Die Kirchengemeinde Kadelburg führt ein Lutherfestspiel zum 400. Jahrestag der Reformation auf
Kreis Waldshut
07.12.2017 16:00
Mitten im Ersten Weltkrieg 1917 führt die kleine evangelische Kirchengemeinde Kadelburg ein großes Laienspiel zum reformationejubiläum auf.

Mit dem staatlichen Festakt mit Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend des 31. Oktober 2017 in der Lutherstadt Wittenberg endete das 500. Jubiläum der Reformation. Auch die Gottesdienste in den evangelischen Kirchen im Kreis Waldshut galten der Erinnerung an den Beginn der Reformation. Diese hatte die Aufspaltung der Kirche in verschiedene Konfessionen zur Folge und löste auch grundlegende Veränderungen in Kirche, Staat und Gesellschaft aus.

Vor 100 Jahren gedachten evangelische Christen im Kreis Waldshut der Reformation auch durch die Aufführung von Lutherfestspielen, und dies trotz des bereits im vierten Jahr tobenden Ersten Weltkriegs. Am 5. Dezember 1917 veröffentlichte der Alb-Bote einen Artikel über ein in Kadelburg aufgeführtes Festspiel, in dem es unter anderem hieß: „Die Feier des 400-jährigen Reformationsjubiläums fand hier einen würdigen und überaus eindrucksvollen Abschluss durch das Lutherfestspiel, welches am letzten Sonntagabend in der hiesigen evangelischen Kirche aufgeführt wurde. Man hatte, wie auch anderwärts, das Gotteshaus als Stätte der Aufführung gewählt, einmal um genügend Raum zu haben, und dann vor allem, um den gewaltigen religiösen Ernst des Inhalts recht zur Geltung kommen zu lassen. Dies gelang auch, wie der Eindruck auf die sehr zahlreichen von hier und auswärts herbeigekommenen Gemeindeglieder und sonstigen Zuhörer bezeugt, in vollem Maße. Bot doch auch die Kirche mit ihrem von eifrigen Händen gefertigten grünen Schmuck und der zur Bühne hergerichtete Altarraum ein feierliches Bild“, heißt es im Artikel vom 5. Dezember 1917.

Danach widmete sich der Verfasser dem Laienspiel: „Nun zog das Leben des großen Reformators in fünf Auftritten an uns vorüber; die Spielenden, junge wie alte, taten ihr Bestes, hatten sie doch ihre Rollen sorgsam und mit großem Eifer einstudiert, und so gelang es ihnen, uns das Schicksal Martin Luthers miterleben zu lassen, als ob wir dabei gestanden wären bei den Kurrendeschülern (Singschüler, die von Tür zu Tür zogen, Red.), die vor Frau Cottas Hause sangen (Ursula Cotta war die Frau des Bürgermeisters zu Eisenach, die den Schüler Luther von 1498 bis 1501 bei sich aufgenommen und gefördert hatte, Red.), als ob wir zu den Freunden Luthers gehört hätten, denen er beim Eintritt ins Kloster seine Seelenkämpfe offenbarte, als ob wir die munteren Leute belauscht hätten, die in Wittenberg oder in Worms so offenherzig für und wider den Reformator Partei nahmen. Bald in leichtem Gespräch, bald in ernsten wuchtigen Auftritten ging die Handlung weiter. Viel trugen zum Gelingen die prächtigen Kostüme bei, die teils selbstgefertigt, teils von einem Leipziger Verleihgeschäft bezogen waren. Ein besonders farbenprächtiges Bild bot der Wormser Reichstag 1521, Kaiser Karl V. mit den Fürsten und Ständen, vor ihm der Augustinermönch Luther, dargestellt vom Ortsgeistlichen Pfarrer Hummel, der der glänzenden Versammlung, keiner Gefahr achtend, in einem Augenblick ungeheurer Spannung klar und entschieden sein ,Ich widerrufe nicht’ entgegen schleudert. “ Nach dieser Szene mit der berühmten Antwort Luthers auf die Frage des Kaisers kommt der Artikel von 1917 allmählich zum Ende und beschreibt das letzte Bild „Luther im Kreis der Familie“, das den Reformator mit Ehefrau Katharina, den Kindern und Philipp Melanchthon zeigte, den Philosophen und Gefährten Luthers und treibende Kraft der kirchlichen Reformation.

„Umrahmt waren die einzelnen Auftritte von Liedern des Kirchenchors“, heißt es weiter, „von Gedichten, welche die Darstellungen passend ergänzten und von Orgelstücken, die Herr Gosteli (Lauffenmühle) in trefflicher Auswahl stimmungsvoll vortrug. Der Abend zeigte, was auch eine kleine Gemeinde leisten kann, selbst inmitten der Kriegszeit und drängender Arbeit, wenn alle mit Eifer und Begeisterung zusammenwirken. Sicher wird diese Feier allen Teilnehmern zeitlebens im Gedächtnis bleiben“, heißt es in dem Bericht weiter.

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