FC 08 Villingens Trainer Jago Maric: "Wir müssen in jedem Spiel ans Limit gehen"
FC 08 Villingens Trainer Jago Maric ist im Friedengrund nicht nur auf dem Rasen ein viel beschäftigter Mann, sondern auch in seinem kleinen Büro. Bild: Feisst
FC 08 Villingens Trainer Jago Maric ist im Friedengrund nicht nur auf dem Rasen ein viel beschäftigter Mann, sondern auch in seinem kleinen Büro. Bild: Feisst | Bild: Werner Feisst
Regionalsport Schwarzwald
10.08.2017 19:27
Souveräner Meister der Fußball-Verbandsliga, ein starker Kader und durchweg erfolgreiche Vorbereitungsspiele: Der FC 08 Villingen geht mit breiter Brust in die Oberliga-Saison. Trainer Jago Maric (38) freut sich auf die Runde, wie er im SÜDKURIER-Interview betont.

Ihre Mannschaft hatte in letzter Zeit offensichtlich Spaß am Toreschießen. Am Mittwoch gab es ein 9:0 beim Pokalspiel in Furtwangen. Wie zuversichtlich sind Sie im Hinblick auf die Oberliga?

In Furtwangen haben wir es gut gemacht, sind ruhig geblieben und vor allem hat sich keiner verletzt. Ich werde diese Partie aber sicher nicht überbewerten.

Zuletzt gab es für den FC 08 einige Erfolgserlebnisse. Besteht da die Gefahr, dass man zu euphorisch in die Oberliga-Runde geht? In dieser Liga weht ein rauer Wind.

Erfolgserlebnisse sind immer positiv und wir haben auch gegen nominell schwächere Gegner Vollgas gegeben. Das ist sehr erfreulich. Aber wir wissen, wo wir stehen und dass wir in der Oberliga in jedem Spiel ans Limit gehen müssen, denn es gibt Teams, die stärker besetzt sind als wir.

Wie groß ist der Unterschied zwischen der Verbands- und Oberliga?

Sehr groß. Dazu kommt, dass ich die aktuelle Oberliga für noch stärker halte als in den letzten Jahren. Einige Teams haben kräftig aufgerüstet, sich mit Drittliga- und zahlreichen Regionalligaspielern verstärkt.

Wer ist Ihr Meisterschaftsfavorit?

Von der Qualität her müsste das Pforzheim sein. Doch da muss man abwarten, wie die zusammenfinden. Bissingen, den Bahlinger SC oder die TSG Balingen sehe ich auch weit vorne. Insgesamt gibt es sechs oder sieben Teams, die ich sehr stark einschätze, wobei ich nicht glaube, dass es eine Mannschaft gibt, die einen Durchmarsch macht und sich klar absetzt.

Ist der FC 08 bei diesen sechs oder sieben Teams dabei?

Nein, wir haben auch unsere Qualität, aber zu den Spitzenmannschaften fehlt uns schon noch etwas.

Was nehmen Sie aus der Vorbereitungsphase mit?

Die Erkenntnis, dass unsere Mannschaft ein eingeschworenes und gut eingespieltes Team ist. Aber klar ist: Ernst wird es erst jetzt. Ich bin gespannt, wie weit wir wirklich sind. Für mich sind die ersten zwei, drei Partien gewissermaßen noch Vorbereitungsspiele, in denen es freilich schon um viel geht.

Vorbereitungsgegner wie Denzlingen oder Bahlingen taten kund, diese FC 08-Mannschaft werde sich um den Abstieg keinerlei Sorgen machen müsssen, sondern in der ersten Hälfte der Oberliga landen.

Es ist schön zu hören, wenn die Gegner so positiv über uns reden. Das bringt uns aber noch keine Punkte. Unser klares Saisonziel steht fest: Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der FC 08 hat mit Pablo Gil und Cristian Giles zwei Spanier verpflichtet, die bereits mehrfach aufhorchen ließen. Wie weit sind sie – sportlich und von der sonstigen Eingewöhnung her?

Pablo und Cristian haben sich bei uns toll eingelebt. Das liegt auch daran, dass sie sehr offene, sympathische Zeitgenossen sind, die sich hier wohl fühlen. Pablo ist auf dem Platz schon ein echter Führungsspieler und gibt Kommandos, auch wenn er noch nicht so gut Deutsch kann. Beide werden uns definitiv weiterbringen.

Eigentlich haben Sie mit den langzeitverletzten Damian Kaminski und Manuel Stark quasi zwei weitere Neuzugänge.

Das sehe ich auch so. Damian ist schon beinahe wieder der Alte, hat auch am Mittwoch gegen Furtwangen toll gespielt und vier Tore erzielt. Er ist extrem wichtig für uns, gibt keinen Ball verloren und strahlt viel Gefahr aus. Ein toller Spieler. Bei Manuel dauert es noch ein bisschen, bis er bei 100 Prozent ist. Aber dass er große Qualität hat, zeigt sich schon in dieser Phase.

Das Einzige, was die Vorbereitung getrübt hat, war die Verletzung von Kapitän Benedikt Haibt.

Das ist wirklich schade. Sechs bis acht Wochen wird er uns vermutlich fehlen. Damit habe ich einen wichtigen Stammspieler weniger. Ich hoffe, er kommt bald zurück, denn wir brauchen ihn.

Wer ist in dieser Zeit Kapitän?

Da ändern wir nichts: Benni ist der Kapitän, Dragan Ovuka und Teyfik Ceylan seine Stellvertreter. Da Benni ausfällt und Dragan nicht die gesamte Vorbereitung mitgemacht hat und somit erst mal draußen bleibt, wird Teyfik bis auf Weiteres die Kapitänsbinde tragen.

Wird es auf der Torwartposition wieder ein Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen geben?

Nicht so wie in der vergangenen Saison. Es ist durchaus möglich, dass einer der beiden – Christian Mendes oder Mathias Demmer – mehr Spiele macht als der andere. Ich habe aber keine klare Nummer 1 und keinerlei Sorgen: Beide Torhüter haben absolutes Oberliga-Niveau.

Ist Ihr Team besser als in der Saison 2015/16, in der Villingen aus der Oberliga abstieg?

Ja. Wir sind eindeutig gefestigter und haben einen breiteren Kader. Außerdem ist die Unruhe, die es damals mit den Trainerwechseln gab, vorbei.

Welcher Spieler war der Gewinner während der Vorbereitung?

Die Mannschaft, denn sie ist zusammengewachsen und hat ihre gute Qualität gezeigt. Wenn ich einen einzelnen Spieler nennen müsste: Teyfik Ceylan hat sich sehr gut präsentiert, aber wir haben insgesamt einen starken Kader.

Wie sieht es mit den Routiniers Ali Günes und Mario Ketterer aus, wird man sie noch in Ihrem Team sehen?

Ali ist noch im Urlaub und wird uns wie bisher zur Verfügung stehen, wenn es passt. Er dürfte sicher nicht oft über 90 Minuten auflaufen, aber seine Geistesblitze sind ja bekannt, sodass er immer wieder mal bei Kurzeinsätzen präsent sein könnte. Was Mario betrifft, wird er primär der Leitwolf für unsere U23 sein und Trainer Marcel Yahyaijan unterstützen. Er will auch im Oberliga-Team aushelfen, wenn Not am Mann ist.

Bei Tobias Weißhaar ist es umgekehrt.

Ja, Tobi hat wieder richtig Lust am Fußball bekommen und ist voll dabei. Ich freue mich, dass wir so einen tollen Spieler fest im Team haben.

Wie heiß sind Sie auf die Saison?

Wirklich sehr. Und ich bin zuversichtlich, auch wenn sicherlich auch Niederlagen kommen werden. Es macht aber großen Spaß, diese Mannschaft zu trainieren, Ich kann den Auftakt am Samstag gegen Pforzheim kaum erwarten.

Fragen: Stefan Ummenhofer
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