Nach Tesla-Unfall in der Schweiz: Was wir über den tödlichen Vorfall bisher wissen
Nachdem ein Tesla auf einer Autobahn im schweizerischen Tessin unmittelbar vor einer Baustelle gegen eine Leitplanke geprallt ist, überschlägt er sich und geht in Flammen auf. Der Fahrer des Wagens kann nicht mehr gerettet werden.<em></em>
Nachdem ein Tesla auf einer Autobahn im schweizerischen Tessin unmittelbar vor einer Baustelle gegen eine Leitplanke geprallt ist, überschlägt er sich und geht in Flammen auf. Der Fahrer des Wagens kann nicht mehr gerettet werden. | Bild: 20minuten
Bellinzona/Tettnang
15.05.2018 18:33
Ein Tesla-Elektrowagen brennt auf der Autobahn im Tessin aus. Der 48-jähriger Fahrer stammte offenbar aus Tettnang. Ob der Wagen wegen der Batterie Feuer fing, ist noch nicht geklärt. Lesen Sie hier alle Hintergründe.

Ein Tesla fährt offenbar mit erhöhter Geschwindigkeit nördlich des Monto-Ceneri-Tunnels im schweizerischen Kanton Tessin über die Autobahn. Kurz vor einer Baustelle kollidiert das Elektrofahrzeug mit der Leitplanke, der Wagen überschlägt sich und fängt Feuer. Der Insasse kann nicht gerettet werden – er stirbt in dem Wagen – ob er bereits tot war, als das Elektroauto in Flammen aufging, ist nicht bekannt.



Bei dem Fahrer, einem 48-jährigen Baden-Württemberger, soll es sich nach Medienberichten um den Geschäftsführer eines Tettnanger Möbelunternehmens handeln, der sich auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise aus Mailand befunden haben soll. Auf Nachfrage des SÜDKURIER wollte das Unternehmen sich dazu aber nicht äußern.

Erst am Dienstag machte die zuständige Feuerwehr der Dienststelle Bellinzona ihren Unfalleinsatz auf ihrer Facebook-Seite publik – und stieß mit dem Eintrag eine hitzige Debatte an. Denn darin verwies die Feuerwehr auf die mögliche Brandursache: Das sogenannte thermische Durchgehen („thermal runaway“) könne das Feuer entzündet haben.

Hinter dem technischen Begriff verbirgt sich eine verhängnisvolle Kettenreaktion. Eine Batterie besteht aus mehreren Einzelzellen, die sehr dicht gepackt aneinander liegen: „Wenn eine Zelle durch technischen Defekt heiß wird, heizt sie die umliegenden Zellen auf“, erklärt Dekra-Experte Markus Egelhaaf im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Einmal angestoßen, verselbstständigt sich dieser Prozess. Die umliegenden Zellen werden mitaufgeheizt und beginnen zu brennen. Zu einer Explosion kann es nach Auffassung Egelhaafs aber nicht kommen.

Den Verweis auf die Elektrobatterie des Wagens löschte die Feuerwehr wenige Stunden später. „Durch die Anwendung der Richtlinien des Herstellers für Notsituationen (online verfügbar) konnte das Feuer wirksam und sicher gelöscht werden“, hieß es stattdessen in dem revidierten Facebook-Eintrag. Auf Anfrage des SÜDKURIER wollte die Feuerwehr sich weder zu dem Unfallhergang noch zu ihrem Einsatz äußern. Die örtliche Polizei meldete, der Fahrer habe „aus noch ungeklärter Ursache, die Gegenstand der Ermittlungen sind“, die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren.

 

 

Demnach krachte der Wagen gegen die Leitplanke, überschlug sich und fing Feuer. Ob zum Zeitpunkt des Unfalls der Autopilot des Tesla eingeschaltet war, sagte die Behörde nicht. Autohersteller Tesla gab sich „tief betrübt über den Unfall“, wie eine Sprecherin dieser Zeitung mitteilte. Das Unternehmen arbeite daran, „alle Fakten zu diesem Fall zusammenzutragen“ und kooperiere mit den örtlichen Behörden.

Der aktuelle Tesla – ein Model 3. Unternehmenschef Elon Musk fährt ihn.
Der aktuelle Tesla – ein Model 3. Unternehmenschef Elon Musk fährt ihn. Bild: dpa

Erst in der vergangenen Woche war der US-Autohersteller Tesla in die Schlagzeilen geraten, nachdem im Bundesstaat Florida bei einem Unfall ein Elektrofahrzeug der Marke in Flammen aufging und zwei Menschen ums Leben kamen. Der 2014 Tesla S (ab 71 000 Euro) kam nach einem Bericht der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB von der Straße ab und prallte gegen eine Betonwand, wo der Wagen Feuer fing. Die Behörde hat Ermittlungen aufgenommen, in deren Fokus „der Batteriebrand des Fahrzeugs und die Reaktion der Feuerwehr“ untersucht werde. Derzeit gehen die Ermittler aber nicht davon aus, dass der Autopilot eingeschaltet war.

Bereits im März war ein Mann in Kalifornien ums Leben gekommen, nachdem sein Tesla mit einer Leitplanke kollidierte und in Flammen aufging. In diesem Fall war der Autopilot des Fahrzeugs eingeschaltet, der Fahrer hatte US-Medienberichten zufolge die Hände mehrere Sekunden nicht am Steuer. Auch in diesem Fall ermittelt die US-Verkehrssicherheitsbehörde. Der Autohersteller selbst reagierte damals mit der Erklärung, dass „der Autopilot nicht alle Unfälle verhindert, ein solcher Standard wäre unmöglich“. Aber er mache Unfälle „sehr viel weniger wahrscheinlich“.

Was tun, wenn der E-Motor brennt?

Dekra-Experte Markus Egelhaaf erklärt, warum Lithium-Ionen-Batterien so leicht brennbar sind und weshalb man sie nur schwer löschen kann.

Dekra-Experte Markus Egelhaaf.
Dekra-Experte Markus Egelhaaf. Bild: Dekra

Sind Lithium-Ionen-Batterien gefährlicher als andere?

Es kommt darauf an, welcher Elektrolyt verwendet wird und welche Leistungsdichte und Zellchemie die Batterien besitzen. Pauschal gefährlicher sind sie nicht.

Brennen Lithium-Batterien stärker oder heißer als ein Benzintank?

Wenn Benzin austritt, läuft es überall hin und birgt zudem Explosionsgefahr. Bei einer Batterie können nur minimale Mengen austreten, die Explosionsgefahr besteht bei Fahrzeugbatterien nicht. Beim Batteriebrand entstehen Temperaturen von bis zu 1200 Grad, beim Benzin etwa 800 Grad.

Wie lassen sich Fahrzeugbatterien am schnellsten und sichersten löschen?

An die Batterien kommt man von außen nicht ran. In der Zelle sind Sauerstoff und brennbarer Stoff enthalten. Deshalb lässt sich ein Batteriebrand nicht ersticken. Den „thermal runaway“ kann man nur mit massiver Kühlung unterbinden. Da ist das einfachste Löschmittel nach wie vor Wasser.

Fragen: Mirjam Moll

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