Reinhold Messner, der ängstliche Bergsteigerkönig
Reinhold Messner vor Schloss Juval, das er 1983 kaufte. Es ist sein Wohnsitz und gleichzeitig ein Museum.
Reinhold Messner vor Schloss Juval, das er 1983 kaufte. Es ist sein Wohnsitz und gleichzeitig ein Museum. | Bild: servus tv/André Zacher
Reinhold Messner mit Skiern und Lasten-schlitten in der Antarktis (1990).
Reinhold Messner mit Skiern und Lasten-schlitten in der Antarktis (1990). | Bild: dpa
Links: 2005 fand Reinhold Messner den Schuh seines Bruders Günther, der 1970 am Nanga Parbat starb.Rechts: Reinhold Messner (links) und Peter Habeler haben 1978 als erste Bergsteiger ohne Sauerstoffgerätden Mount Everest bezwungen.
Links: 2005 fand Reinhold Messner den Schuh seines Bruders Günther, der 1970 am Nanga Parbat starb.Rechts: Reinhold Messner (links) und Peter Habeler haben 1978 als erste Bergsteiger ohne Sauerstoffgerätden Mount Everest bezwungen. | Bild: AFP, dpa
Leute
17.09.2014 01:32
Reinhold Messner, Bergsteiger-Legende aus Südtirol, wird am Mittwoch 70 Jahre alt. Ein großes Ziel hat er noch: Er will den Yeti finden.

Viele 70-Jährige feiern ihren runden Geburtstag gediegen in einer Gastwirtschaft – Reinhold Messner will seinen Festtag heute im Schlafsack in den Bergen begehen. Mit Freunden will er ein Biwak aufschlagen und den freien Blick auf die Sterne genießen – der bis heute unerreichte Bergsteiger-König fühlt sich auch im zunehmend gesetzten Alter noch auf den Bergen am wohlsten.

Feiern darf der am 17. September 1944 geborene Messner vor allem, dass er überhaupt noch lebt. In einem Interview zählte er kürzlich auf, wie riskant er sein Leben gestaltet hat. Von seinen Kletterpartnern lebe nicht mal mehr die Hälfte, „sechs, sieben Leute, mit denen ich die großen Abenteuer angepackt habe“, habe er durch tödliche Unfälle verloren. Und von den weltweit 50 Spitzen-Bergsteigern seiner besten Zeit lebten vielleicht noch zehn: „Das ist hart, die Formel 1 ist nichts dagegen.“ Dass er alle Gefahren heil überstanden hat, führt Messner auf seine eigene Angst zurück. „Ohne Angst würde ich nicht mehr leben. Angst ist ja die andere Hälfte des Mutes, Angst und Mut sind ein unteilbares Ganzes“, so Messner.

Messner kam kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Brixen in Südtirol als zweites von neun Kindern zur Welt. Die Eltern nahmen ihn früh mit in die Berge, als Fünfjähriger bezwang er mit seinem Vater den ersten Dreitausender in den Dolomiten. Sein erster großer Kletterpartner wurde sein zwei Jahre jüngerer Bruder Günther – dieser steht aber auch für Reinhold Messners großes Lebensdrama. 1970 schafften die beiden die Erstbesteigung der Südwand des Nanga Parbat. Doch beim Abstieg stürzte Günther ab. Die Umstände seines Todes gelten bis heute als unklar. Messner suchte jahrelang nach der Leiche seines Bruders und fand sie 2005 schließlich. Doch seine damaligen Gefährten zweifeln seine Darstellung des Dramas bis heute an. Messner selbst sagt, „es war die größte bergsteigerische Leistung meines Lebens und gleichzeitig meine größte Niederlage“.

 

Mann der Rekorde

An seinem Streben nach immer neuen Höhen änderte die Tragödie aber nichts. Als erster Mensch bestieg Messner 1978 den Mount Everest ohne Sauerstoff. Und als bis heute einziger Mensch hat er alle 14 Achttausender ohne Sauerstoffgerät bezwungen, dieses bergsteigerische Meisterwerk gelang ihm von 1970 bis 1986. Außerdem durchquerte er als erster Mensch zusammen mit dem Abenteurer Arved Fuchs zu Fuß die Antarktis und durchwanderte auch die Wüste Gobi.Messner hat altersbedingt zwar die großen Abenteuer für beendet erklärt. „Das Reisen ist nicht mehr im Zentrum meines Lebens“, sagt er. Doch mit seinem 18-jährigen Sohn Gesar Simon geht er auf kleinere Expeditionen. Sein Sohn stammt aus der Beziehung mit der Textildesignerin Sabine Stehle, die Messner 2009 nach 25-jähriger „wilder Ehe“ heiratete. Das Paar hat zudem zwei Töchter, aus einer früheren Verbindung hat Messner eine weitere Tochter. Der Abenteurer lebt mit seiner Familie auf der Burg Juval im Südtiroler Vinschgau, betreibt einen Bauernhof zur Selbstversorgung. Für die Grünen saß er im Europaparlament; er hat eine Stiftung, die Bergvölker unterstützt.Demnächst eröffnet er sein sechstes Museum. Die Museen drehen sich zu einem großen Teil um ihn selbst – Kritiker werfen Messner eine gewisse Ich-Bezogenheit vor. Der 1990 gestorbene Luis Trenker sagte einmal über ihn: „Ein großartiger Bergsteiger, ein fabelhafter Techniker, intelligent, draufgängerisch, weiß, was er will, alle Hochachtung! Auf der anderen Seite: maßlose Eitelkeit, der Presse gegenüber zu viel Reklame, keine Ehrfurcht vor der Natur, glaubt nicht an den Herrgott – und das darf einem Bergsteiger nicht fehlen.“Doch wahrscheinlich bleiben die Museen ein Erfolg, wenn Messner sein nächster Coup gelingt: Er will sich nächstes Jahr noch einmal auf die Suche nach dem Yeti machen. Inzwischen sieht er sich durch britische Genetiker bestätigt, die meinen, das legendäre Wesen sei eine Kreuzung aus einem Eis- und einem Braunbären. Fehlt nur noch eine überzeugende Filmaufnahme – Messner dürfte alles dafür tun, um damit sein Lebenswerk abzurunden.
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