Überlebende des Familiendramas mit drei Toten in Villingendorf: „Er ist ein Teufel“
Blumen, Kerzen und Kuscheltiere liegen vor einem Haus in Villingendorf.
Blumen, Kerzen und Kuscheltiere liegen vor einem Haus in Villingendorf. | Bild: Sebastian Gollnow/Archiv
Rottweil
15.05.2018 18:01
An einem Sommertag erschießt ein Mann drei Menschen, darunter sein eigenes Kind. Die Mutter überlebt als einzige Augenzeugin. Im Prozess tritt sie dem Mann, der ihr Leben zerstörte, gegenüber.

Die Überlebende des Familiendramas in Villingendorf (Kreis Rottweil) mit drei Toten hat im Mordprozess gegen ihren ehemaligen Partner ausgesagt. „Wir haben die Worte und alles Mögliche verloren in dieser Sekunde“, sagte die 31-Jährige über den Moment, in dem die ersten tödlichen Schüsse auf der Terrasse ihrer Wohnung fielen. Es sei ganz still gewesen. Der Angeklagte sei zuvor für alle überraschend um die Hausecke gebogen. „In dem Moment, wo er "Schönen Abend" gesagt hat, hat er schon geschossen“, sagte sie vor Gericht. „Es war sekundenschnell.“

Der 41 Jahre alte Angeklagte soll im September 2017 nach der Trennung von ihr den gemeinsamen Sohn erschossen haben, ebenso ihren neuen Partner und dessen Cousine. Obwohl die 31-Jährige in den Monaten zuvor versucht hatte, sich vor dem Mann zu verstecken, hatte er sie in Villingendorf (Kreis Rottweil) aufgespürt. Laut Anklage beging er die Tat, um ihr schweres Leid zuzufügen. Sie konnte flüchten.

Der Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen

Obwohl sie die Tat relativ sachlich geschildert hat, ließ sie durchblicken, dass es in ihr anders aussieht. „Er ist ein Teufel“, sagte sie zum Schluss über den Angeklagten. Der schweigt bislang zu den Vorwürfen. Seine Verteidiger beantragten am Dienstag, eine weitere psychiatrische Untersuchung bei dem Angeklagten zu machen, die zeigen soll, ob seine sogenannte Steuerungsfähigkeit bei der Tat vermindert war.

Ein psychiatrischer Gutachter wird die Frage zum Ende des Prozesses, der bislang bis zum  26. Juni terminiert ist, beantworten müssen. „Der Fall wird vom Gutachter entschieden“, sagte Verteidiger Bernhard Mussgnug dazu. Am Tatablauf gebe es auch aus Sicht der Verteidigung keine Zweifel.

Todesdrohungen und Tötungsfantasien hatte der Angeklagte wohl auch schon gegenüber der Frau geäußert, mit der er von 2002 bis 2011 verheiratet war. „Er hatte diese verrückten Fantasien im Kopf, Leute umzubringen, fertigzumachen“, sagte die Ex-Ehefrau aus der von 2002 bis 2011 dauernden Ehe am Dienstag als Zeugin im Gerichtssaal. Die Aggression habe sich auch gegen sie gerichtet: Er habe sie geschlagen, sie zu einem Sprung vom Balkon zwingen wollen. Nach neun Jahren Ehe - „das war echt die Hölle“ - habe sie sich in ein Frauenhaus geflüchtet.

Daraufhin habe der Angeklagte ihr und den Kindern in verschiedenen grausamen Versionen mit dem Tod gedroht. „Ich habe ihn ernst genommen, er ist einer, der so was machen kann.“

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