Der Schauspieler<sup></sup>Dominic Raacke ist bald wieder im Fernsehen zu sehen.<sup></sup><em>Bild: Uwe Anspach/dpa</em>
Dominic Raacke: „Jetzt kann ich richtig Gas geben“
Bild: Uwe Anspach
Berlin
19.04.2017 16:05
Als cooler Berliner „Tatort“-Kommissar avancierte er zum Publikumsliebling. Doch es sind vor allem die doppelbödigen Rollen, in denen Dominic Raacke überzeugt – wie im Dreiteiler „Honigfrauen“, der jetzt im ZDF zu sehen ist

„Honigfrauen“ ist trotz des ernstes Themas – der Teilung Deutschlands – nicht düster, sondern leicht erzählt. Wie sind Sie selber mit dem Ergebnis zufrieden?

Sehr. So muss gutes Fernsehen sein! Die Idee war, deutsch-deutsche Zeitgeschichte in Form eines Ost-West-Familiendramas zeitgemäß und gleichzeitig unterhaltsam zu erzählen. Und das ist tatsächlich gut gelungen, weil die Geschichte super funktioniert und weil das Setting so besonders ist. Wo hat man denn schon mal Stasi-Agenten in Badehose gesehen?

Um was geht es genau?

„Honigfrauen“ handelt von zwei ungleichen Schwestern: Obwohl beide zusammen in der DDR aufgewachsen sind und nun zum ersten Mal gemeinsam in die große weite Welt hinausgehen – an den Plattensee – sind sie selber so unterschiedlich wie Ost- und Westdeutschland. Doch trotz aller Unterschiede und Konflikte raufen sie sich immer wieder zusammen. So wie sich die Deutschen nach jahrzehntelanger Teilung ja auch wieder zusammengerauft haben.

Sie spielen den zwielichtigen Westler Erik, der 1986 am Balaton auf seine ostdeutsche Jugendliebe trifft. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Genau das: Eriks Ambivalenz. Bei ihm weiß man nie, was er will und wo er steht. Er weiß es selbst nicht genau. Er spürt, er hat einen großen Fehler begangen, als er seine Jugendliebe Kirsten schwanger in der DDR sitzen gelassen hat und in den Westen abgehauen ist. Und nun, 25 Jahre später, hat er das Bedürfnis, seine Tochter endlich einmal zu sehen. Auch das mag sehr egoistisch sein, aber Menschen sind nun mal nicht edel und gut, sondern oft eigennützig und unberechenbar.

Inwieweit konnten Sie sich mit Erik identifizieren?

Als ich mich dieser Rolle angenähert habe, dachte ich: Warum geht Erik das nicht viel offensiver an, warum offenbart er sich nicht früher? Also ich würde das nie so machen, dieses alberne Versteckspiel. Ich würde zu meiner Tochter hingehen und sagen: „Hallo, ich bin dein Vater.“ Aber genau das war für mich als Schauspieler die Herausforderung: Eine Figur zu spielen, die sich anders verhält als ich es tun würde.

Wie sind Ihre Erinnerungen an die DDR?

Ich war vor der Wende weder in der DDR noch in Ungarn. Ich bin ja in Hanau aufgewachsen und obwohl das gar nicht so weit von der damaligen deutsch-deutschen Grenze liegt, waren die Länder hinter dem Eisernen Vorhang in meiner damaligen Vorstellung ein dunkler trüber Teil dieser Welt, und die DDR für uns Kinder und Jugendliche ein anderer Planet, Lichtjahre entfernt.

Mittlerweile sind Sie Vater einer erwachsenen Tochter . . .

Ja. So schnell vergeht die Zeit. Meine Tochter ist in etwa so alt wie meine Filmtochter Catrin. Und das Witzige: Ich spiele in „Honigfrauen“ quasi den Vater von mir selbst. Denn 1986, wo der Film ja spielt, war ich so alt wie die Titelfiguren, also die zwei Schwestern. Für mich war der Film somit wie eine Reise in meine eigene Jugend – auch mit den Klamotten und den Liedern von damals. Das hat richtig Spaß gemacht. Und für die heutige Jugend ist es lustig zu sehen, wie wir „Alten“ in den Achtzigern gelebt haben. Dass es damals zum Beispiel noch Telefone mit einer Schnur gab (lacht).

Wie waren Sie früher als Vater – eher streng oder mehr der Kumpeltyp?

Streng war ich nicht, ich war eher der verspielte Vater. Wir haben wirklich viel miteinander gespielt, gelacht und tolle Sachen gemacht. Das Schöne am Elternsein ist ja auch, dass man einen Teil seiner eigenen Kindheit wiederholt. Wir sind oft rausgegangen, ich hab meiner Tochter viel vorgelesen und wir haben ganz viel gebastelt und gemalt. Ja, wir hatten immer unsere Malblöcke unter dem Arm. Die Freude am Zeichnen und Malen ist meiner Tochter übrigens bis heute geblieben.

Was wäre Ihre Traumrolle?

Momentan tun sich für mich viele interessante Rollen auf, und ehrlich gesagt finde ich gerade alles, was mir des Weges kommt, ziemlich spannend. Jetzt komme ich endlich in den Genuss, mal die andere Seite zu spielen. Ich hab ja 14 Jahre lang im Tatort den Guten gegeben und dabei oft gedacht – die andere Rolle da, die wäre toll. Ich war jahrelang der Gastgeber, jetzt bin ich mal der Gast. Und als solcher kann ich richtig Gas geben. Deshalb ist für mich zurzeit jede Rolle irgendwie eine Traumrolle. Auch weil ich gerade in einer guten Stimmung bin. Vielleicht hängt’s mit dem Alter zusammen, vielleicht sind’s die Sterne. Jedenfalls bin ich gerade sehr zufrieden.

Fragen: Claudia Pless

Zur Person

Dominic Raacke, Schauspieler und Drehbuchautor, wurde 1958 im hessischen Hanau geboren. Er stammt aus einer Künstlerfamilie. Bekannt wurde er vor allem durch seinen 14-jährigen Einsatz für den Berliner „Tatort“, wo er von 1999 bis 2014 als Hauptkommissar Till Ritter ermittelte. Auch als Autor ist Raacke erfolgreich. Zusammen mit Ralf Huettner schrieb er die Drehbücher der ZDF-Kultserie „Um die 30“ und der Polizei-Komödie „Die Musterknaben“. Dominic Raacke lebt in Berlin. Der Ost-West-Familien-Dreiteiler "Honigfrauen" ist am Sonntag 23.4., 30.4. und 7.5., jeweils um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen. (ple)

 

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