Jochen Link, Günter Reichert und Max Bammert (von links) laden zu einem Vortrag ein, wo es um kriminelle Machenschaften gegenüber Senioren geht und welche Möglichkeiten ältere Menschen haben, sich davor zu schützen. Bild: Claudia Hoffmann
Senioren können sich gegen Betrüger zur Wehr setzen
Bild: Claudia Hoffmann
Villingen-Schwenningen
10.04.2017 16:35
Weisser Ring und Spitalfonds laden zu Vortrag ein und wollen Aufklärungsarbeit leisten. Ältere Menschen sind zu hilfsbereit und gutgläubig. Mit Video!

Villingen-Schwenningen – Egal ob Enkeltrick oder der falsche Handwerker, der vorgibt, die Rauchmelder überprüfen zu wollen: Immer wieder haben Betrüger alte Menschen im Visier und versuchen, ihnen mit fiesen Tricks ihr Geld abzunehmen. Der Weisse Ring lädt jetzt mit dem Spitalfonds am 12. April um 14.30 Uhr zu einem Vortrag ein, in dem es um kriminelle Machenschaften gegenüber Senioren geht. "Wir wollen aufzeigen, was Senioren für Möglichkeiten haben, sich zu wehren", erklärt Jochen Link, Außenstellenleiter des Weissen Ring. Er sei erstaunt, wie viele Betroffene es hier in der Region gibt, sogar in Seniorenheimen. Günter Reichert, Spitalfonds-Geschäftsführer bestätigt, dass ein falscher Handwerker bei einer älteren Frau in einer Seniorenwohnanlage geklingelt habe und die Rauchmelder überprüfen wollte: "Danach war der Geldbeutel der Frau weg."

Wie Jochen Link erklärt, haben die Betrüger ein gutes Einfühlungsvermögen, sind kommunikativ und wiegen die Senioren so in Sicherheit. Da viele ältere Menschen alleine leben, nutzen die Gauner die Situation aus und überrumpeln ihre Opfer. Max Bammert, Präventionsbeauftragter des Weissen Ring, beschreibt die klare Zielsetzung des Vortrages: "Was haben die Senioren für Möglichkeiten, sich zu wehren gegen diese kriminellen Machenschaften." Grundsätzlich sei es so, dass Senioren oft gutgläubiger sind als jüngere Menschen und auch hilfsbereit. Die Gratwanderung besteht darin, den Senioren ihre Hilfsbereitschaft nicht auszureden, sie aber trotzdem zu einem gesunden Mißtrauen zu ermuntern.

Warum ältere Menschen trotz vielfacher Warnung immer wieder auf die selbe Betrugsmasche hereinfallen, weiß Max Bammert nicht: "Das ist mir auch ein Rätsel." Er berichtet von einem Fall, wo eine ältere Dame eine Mahnung über 300 Euro erhalten und diese bezahlt hat – auf ein bulgarisches Konto, obwohl sie noch nicht mal wusste, wegen was sie diese erhalten hat. Bei der zweiten Mahnung informierte sie dann ihren Mann und das Ehepaar schaltete den Weissen Ring ein. "Wir waren dort zu Beratungsgesprächen, haben sie aufgeklärt und ihnen gesagt, dass gar nichts passiert, wenn sie nicht bezahlen", berichtet Max Bammert. Später hat er mitbekommen, dass die Frau dann eine dritte Mahnung wieder überwiesen hat.

Die Tricks der Betrüger sind vielfältig: Am häufigsten wird der Enkeltrick angewendet, wo ein Anrufer vorgibt, der Enkel sei in einem Unfall verwickelt und man benötige schnell Geld, um ihm zu helfen. Beliebt ist auch der Trick mit dem Wasserglas: Eine Frau bittet um ein Glas Wasser und geht mit dem Opfer in die Küche. Ihr Komplize durchsucht die Wohnung und nimmt Wertgegenstände mit. Gern nutzen Betrüger auch den Respekt aus, den ältere Menschen meist vor Amtspersonen haben: "Wenn sich jemand als Polizist ausgibt, der die Wertsachen zur Sicherheit mitnehmen will, wird das nicht hinterfragt", so Bammert. Nicht einmal vor trauernden Personen haben die Gauner Respekt: Beim Friedhof-Trick spricht ein vermeintlicher Gärtner jemanden am Grab an und bietet an, das Grab zu pflegen. Als Anzahlung wolle er dann 50 oder 100 Euro und wird nicht mehr gesehen.

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