Weshalb Wendelin Renn die Stadtverwaltung verlässt
Wendelin Renn
Wendelin Renn | Bild: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis
Villingen-Schwenningen
11.08.2017 23:14
Die Stelle des umstrittenen Galerie-Leiters und Kulturamt-Vizes wird aktuell neu besetzt. Es winkt ein hoch dotierter Posten.

Wendelin Renn hat es niemand leicht gemacht. Er stand für seine Haltung und für die Position der Kunst – wenn es sein musste, bis zur bitteren Erschöpfung. Und mit Wendelin Renn hatten es auch viele nicht leicht. Er konnte sich für seine Überzeugungen bockig allem und jedem in den Weg stellen und fintenreich seine Ziele ansteuern. Jetzt macht es der Galerieleiter des Oberzentrums allen ganz leicht. Ganz leise hat er den Sinkflug Richtung Ruhestand eingeleitet, seine Stelle und damit auch die Position des stellvertretenden Kulturamtsleiters wird neu besetzt.

Eine VS-Kunstszene ohne den Mann mit dem gezwirbelten Schnurrbart – das ist ein Meilenstein in der städtischen Kulturpolitik. Und: Das ist zunächst kaum vorstellbar. Renn ist mit seinem wehenden, beigen Trenchcoat, seinem enormen Wissen und seinem vibrierenden Szene-Überblick in halb Europa durchaus das, was man eine Bank nennen kann. Unverrückbar einerseits, oft auch wie einbetoniert andererseits, aber eben auch begeisterungsfähig und mit viel Tiefgang in vielerlei Hinsicht.

Die A-13-Stelle ist bereits ausgeschrieben, für die Auswahl will sich die Verwaltungsspitze Zeit lassen, um ein kreatives Schwergewicht mit Führungsqualitäten fürs Oberzentrum gewinnen zu können. Die Neubesetzung soll deshalb erst zum 1. Mai 2018 erfolgen, Bewerbungsschluss ist allerdings bereits in sechs Wochen.

Wendelin Renn hat die Galerie in Schwenningen als Spielwiese für Kunstpräsentationen der besonderen Art genutzt. Die von ihm kuratierten Schauen sorgten oft für überregionale Schlagzeilen, nicht immer ging die mediale Aufmerksamkeit mit großem Publikumsinteresse einher. Dass er sich in den Jahren seines VS-Wirkens heftigster Attacken im Gemeinderat ausgesetzt sah, dürfte seine Ruhestands-Gedanken nicht unerheblich beschleunigt haben. Wie es aus seinem Umfeld heißt, ist er mit der Kultur noch lange nicht fertig. Als Privatier will er weiterhin ein Szenegänger bleiben, offenbar außerhalb des Oberzentrums, wie es heißt.

Ihre Meinung ist uns wichtig
0 Kommentare