"Jugend musiziert"-Regionalwettbewerb: Festival der Talente in der Musikschule Friedrichshafen
Carla Welte mag vor allem die tiefen Töne ihrer Posaune.
Carla Welte mag vor allem die tiefen Töne ihrer Posaune. | Bild: Corinna Raupach
Friedrichshafen
04.02.2018 17:56
Mehr als 200 Teilnehmer stellten sich beim "Jugend-musiziert"-Regionalwettbewerb in der Musikschule Friedrichshafen den Juroren.

Carla Welte steht allein auf der Bühne und dreht ihre Kinderposaune auf dem Boden hin und her – ein bisschen nervös ist sie jetzt doch. Aber dann hebt sie die Posaune und bläst frisch und geradeheraus einen Choral von Mozart. Mit Temperament folgt eine Gavotte von Händel und dann ihr Lieblingsstück: "Hornpipe", bei dem sie richtig loslegen kann – Tempo liegt ihr. Dazu tänzelt sie locker hin und her. Die dunkle warme Seite ihres Instruments lässt sie in Barnes' "The Young Virtuoso" klingen. Acht Jahre ist Carla alt und nur etwas größer als ihre Posaune. Am Wettbewerb "Jugend musiziert" gefällt ihr, dass sie Klavierbegleitung bekommt. "Das hatte ich noch nie." Seit zweieinhalb Jahren hat sie Unterricht, macht schon beim Bläservororchester der Musikschule und in der Mausband vom "Guten Hirten" mit. "Ich habe mir die Posaune ausgesucht, weil sie so tiefe Töne macht", sagt sie.

Die Wertung Percussionensemble gehört zu den aufwändigsten: jedes Team braucht einen Kleinbus. Im Bild von links: Marlene Rall, Philemon Langhans, Mark-Christopher Aul und Max von Traitteur.
Die Wertung Percussionensemble gehört zu den aufwändigsten: jedes Team braucht einen Kleinbus. Im Bild von links: Marlene Rall, Philemon Langhans, Mark-Christopher Aul und Max von Traitteur. Bild: Corinna Raupach

Marlene Rall hat sich für Schlagzeug entschieden. "Das ist cool, weil so viele verschiedene Instrumente dazu gehören, auch Marimba und so", sagt die Elfjährige. Sie tritt mit vier anderen im Schlagzeugensemble an. "Das wollte ich immer schon machen", sagt Mitschüler Tobias Schürmann. Seit einem Jahr proben sie zusammen. "Am Anfang waren die Stücke schwer, aber jetzt können wir sie", sagt Max von Traitteur. Er steht bei "Cenas brasileiras" von Rosauro an der Surdo, einer großen brasilianischen Trommel. Während von Marimba und Xylofon Melodien sprühen und die Triangel zu Latino-Rhythmen tanzt, hält er alle zusammen. Auch in Pagels "Is there life on Mars" ist er der Anker seiner Crew. Dunkle Tonfolgen steigern die Spannung, das Schlagzeug heizt von hinten, bis wie aus einer anderen Welt die Röhrenglocken eintreten.

Wie aus einer anderen Welt bringt Tobias Schürmann die Röhrenglocken ins Spiel.
Wie aus einer anderen Welt bringt Tobias Schürmann die Röhrenglocken ins Spiel. Bild: Corinna Raupach

Mehr als 200 Schüler stellen sich am Wochenende den Juroren. Für Sabine Hermann-Wüster, Musikschulleiterin und Vorsitzende des Regionalausschusses, ist die steigende Zahl der Teilnehmer ein Indiz für gute musikalische Ausbildung in der Region. Ihr ist vor allem der pädagogische Aspekt wichtig. "Wenn ein Lehrer seinen Schüler anmeldet, heißt das auch, ich traue dir etwas zu", sagt sie.

Gleich dreimal tritt Vinzenz Wolpold an. Er bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung an Musikhochschulen vor. "Da habe ich die Stücke für Trompete sowieso geübt", sagt er. "Verena und Paul sind gute Freunde. Als die mich gefragt haben, ob ich sie begleite, habe ich das eben gemacht." 2017 hat er auf dem Klavier Verena Seyboldt mühelosen Sopran bis zum Bundeswettbewerb begleitet. Diesmal ergänzt und umspielt er auch Paul Frey, der mit jugendlich-frischem Bariton zum ersten Mal dabei ist. Wolpold lässt den Sängern stets den Vortritt, geht jede Nuance oder Tempoveränderung mit. Immer wieder blickt er von den Tasten hoch, um seine Einsätze auf ihren Atem zu legen. Aber eigentlich gehört sein Herz der Trompete. "Das ist nicht so einsam, da hat man mehr Möglichkeiten, mit anderen zusammenzuspielen", sagt er. Sein Solovorspiel beginnt er mit dem virtuosen "Morceau de Concert" von Pennequin, lässt die Trompete dann ein sanft fließendes Andante Cantabile von Haydn singen. In Arutjunjans Trompetenkonzert leuchten helle Fanfaren über grollendem Klavier. Mit schlackenlos klarem Ton beschwört, umgarnt und überzeugt die Trompete die Tasten, bis sie sich mitreißen lassen zum strahlenden Schluss. Auch Wolpold strahlt. "Geschafft", sagt er – und kann drei erste Preise mit nach Hause nehmen.

Vinzenz Wolpold spielt das Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan.
Vinzenz Wolpold spielt das Trompetenkonzert von Alexander Arutjunjan. Bild: Corinna Raupach

Auch für die anderen hat sich das Üben gelohnt: Die Schlagzeuger haben einen ersten Preis ertrommelt und dürfen beim Landeswettbewerb weitermachen. Carla Welte erhält einen ersten Preis. Das wird gefeiert. Zum Mittagessen kommt die Oma und es gibt ihr Lieblingsessen: Lasagne.

 

Wettbewerb und Preise

206 Teilnehmer im Alter von sechs bis 19 Jahren sind zum Regionalwettbewerb angetreten. 36 Häfler unter ihnen haben 23 erste und sechs zweite Preise errungen. Zum Landeswettbewerb weitergeleitet werden Tina Baus, Verena Seyboldt, Vinzenz Wolpold, Maja Knezevic, Justin Bauer-Chen, Samuel Kowal, Greta Hartleb, Alina Huber, Ana Grabovac, Marlene Rall, Philemon Langhans, Tobias Schürmann, Max von Traitteur, Mark-Christopher Aul und Felix Manz. 2018 waren bei "Jugend musiziert" Wertungen für Blas- und Zupfinstrumente, Musical, Orgel Klavier vierhändig, Klavier und Streichinstrument, Duo Kunstlied und Schlagzeugensemble ausgeschrieben. (cor)

 

"Man gibt einem Kind etwas mit fürs Leben"

Musikschulleiterin Sabine Hermann-Wüster erklärt im Kurzinterview, was zum Üben motivieren kann.

Warum empfehlen Sie Kindern und Jugendlichen, ein Instrument zu lernen?

Musizieren fördert und verknüpft kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten. Es regt verschiedene Gehirnregionen an: Motorik, Tast-, Sicht- und Hörsinn und Emotion bei der eigenen Interpretation. Beim gemeinsamen Muszieren kommt der soziale Aspekt zum Tragen. Außerdem bereitet es Freude, Musik zu machen, für sich selbst und für andere. Man gibt einem Kind etwas mit fürs Leben.

Wie findet man das richtige Instrument?

Wir bieten regelmäßig Tage der Offenen Tür an, da können sich Eltern und Kinder informieren und alles ausprobieren. Auch in der Zwischenzeit beraten wir gern. Gute Erfahrungen haben wir damit gemacht, Instrumente in der musikalischen Früherziehung oder in Schulprojekten vorzustellen.

Wie motivieren Sie Kinder zum Üben?

Das ist für jedes Kind verschieden. Manchmal hilft es, Zusatzanreize zu schaffen, sich einen Text ausdenken, der zu Rhythmus oder Melodie passt, zum Beispiel, oder eine zweite Stimme. Wenn der erste Schwung vorbei ist, ist es wichtig, Musiziererlebnisse zu bieten. Bei uns gibt es Ensembles, in die Schüler schon nach ein oder zwei Jahren Unterricht einsteigen können.

Sollten Kinder eine Unterrichtspause machen, wenn sie nicht mehr motiviert sind?

Besser ist es, zu schauen, warum die Motivation fehlt. Vielleicht muss der Unterricht attraktiver werden. Vielleicht ist es gerade in der Schule schwierig, dann kann man mit dem Instrument langsamer machen. Oft helfen Zielvereinbarungen. Wichtig ist auf jeden Fall der Rückhalt im Elternhaus, dass sich Eltern für das interessieren, was ihr Kind gerade lernt. Der Schüler sollte dranbleiben. (cor)

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