler Messemannschaft kommt nicht von ungefähr. Zum einen habe die Outdoor die gesamte Branche in den vergangenen 25 Jahren mit hochgezogen. Die langjährige Erfahrung werde die Messe bei der Ausarbeitung eines neuen Konzepts nutzen und sei dabei nun frei von Vorgaben der EOG. Zweitens finde die Outdoor in diesem Jahr noch in Friedrichshafen statt. Zur Jubiläumsveranstaltung werden rund 900 Aussteller aus über 40 Nationen erwartet. Die Messemannschaft will sie direkt befragen, was sie von einer neuen Outdoor am Bodensee halten und erwarten.

 

Projektleiter Stefan Reisinger: „Schütteln – und weiter geht’s“

Einen Tag nach der schlechten Nachricht schaut Outdoor-Projektleiter Stefan Reisinger schon wieder in die Zukunft.

Hat Sie das Abstimmungsergebnis überrascht?

Wir haben uns auch bei der zweiten Präsentation unseres Konzepts in München sehr gut verkauft und erhielten im Gespräch mit vielen Branchenvertretern eine sehr positive Resonanz. Insofern stellen sich bei diesem Ergebnis jetzt schon Fragen. Aber wir wollen keine schlechten Verlierer sein. Friedrichshafen gegen München, das ist schon ein Kampf David gegen Goliath. Wir haben uns viele Jahre erfolgreich behauptet. Nun hat die Messe München ein Spiel gegen uns gewonnen. Das Votum gegen uns ist enttäuschend. Jetzt heißt es schütteln und weiter geht’s.

Warum setzen Sie nun mit einer eigenen Outdoor ab 2019 dagegen?

Weil wir überzeugt sind, damit eine Chance zu haben. Bereits vor der Wahl haben wir schon ein starkes Feedback für unsere Vision einer künftigen Outdoormesse erhalten. Dazu zählen viele der 869 weiteren Aussteller, die wir bei der letzten Veranstaltung an Bord hatten und die in der Verbandserhebung der EOG nicht befragt wurden. Es herrscht die Überzeugung, dass unser Standort und unser Service in der Vergangenheit entscheidend zum Outdoor-Erfolg beitragen haben, Skepsis dagegen, ob sich solch ein Ergebnis einfach verpflanzen lässt. Somit werden wir der Branche auch weiterhin eine authentische und einzigartige Heimat am Bodensee bieten.

Nun beharrt die EOG darauf, dass ihre Entscheidung repräsentativ für die gesamte Outdoor-Branche sei. Was sagen Sie dazu?

Das müssen wir ganz klar negieren. Die EOG hat im Vorfeld zweifellos Marktbefragungen gemacht. Aber über das neue Konzept und den neuen Standort haben nur 90 der knapp 100 Mitglieder abgestimmt. Und von diesen hat gut die Hälfte nicht mehr auf Messen ausgestellt. Der Branchenverband versucht, seine Mitglieder zur Geschlossenheit aufzurufen. So wird Verbandspolitik gemacht. Aber es gibt keinen Fraktionszwang für die EOG-Mitglieder.

Steht das Konzept für die Outdoor 2019 schon?

Wir haben einen Plan B entwickelt, wettbewerbsbedingt werden wir die Karten aber noch nicht auf den Tisch legen. Außerdem ist es schwierig, bereits jetzt abzusehen, wie viele Aussteller dann dabei sind. Die 25. Outdoor in diesem Jahr in Friedrichshafen ist eine große Chance, alle Marktteilnehmer nochmals anzusprechen. Wir wollen uns auf jeden Fall geschickt als Wettbewerber positionieren.

Fragen: Katy Cuko

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