Meister der spitzen Feder: Karikaturist Richard Schöb im Portrait - Mit Gewinnspiel
Richard Schöb zeichnet seit 30 Jahren Karikaturen für den SÜDKURIER. | Bild: Jens Fröhlich
VS-Villingen
31.07.2017 18:01


Als Schüler wollte er Filmregisseur werden. Diesen Traum schmetterte sein Vater mit den Worten nieder: „Du spinnsch, du lernsch was gscheits.“ Also machte der junge Richard Schöb aus Villingen 1975 eine Ausbildung zum Fliesenleger, sollte danach im Familienbetrieb mitarbeiten. Aber anstatt für seinen Beruf zu brennen, entflammte in dieser Zeit seine wirkliche Leidenschaft. Anstatt Fliesen zu kleben, zeichnete Schöb lieber Karikaturen an die Baustellenwände. Seine Karriere als Fliesenleger endete schnell. Als Postbeamter transportiert er bis heute als Fahrer Briefe und Pakete in der Region. Das Zeichnen konnte er nie zum Beruf machen.
 

Doch der 1958 geborene und in VS-Marbach aufgewachsene Künstler spitzt in jeder freien Minute seine Feder, nimmt Politik, Gesellschaft sowie das Lokalgeschehen in der Region aufs Korn. Seit 30 Jahren erscheinen seine beliebten Karikaturen auch im SÜDKURIER-Lokalteil, so wie vor einigen Wochen sein Beitrag zum sich auflösenden Klebestreifen-Kunstwerk in VS-Villingen.
Bild: Richard Schöb

Nach dem kurzen Kapitel als Fliesenleger half Schöb für einige Zeit in einer Holzbrandmalerei-Werkstatt mit. Das handwerkliche Können ist Schöb geblieben. Immer wieder fertigte er in den Folgejahren selbst aufwändige Holzbrandmalereien an. Eines seiner Kunstwerke hängt seit kurzem auch in der SÜDKURIER Redaktion. Es zeigt das heutige Redaktionsgebäude in der Bickenstraße im Jahr 1958. Mittlerweile hat er diese Kunst an den Nagel gehängt, weil das nötige Arbeitsgerät in die Jahre gekommen sei und: „die Brandmalerei nur die Wohnung vollstinkt“.
 

Seine erste Bekanntheit als Zeichner erlangte der Villinger während seiner Bundeswehrzeit in Ulm ab 1978. „Da hing das ganze Kasernengebäude voll mit meinen Karikaturen“, erinnert er sich. In dieser Zeit hatte er auch seine heutige Grundfigur entwickelt, die in vielen seiner Cartoons und Comics auftaucht. Nach und nach verfeinerte er die Konturen. 1980 begann er seine berufliche Laufbahn bei der Post. Der Traum, einmal als Karikaturist arbeiten zu können, schlummerte jedoch weiter in ihm. 1987 bewarb er sich beim SÜDKURIER in Villingen als freier Mitarbeiter. Der damalige Redaktionsleiter Dieter Wacker erkannte sein Talent und legte den Grundstein für die bis heute andauernde Zusammenarbeit. Seither ist Richard Schöb mit seinen Beiträgen zum Lokalgeschehen vor allem den SÜDKURIER-Lesern in Villingen-Schwenningen ein Begriff. Noch im selben Jahr erschien seine erste Karikatur in der Tageszeitung. Damals erregte das Nachtlokal Cher mit seinen sündigen Mädchen die Gemüter in VS-Marbach.
Dies war die erste Karikatur von Richard Schöb im SÜDKURIER. 1987 erregte das Nachtlokal Cher mit seinen sündigen Mädchen die Gemüter in Marbach.
Bild: Richard Schöb

In den 90er-Jahren entwarf Schöb eine eigene Comicserie für den SÜDKURIER. Von 1991 bis 1998 erschienen seine Beiträge immer montags im Lokalteil St. Georgen-Triberg. Über 100 Geschichten rund um den schrägen Schwarzwaldbauern Fritz sind dabei entstanden.
Bild: Richard Schöb

Seine Zeichnungen und seine Bilder entstehen meist zuhause an seinem Schreibtisch. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Lediglich als seine Kinder ausgezogen sind hat er sich etwas vergrößert und beide Kinderzimmer zu Arbeitszimmern umgestaltet. Unser Archivbild zeigt Richard Schöb im Januar 2008 an seinem Zeichentisch.
Dieses Archivbild vom Januar 2008 zeigt Richard Schöb an seinem Schreibtisch. Hier entstehen die Karikaturen für den SÜDKURIER.
Bild: Richard Schöb

Der Villinger Karikaturist schafft es immer wieder, mit kleinen Veränderungen seiner Grundfigur bekannte Personen des Zeitgeschehens für Betrachter erkennbar zu machen, ohne diese detailgetreu zu portraitieren. „Es gehört ein wenig Übung dazu“, sagt er. Man müsse sich dabei auf wenige markante Züge der Personen konzentrieren. Bei Alt-Oberbürgermeister Gerhard Gebauer sei das zum Beispiel die tiefe Brille und die hohe Stirn gewesen. „OB-Kubon ist etwas schwieriger“, fügt er hinzu.
Bild: Richard Schöb

Die Ideen für seine Karikaturen hat Richard Schöb beim Lesen der lokalen Nachrichten. Meist sind es spontane Einfälle. Nur selten muss er sich längere Zeit Gedanken zu einem Thema machen. Das Bild ist bereits in seinem Kopf. Dann greift er zu speziellen Pinselstiften, die er sich extra aus Japan liefern lässt, und fängt an zu zeichnen. Das Grundgerüst ist nach rund einer halben Stunde auf dem Papier. Seit der SÜDKURIER in Farbe druckt, brauche er länger, weil die Zeichnungen noch ausgemalt werden müssen.
 

In seiner Freizeit ist Schöb auch in vielen Villinger Vereinen aktiv, bringt sein künstlerisches Talent in das Vereinsleben mit ein. So hat er mehrfach die aufwändigen Bühnenbilder für die Fastnachtsveranstaltungen der Kirchengemeinde Bruder Klaus gemalt und die Narrenzeitung der Villinger Katzenmusik bereichert. Er gestaltet Gruß- und Werbekarten. Einmal illustrierte er einen Gastronomie-Ratgeber von Hans Ulrich Lochar. Seine Zeichnungen zierten bereits Kinokarten, Kaminfeger-Autos sowie die Fassade des Holzbaubetriebs Lauffer in Schwenningen. Sogar sein alter Wohnwagen wurde zur Leinwand. Seit drei Jahren beschäftigt sich Schöb auch mit zeitgenössischer Kunst. Landschaften, aber auch abstrakte Bilder haben es ihm angetan. „Es ist einfach eine Abwechslung.“
Zeitgenössische Kunst von Richard Schöb aus Villingen.
Bild: Richard Schöb

Egal ob zeitgenössische Kunst, Karikatur, Comic oder Landschaftsbild, eines haben alle Kunstwerke von Richard Schöb gemein: Am Ende signiert er alle Arbeiten mit seinem Nachnamen. Erst dann ist es ein echter Schöb.
   

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Schauen Sie sich unser ausführliches Video-Interview mit Karikaturist Richard Schöb an. Im Video demonstriert er, wie schnell er seine Ideen auf Papier bringt.

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Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie mit verschiedenen Werken von Richard Schöb.


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