Der große Traum von Olympia
Timo Benitz freut sich über seinen Sieg bei den Deutschen Meisterschaften über 1500 Meter im Jahr 2014 in Ulm. Der Volkertshausener hat gute Chancen, sich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren. Nur an der Finanzierung hapert es noch.
Timo Benitz freut sich über seinen Sieg bei den Deutschen Meisterschaften über 1500 Meter im Jahr 2014 in Ulm. Der Volkertshausener hat gute Chancen, sich für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren. Nur an der Finanzierung hapert es noch. | Bild: Günter Kram
Wirtschaft
21.08.2015 01:45
Leichtathlet Timo Benitz will nach Rio de Janeiro. Sportler sucht nach privaten Geldgebern.

Als Fußballer muss man kein Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic sein, um von seinem Beruf leben zu können. Selbst Kicker in der dritten deutschen Liga kommen mit ihrem Gehalt gut über die Runden und können sich ganz auf ihren Sport konzentrieren, ohne einen Zweitjob ausüben zu müssen. In der Leichtathletik haben dagegen selbst Top-Sportler Probleme, ihre Karriere finanzieren.

Die französische Zeitung „Le Monde“ sprach neulich sogar vom „olympischen Proletariat“. „Der einzige deutsche Leichtathlet, der nur vom Sport leben kann, ist derzeit wohl Diskuswerfer Robert Harting“, erklärt Timo Benitz. Der 23-Jährige aus Volkertshausen weiß, wovon er spricht. Er gewann 2014 die deutsche Meisterschaft über 1500 Meter und hat gute Chancen, sich für die Olympischen Spiele im August 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren.

Doch fast noch mehr als das Unterbieten der Zeitnorm bereitet ihm die Finanzierung Kopfschmerzen. Die Trainingslager, die professionelle Behandlung von Verletzungen und das Reisen – all das kostet Geld. Geld, das Timo Benitz als Student der Luft- und Raumfahrttechnik nicht hat. „Ich möchte mich nicht für den Sport verschulden“, sagt er. Gewinne möchte er auch nicht machen. Am Ende soll einfach nur eine schwarze Null stehen. Staatliche Unterstützung bekommt Timo Benitz kaum. Das sei während des Systemwettbewerbs zwischen der Bundesrepublik und der DDR in den 70er- und 80er-Jahren anders gewesen, denn beide Länder wollten aus ideologischen Gründen bei den Olympischen Spielen möglichst weit oben im Medaillenspiegel landen.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Und sich als Sportsoldat zu verpflichten, wie es viele deutsche Spitzensportler tun, kam für ihn nie infrage.

Deshalb hat sich Timo Benitz zusammen mit seinem Freund Tom Bork, der an der Dualen Hochschule in Villingen-Schweningen Betriebswirtschaftslehre studiert, nach privaten Sponsoren umgeschaut. Zumindest einige Teilerfolge konnten die beiden mit ihrem Projekt „T2B Sporting“, das die Finanzierung von Rio gewähleisten soll, feiern. Der Sportausrüster Puma stellt Timo Benitz immerhin die Ausrüstung zur Verfügung. Vier weitere regionale Unternehmen (Aesculap aus Tuttlingen, Sachs Engineering aus Engen, Randegger aus Gottmadingen und das Fotogeschäft Lichtblick aus Konstanz) unterstützen Timo Benitz als Sponsoren. „Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Sponsoren, seien es Firmen oder Privatleute“, sagt Tom Bork. Als Gegenleistung liefert T2B Sporting zum Beispiel T-Shirts, Mützen, Tassen oder Autogrammkarten von Timo Benitz.

Etwa 500 Euro monatlich bekommt Timo Benitz derzeit insgesamt von seinen privaten Sponsoren. „Das Geld von der Stiftung Deutsche Sporthilfe hinzugerechnet, stehe ich jetzt ganz gut da, aber ohne die Stütze von beiden wäre es hart“, sagt Timo Benitz. Zumindest ein Minimalbudget von 650 Euro monatlich für seinen Lebensunterhalt als Student hat er so zusammen.

Im Moment muss Timo Benitz wegen einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung pausieren. Aber spätestens im September will er das Training wieder aufnehmen, um im nächsten Jahr in Top-Form zu sein. Die Verletzung ist nicht nur körperlich und mental belastend, sie kratzt auch an seinen Finanzen. „Ich kann derzeit nicht an Wettkämpfen teilnehmen und deshalb keine Preisgelder verdienen“, sagt er. Zudem sei es schwierig, Sponsoren zu finden, wenn man keine aktuellen Erfolge vorweisen könne. Auch die Behandlung seiner Verletzung koste Geld, da die Krankenkasse nur einen Teil der Kosten übernehme.

Obwohl erst 23 Jahre alt, denkt Timo Benitz – auch wegen seiner Verletzungsanfälligkeit – heute schon über die Zeit nach seiner sportlichen Karriere nach. „Ich möchte nach Abschluss meines Studiums als Ingenieur arbeiten“, sagt er. Denn anders als ein Fußball-Profi kann er sich nach seinem Karriere-Ende nicht mit einem Millionen-Vermögen zurücklehnen und die Dinge auf sich zukommen lassen.

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