Tobias Wörle: Reifer Holzkopf mit Torhunger
Hohe Ziele: Schwenningens neuer Stürmer Tobias Wörle will in der kommenden Saison mindestens zehn Tore schießen. Bild: Klein
Hohe Ziele: Schwenningens neuer Stürmer Tobias Wörle will in der kommenden Saison mindestens zehn Tore schießen. Bild: Klein | Bild: Joachim Klein
Regionalsport Schwarzwald
10.08.2017 19:37
Neuzugänge der Schwenninger Wild Wings

Eishockey: Der Mann hat seine Vorlieben. Bergauf radeln zum Beispiel. Oder Kochsendungen schauen. Ersteres könnte man bei einem Eishockey-Profi noch vermuten, letzteres ist denn doch schon eher ungewöhnlich. „Ich esse leidenschaftlich gerne gut“, lüftet Tobias Wörle lachend das Geheimnis um seine Lieblings-TV-Sendungen. „Ich liebe sämtliche Kochsendungen. Ich finde es unheimlich interessant, aber es entspannt mich auch.“ Und wie siehst es mit den eigenen Kochkünsten aus? „Na ja, bei den Sendungen frage ich mich oft, warum ich das so nicht kann. Aber einen Eintopf oder so bringe ich mit dem Thermomix schon zusammen“, grinst der Neuzugang der Wild Wings. „Allerdings werde ich hinterher oft bestraft, weil es überhaupt nicht so schmeckt, wie ich es wollte.“ Dennoch wird er sich die nächsten Monate mit mehr oder weniger Begeisterung an den Herd stellen. Schließlich ist der Stürmer ohne seine Lebensgefährtin an den Neckarursprung gekommen. Freundin Julia, die in München einen sehr guten Job hat, wird aber, so oft es geht, in den Schwarzwald fahren.

In Schwenningen trifft Tobias Wörle auf etliche „alte“ Bekannte. Mit Simon Danner hat er gemeinsam in Frankfurt gespielt, Dustin Strahlmeier war in Straubing sein Wegbegleiter. „Und den Uli Maurer kenne ich eh schon ewig. Wir haben schon in der Jugend zusammen gespielt“, berichtet der gebürtige Füssener. Und mit eben jenem Uli Maurer wohnt er jetzt quasi wieder Tür an Tür. Weiteres Mitglied der täglichen Fahrgemeinschaft ist Marc El-Sayed. „Generell sind alle Neuzugänge super empfangen worden“, berichtet Tobias Wörle, „aber es war natürlich schön, mit dem Uli gleich eine Anlaufstation zu haben“.

Nach 13 Profijahren und dem sechsten Vereinswechsel innerhalb der Deutschen Eishockey Liga ist man sicherlich etwas entspannter. Und als zuletzt zweifacher Deutscher Meister mit Red Bull München vermutlich noch ein bisschen mehr. „Ich bin sicher reifer als in den Anfangsjahren, auch wenn ich in der Kabine wahrscheinlich immer noch der 19-jährige Holzkopf bin“, lacht der 33-Jährige. „Aber natürlich werden die beiden Meistertitel am Ende am meisten hängen bleiben, schließlich arbeitet man seine ganze Karriere darauf hin.“ Viel wichtiger ist dem Bayer aber, dass er an alle bisherigen Standorte gute Erinnerungen hat. Nicht unbedingt sportlich gesehen, zumindest, was die zwei Jahre in Straubing angeht. Dort passte es aus mehreren Gründen nicht, in Frankfurt, Kassel, Iserlohn und München dafür um so besser. „Ich habe überall gutes Eishockey gespielt und Freunde gewonnen, mit denen ich heute noch Kontakt habe“, sagt Wörle.

Den Grund für seinen Wechsel zu den Wild Wings erklärt der Linksschütze so: „Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es zu dem späten Zeitpunkt, als München mir mitgeteilt hatte, dass ich keinen Vertrag mehr erhalte, nicht mehr sehr viele Optionen gab. Aber die Gespräche mit Pat Cortina und Jürgen Rumrich haben mich mehr als überzeugt. Deshalb war es ganz schnell klar, dass es für mich hier passt.“ Dazu kommt die Möglichkeit, bei den Schwenningern mehr Verantwortung zu übernehmen und eine größere Rolle zu spielen als zuletzt in München.

Angesichts der Erfahrung aus 575 DEL-Spielen dürfte seine Position im Team eine gewichtige Rolle sein, auch wenn Tobias Wörle noch nicht konkret weiß, wie diese genau aussehen wird. „Der Trainer hat das noch nicht komplett festgelegt. Aber ich werde versuchen mein bestes Eishockey zu spielen, wo immer ich reingeworfen werde. Aber ich möchte auch den Jungen helfen, gerade dann, wenn es mal nicht so läuft“, sagt der Flügelstürmer.

Ein persönliches Ziel hat Wörle auch: 10 Tore sollen am Ende der Saison für ihn zu Buche stehen. Damit wäre er seinem 100. Treffer (derzeit 88) in der DEL ganz nah. „Es wird immer schwieriger, Tore zu schießen. Das Spiel wird immer defensiver. Es ist keine Selbstverständlichkeit mehr, dass mehr als ein Spieler in der Mannschaft mehr als 20 Tore macht“, analysiert der Mann mit der Rückennummer 16. Und weiter: „Deshalb ist die Anzahl der Tore ein besseres Indiz, dass man gut gespielt hat, als die Anzahl der Spiele. Der persönliche Erfolg ist zwar immer dem Mannschaftserfolg unterzuordnen, aber wichtig ist er eben auch.“

Dennoch steht für den Allgäuer erst mal die Defensive an erster Stelle, um eine erfolgreiche Saison für die Wild Wings zu realisieren. Wörle: „Wir haben eine sehr schnelle Mannschaft und müssen zunächst mal mit fünf Mann gut verteidigen. Dann gilt es schnell umzuschalten. Wenn wir dann das Tor finden und einigermaßen verletzungsfrei bleiben, können wir eine gute Rolle spielen.“

Tobias Wörle

Geboren am 1. August 1984 in Füssen. Nationalität: deutsch. Größe: 177 cm. Gewicht: 78 kg. Schießt: links. Befreundet mit Julia.

Bisherige Vereine: 2001 bis 2004 EV Füssen; 2004 bis 2005 ETC Crimmitschau; 2005 bis 2006 Kassel Huskies; 2006 bis 2010 Frankfurt Lions; 2010 bis 2013 Iserlohn Roosters; 2013 bis 2015 Straubing Tigers; 2015 bis 2017 Red Bull München.

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