Akteure öffnen beim Kunst-Freitag ihre Türen
Klaus Maschanka lenkt in seinen Bildern die Aufmerksamkeit auf den Moment an sich und hat nichts gegen Irritationen.
Klaus Maschanka lenkt in seinen Bildern die Aufmerksamkeit auf den Moment an sich und hat nichts gegen Irritationen. | Bild: Corinna Raupach
In "Störung" von Klaus Maschanka irritieren Farbbalken und ein leeres Boot die Idylle.
In "Störung" von Klaus Maschanka irritieren Farbbalken und ein leeres Boot die Idylle.
Das Zeppelin-Museum öffent am Kunstfreitag auch seine aktuellen Ausstellungen wie "Max Ackermann: Der Motivsucher".
Das Zeppelin-Museum öffent am Kunstfreitag auch seine aktuellen Ausstellungen wie "Max Ackermann: Der Motivsucher". | Bild: Corinna Raupach
Die Ausstellung "Max Ackermann: der Motivsucher" zeigt den Weg des Künstlers vom Jugendstil-Jünger zur Abstraktion.
Die Ausstellung "Max Ackermann: der Motivsucher" zeigt den Weg des Künstlers vom Jugendstil-Jünger zur Abstraktion. | Bild: Corinna Raupach
Friedrichshafen
06.02.2018 13:12
Am Kunst-Freitag am 16. Februar sind von 19 bis 24 Uhr sind die Stationen Zeppelin Museum, Medienhaus am See, Galerie Bernd Lutze, Kunstverein Friedrichshafen, Kiesel, Turmatelier der ZF-Kunststiftung, Zeppelin-Universität und Plattform 3/3 geöffnet.

Ein flüchtiger Blick aus dem Zugfenster, die Sicht aus einer regennassen Scheibe auf die Straße, ein Eindruck im Vorbeigehen – viele Bilder von Klaus Maschanka haben etwas Flüchtiges. Sie halten fest, was im Alltag vorbeifliegt und geben so jedem Moment seine eigene Bedeutung. Gerade kleine Begebenheiten interessieren ihn, die Spiegelung einer Lampe im Wasser, wartende Autos in einem Nebel aus Licht und Abgas. "Streifzüge – von der Essenz des Augenblicks" heißt seine Ausstellung, die am Kunstfreitag in der "Plattform 3/3" eröffnet wird. Maschanka arbeitet als Maler und Designer in Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis.

Streifzüge – das meint er wörtlich. Streifen und Linien spielen im Vorder- oder Hintergrund eine große Rolle in seinen Bildern. "Die Horizontale ist für mich ein Sinnbild für die Schnellebigkeit unserer Gesellschaft. Fast alle Bewegung vollzieht sich in der Ebene", erklärt Klaus Maschanka, als er seine Bilder für die Vernissage aufhängt. "Die Flut von Bildern in der heutigen Welt ist enorm, die kann keiner verarbeiten", sagt er. Gerade deshalb lenkt er die Aufmerksamkeit auf den Moment an sich. Dieser Augenblick, um dessen besondere Kostbarkeit es geht, ist so schnell vorbei, wie er gekommen ist. Im Bild ist er festgehalten – ein Widerspruch in sich. "Außerdem dauert es viele Augenblicke, bis das Bild fertig ist", ergänzt Maschanka. Gerade das aber spornt ihn an, jeden neuen Augenblick auch im eigenen Alltag wichtig zu nehmen.

Schon die Impressionisten um Claude Monet und Camille Pissaro huldigten der Idee, den Augenblick auf die Leinwand zu bannen. Sie wollten keine Abbildung der Realität wie auf einem Foto, sondern die Wiedergabe von Sinneseindrücken und Empfindungen. Auch sie spielten mit Licht und Reflexionen, auch sie reagierten auf gesellschaftliche und technische Veränderungen ihrer Zeit. Doch was im 19. Jahrhundert lichtdurchflutet und zukunftsfroh leuchtet, gerät Maschanka dunkler. Sein Nachsinnen gilt einer Welt, der dieser grundsätzliche Optimismus fehlt: Fußgänger hasten vor Autos über die Straße, denen die Ungeduld anzusehen ist. Ein Fahrzeug löst sich auf in Geschwindigkeit, während ein Straßenschild im Anschnitt warnt, nicht die Richtung zu verlieren. Verloren und menschenleer schickt eine Landschaft aus Kraftwerken und Kühltürmen graurosa Rauchschwaden in die Wolken.

Manchmal ergeben sich Abstraktionen. Die Linien bekommen ein Bild ganz für sich oder eine Bewegung verselbstständigt sich. Andere Bilder distanzieren sich auf ihre Weise. "Es gibt mehrere Bildebenen, die auch Irritationen hervorrufen dürfen", sagt Maschanka. So steht in "Warten 2" eine naturgetreu gemalte Menschenmenge wie hineingeschnitten in einem surrealen Raum aus Streifen. Regen fließt herab, die Tropfen mitten in der Bewegung erstarrt. "Störung" zeigt eine scheinbar idyllische Szene: vor einem gelben Zelt am Ufer brennt ein Lagerfeuer, der Fluss zieht ruhig vorüber, Bäume und Sträucher säumen seinen Rand. Aber quer durch das Bild läuft ein Farbstreifen. Er erinnert an das alte Fernseh-Testbild und zeigt plakativ die im Bild verwendeten Farben. Und mitten im Fluss schwimmt ein leeres Ruderboot, die Paddel treiben daneben.

Die Ausstellung von Klaus Maschanka in der Galerie "Plattform 3/3" im Kulturhaus Caserne, Fallenbrunnen 17, ist bis 4. März freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen.

Programm, Stationen und Vernissagen

  • Kunst-Freitag: Der Kunst-Freitag am 16. Februar wird um 18 Uhr im Zeppelin Museum eröffnet. Von 19 bis 24 Uhr sind die Stationen Zeppelin Museum, Medienhaus am See, Galerie Bernd Lutze, Kunstverein Friedrichshafen, Kiesel, Turmatelier der ZF-Kunststiftung, Zeppelin-Universität und Plattform 3/3 geöffnet. Alle 45 Minuten fährt der Kunst-Bus vom Hafenbahnhof Platz sieben aus eine Runde. Im Bus ist die Vorarlberger Performance-Künstlerin Maria Anwander unterwegs. Der Eintritt ist frei. Informationen unter www.artfn.de, Flyer mit Kunst-Bus-Fahrplan: www.friedrichshafen.de/kunstfreitag
  • Programm: Am 33. Kunst-Freitag am 16. Februar öffnen Häfler Kunst-Akteure von 19 bis 24 Uhr ihre Türen. Auf die Begrüßung durch Bürgermeister Andreas Köster im Zeppelin Museum folgt eine Performance des Kunstprojekt BBB_ von Alla Poppersoni und Alexander Rahm. Mit Videos, Musik und teils lyrischen Texten fragen sie nach Identitäten in einer Welt von globalen Mächten, Big Data und intelligenten Technologien. Das Museum öffnet auch die aktuellen Ausstellungen. Um 19, 20 und 21 Uhr werden Führungen durch "Schöne neue Welten" und "Max Ackermann: Der Motivsucher" angeboten. Im Virtual-Reality-Lab sind ein virtueller Zeppelin-Rundflug oder virtuelles Malen und Zeichnen möglich. Ab 21 Uhr lädt der JazzPort Friedrichshafen zur JazzNight mit dem Jürgen-Hagenlocher-Quartett. Im Turmatelier der ZF-Kunststiftung ermöglicht Stipendiatin Nina Rike Springer einen Blick ins Atelier. Für die Installation "Porträt einer geraden Linie" von Anna Wohlgemuth bietet der Kunstverein Friedrichshafen um 19.30 Uhr einen Ausstellungsrundgang und um 22.30 Uhr eine szenische Lesung mit Fiona Schreiber an. Im Kiesel läuft ab 20 Uhr den Film "Human Flow" von Ai Weiwei. Bis 22 Uhr präsentiert die Artothek des Medienhauses zeitgenössische Original-Kunstwerke, die Kunden ausleihen können, Führungen sind um 19, 20 und 21 Uhr. Die Galerie Bernd Lutze zeigt Druckgrafiken, Auflagenbilder und Fotoeditionen von Gerhard Richter.
  • Vernissagen: Um 20.15 Uhr wird Klaus Maschankas Ausstellung in der Plattform 3/3 eröffnet, die Laudatio hält Erwin Niederer. Ebenfalls im Fallenbrunnen eröffnet die Zeppelin-Universität die Ausstellung "Archeology of the Present – Memory, Media, Matter" des Kollektivs "Forensic Architecture" mit Führungen um 20 und 22 Uhr.
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