Ein gefühlter Heimsieg für den SV Allensbach in fremder Halle
Gefeierter Punktgewinn: Die Spielerinnen des SV Allensbach freuen sich über ihre mit einem Remis belohnte Aufholjagd. <em>Bild: Peter Pisa</em>
Gefeierter Punktgewinn: Die Spielerinnen des SV Allensbach freuen sich über ihre mit einem Remis belohnte Aufholjagd. Bild: Peter Pisa | Bild: Peter Pisa
Handball
17.04.2017 19:15
Beim Superball in Konstanz erkämpfen sich die Handballerinnen des SV Allensbach ein 29:29 gegen den Ligazweiten Gröbenzell

Handball, 3. Liga Frauen

SV Allensbach - HCD Gröbenzell 29:29 (15:16)

Die Schänzlehalle ist so etwas wie das sportliche Wohnzimmer von Julia von Kampen. Die gebürtige Konstanzerin hat ihre ersten Handballschritte im Trikot der HSG gemacht, im vergangenen Sommer wechselte sie ins Drittligateam des SV Allensbach. Für die 17-Jährige ist die Partie gegen den HCD Gröbenzell im Rahmen des Superballs am Ostersamstag als eine der wenigen ein echtes Heimspiel. Und was für eines.

„Die Atmosphäre war schon besonders. Es war toll, vor einer solchen Kulisse spielen zu dürfen“, sagt sie nach dem 29:29 gegen den Tabellenzweiten. Im vergangenen Jahr hat sie die Partien vor vollen Rängen beim dritten Superball noch als Fan verfolgt. „Wenn mir da einer gesagt hätte, dass ich dieses Jahr selber mit dabei bin, hätte ich das nicht geglaubt“, fährt sie strahlend fort. Jetzt ist sie auf einmal mittendrin in diesem Krimi gegen das Team aus Bayern. Vor allem im zweiten Abschnitt hilft sie mit, sich diesen einen Punkt zu erkämpfen.

Mit Chiara Baur, dem anderen Küken im Team der Hühner, wechselt sich von Kampen ab. Baur darf von Beginn an ran und führt im Angriff Regie wie ein alter Hase und nicht wie eine 17 Jahre alte Schülerin, für die in zehn Tagen die Abiturprüfungen beginnen. 14 Sekunden vor dem Abpfiff setzt sie mit ihrem vierten Treffer sogar den Schlusspunkt hinter ein packendes Spiel.

„Geil“, sagt sie und lacht, auf die besonderen Rahmenbedingungen angesprochen. „Wir waren alle nervös, aber auch richtig motiviert“, erklärt Baur. Schon in der Vorwoche stand sie beim Auswärtssieg in Regensburg 50 Minuten lang auf dem Parkett. Dieses Spiel verfolgten 95 Zuschauer – jetzt sitzen mehr als zehnmal so viele Fans auf der Tribüne am Seerhein. „Das pusht einen schon. Es ist ja nicht alltäglich, vor so vielen Zuschauern zu spielen“, sagt die Nummer 13, die von ihrem Trainer Claus Ammann nach der Partie besonders lange gedrückt wird.

„Das war das beste Spiel, das wir zusammen gemacht haben“, sagt Ammann stolz, der die Nachwuchsspielerin immerhin seit der B-Jugend unter seinen Fittichen hat. Ammann lobt Baurs Spielübersicht, Tempo und Spielführung und leitet sofort auf die ganze Mannschaft über: „Man darf die Leistung vom Rest nicht schmälern.“ Chiara Baur sieht es ähnlich. „Alle haben gezeigt, was sie draufhaben“, sagt die 17-Jährige, die aus familiären Gründen noch mit der Verlängerung ihres Vertrags beim SV Allensbach zögert. „Bis auf zehn schwache Minuten haben wir uns richtig gut verkauft“, gibt ihr Trainer Claus Ammann zu – und meint den Beginn der zweiten Hälfte.

Im ersten Abschnitt liegen die Allensbacherinnen bei ihrem Heimspiel in der Fremde fast durchgehend in Führung, ehe nach dem 12:10 (21.) einige technische Fehler die Partie drehen und den Gästen eine 16:15-Pausenführung ermöglichen. Nach dem schnellen Ausgleich nach Wiederbeginn klappt nicht mehr viel bei den Gastgeberinnen. Zehn Angriffe verpuffen in neun Minuten – und aus dem 16:16 wird ein 20:24 (39.).Das Spiel scheint gelaufen. Wäre da nicht die große Motivation im Team.

„Die ganze Einstellung hat gestimmt. Dass wir bei vier Toren Rückstand nicht aufgegeben haben“, freut Trainer Ammann ganz besonders. Und Baur ergänzt: „Wir sind als Team zurückgekommen.“ Die Defensive um die im ersten Abschnitt angeschlagen geschonte Sarah Rothmund steht plötzlich wieder sicher. Und als die nun mehr als 1000 Zuschauer auf den Rängen sehen, wie die mit fünf Treffern erfolgreichste SVA-Schützin Svenja Hübner zwei wuchtige Tore zur 26:25-Führung erzwingt, tobt auch die Schänzle-Hölle wieder. „Wir haben mit Herzblut gekämpft“, sagt Ammann. In den spannenden Schlussminuten geht es hin und her. 28:26. Noch fünf Minuten. 28:29. Noch zwei Minuten. Dann sorgt Baur Sekunden vor dem Abpfiff mit dem 29:29 für das Happy Endchen.

Beim Superball 2016 waren die Allensbacherinnen nach der Punkteteilung gegen den Tabellenzehnten Regensburg noch am Boden, jetzt jubeln sie über das Remis gegen den Favoriten aus der Münchener Peripherie. „Diesen einen Punkt haben wir mindestens verdient, zwei wären auch nicht unverdient gewesen“, resümiert Claus Ammann, „wir können mit Stolz auf das blicken, was wir dieses Jahr geleistet haben.“ Während Gröbenzell noch auf den Aufstieg über die Relegation hofft, freut sich der Tabellenvierte aus Allensbach, für den nach oben und unten wohl nicht mehr viel gehen wird, schon auf die wohl verdiente Sommerpause. In den noch ausstehenden zwei Spielen werden die angeschlagenen Sarah Rothmund (Rücken) und Anna Mayer (Schulter) geschont, ließ Ammann schon durchblicken.

Nächste Woche gegen Pforzheim werden Steffi Neumann und Steffi Hotz verabschiedet, die ihre Karrieren beenden. Dann wieder in der Riesenberghalle, dem eigentlichen Wohnzimmer des SV Allensbach.

SV Allensbach: Wörner, Neumann, Lukau (Tor); Lizureck (1), Rothmund (3), Willauer (4), Müller (2), Bickel (2), Greinert (3/1), Hotz (5/2), Baur (4), von Kampen, Hübner (5). – Z: 1000.

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