Nach Kurden-Protesten: Gegen-Kundgebung in der Innenstadt geplant
Bei der Demonstration am vergangenen Donnerstag waren rund 30 Polizisten im Einsatz. Zu Störungen und Provokationen kam es trotzdem.
Bei der Demonstration am vergangenen Donnerstag waren rund 30 Polizisten im Einsatz. Zu Störungen und Provokationen kam es trotzdem. | Bild: Mona Lippisch
Friedrichshafen
02.02.2018 18:09
Kurden haben in Friedrichshafen bereits zum vierten Mal gegen den Einmarsch der türkischen Armee in Syrien protestiert. Am Samstag soll es eine Gegen-Kundgebung von Türken in der Innenstadt geben. Die Polizei ist nach Auseinandersetzungen in den vergangenen Tagen vorbereitet.

Es war bereits die vierte Demonstration von hier lebenden Kurden binnen zweier Wochen, die in Friedrichshafen auf die Straße gingen. Am Donnerstag hatten sich auf dem Buchhornplatz rund 100 Anhänger versammelt, dieses Mal unterstützt von der Partei "Die Linke". Ihr Protest richtete sich erneut gegen den Einmarsch der türkischen Armee in kurdische Gebiete Syriens. Den weit entfernten Krieg haben die Menschen vom Mesopotanischen Kulturzentrum in Friedrichshafen, die Veranstalter der Demonstrationen sind, damit direkt vor die Haustüren der Häfler gebracht.

Der Konflikt wird auch hier ausgetragen. In der vergangenen Woche kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei einschreiten musste, damit es nicht zu Handgreiflichkeiten kommt. Ein Türke hatte einen mitgebrachten Lautsprecher aufgedreht und provozierte mit lauter Musik die Versammlung. Die Polizei orderte daraufhin Verstärkung an, konnte letztlich dafür sorgen, dass die Demonstration friedlich zu Ende geht.

Am vergangenen Donnerstag hatte das für Friedrichshafen zuständige Polizeipräsidium Konstanz gleich zusätzliche Kräfte mobilisiert und rund 30 Beamte in Schutzmontur nach Friedrichshafen geschickt. "Wir konnten nicht ausschließen, dass es wieder zu Störungen kommt", erklärt Markus Sauter. Provokationen von einzelnen türkischen Staatsangehörigen, die wohl eher zufällig vorbei kamen, habe es erneut gegeben, so der Polizeisprecher. Daraufhin hätten Teilnehmer der Demonstration versucht, die Störer zu verfolgen, was von Ordnern und Beamten unterbunden wurde, berichtet Sauter aus dem Einsatzprotokoll. "Wir haben vier Platzverweise ausgesprochen. Von Verletzten ist uns nichts bekannt", sagt er.

Genau das Gegenteil behauptet allerdings ein E-Mail-Schreiber, der noch am Donnerstagabend mitteilte, es habe erneut erhebliche Ausschreitungen bei der "Kurden-Demo" gegeben. Da ist von "aggressiven und mutmaßlich kurdischen Demonstrationsteilnehmern" die Rede, die "wohl türkische Jugendliche anzugreifen" versuchten. Sogar Rangeleien mit Verletzten soll es offenbar gekommen sein, behauptet er.

Nur Stimmungsmache? Als Reaktion auf die "Kurden-Demos" hätten Türken für Samstag eine Großkundgebung in der Häfler Innenstadt angemeldet, bei der bis zu 1000 Menschen erwartet würden, steht in der Mail. Das wiederum ist nahezu korrekt, wie die städtische Pressestelle auf Anfrage mitteilt. Es liege die Anmeldung einer Privatperson für eine Kundgebung ab 15 Uhr auf dem Adenauerplatz vor, allerdings mit zirka 200 bis 250 Teilnehmern.

Informationen über diese Kundgebung machten am Freitag vor allem über WhatsApp und Facebook die Runde. Die Absender dieser Nachrichten sehen die Kundgebung als Reaktion auf die "Kurden-Demos" der vergangenen Tage, bei denen ihren Angaben zufolge auch verbotene PKK-Fahnen gezeigt wurden. Bei der Gegendemo seien keine Flaggen politischer Parteien erlaubt, heißt es weiter. Lediglich türkische und deutsche Flaggen seien zulässig. Die Absender der Nachrichten fordern die Teilnehmer außerdem dazu auf, keine Waffen oder spitzen Gegenstände mit sich zu führen. Diese Informationen decken sich mit den Auflagen, die die Stadt im Vorfeld formuliert hat.

Ob nun 200 oder 1000 Teilnehmer: "Wir bereiten uns entsprechend darauf vor", sagt Markus Sauter. Derzeit rufen kurdische Organisationen landesweit zu Aktionen auf. Man müsse immer damit rechnen, dass es Störungen gebe. Die Polizei werde adäquat reagieren.

 

Geschäft mit dem Krieg

Der Einmarsch der Türken in kurdische Regionen Syriens geht auch die Menschen hierzulande an. Bei der MTU beispielsweise wurden die Motoren für Leopard 2-Panzer gebaut, die in Syrien zum Einsatz kommen.
Der Einmarsch der Türken in kurdische Regionen Syriens geht auch die Menschen hierzulande an. Bei der MTU beispielsweise wurden die Motoren für Leopard 2-Panzer gebaut, die in Syrien zum Einsatz kommen. Bild: Sandro Kipar

"Keine deutschen Panzer für Erdogans Kriege" stand auf einem Plakat (oben). Tatsache ist, dass die türkische Armee auch Panzer des Typs Leopard made in Deutschland bei ihrer Offensive im syrischen Kurdengebiet einsetzt. Die Motoren stammen von der MTU in Friedrichshafen. Gegen dieses Geschäft mit dem Krieg wendet sich die Initiative "Keine Waffen vom Bodensee", die am 15. Februar um 12 Uhr zu einer Protestversammlung aufgerufen hat – vor den Werkstoren der MTU am Maybachplatz in Friedrichshafen. Es spricht der Politik- und Sozialwissenschaftler Peter Grottian sowie Claudia Haydt von der Linken Bodenseekreis. Agnieszka Brugger, Vize-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, hat ihre Teilnahme laut ihres Wahlkreisbüros abgesagt. (kck)

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.