Martin Wangler auf Heimat.tour 2017 in Unterkirnach: Schwarzwald auch für Schwarzwälder
Nein, das ist keine Reibetrommel, im Schwarzwald wird es als Furzfässle bezeichnet: Bei seiner Heimat.tour 2017 machte Martin Wangler am Wochenende Halt in Unterkirnach und Bräunlingen. Bild: Alexander Hämmerling
Nein, das ist keine Reibetrommel, im Schwarzwald wird es als Furzfässle bezeichnet: Bei seiner Heimat.tour 2017 machte Martin Wangler am Wochenende Halt in Unterkirnach und Bräunlingen. Bild: Alexander Hämmerling
Unterkirnach
13.08.2017 15:26
Was es mit Muggeseggele und Bubespitzle auf sich hat, hat Kabaretist Martin Wangler auf seiner Heimat.tour 2017 im Mühlentreff in Unterkirnach verraten...

Kabarettist und Schauspieler Martin Wangler beschwört seine Heimat, den Schwarzwald, mit einer authentischen Hommage an Mundart, Tradition und Eigenarten der Bevölkerung. Mehr als 200 Besucher wollten im Unterkirnacher Mühlentreff seine Komödianten-Nummer "Nächste Ausfahrt: Heimat!" sehen.

Wangler robbte sich mit seiner Bühne, einem umgebauten Waldarbeiterwagen, an den überdachten Mühlentreff heran. Mit eben diesem Wagen im Schlepptau eines Oldtimer-Traktors zieht er seit dem 21. Juli bei der "Heimat.tour 2017" durch den Schwarzwald. Filmisch begleitet entstehen auf dieser Entdeckungsreise köstliche Anekdoten und Gespräche mit Passanten. In der Künstlerrolle des Fidelius Waldvogel präsentiert er in einigen erlesenen Ortschaften sein Heimatprogramm. Hier werden nicht nur die liebenswerten Eigenarten des Ur-Schwarzwälders persifliert, hier werden heimatliche Bildungslücken geschlossen. Wohl nur so kommt man für die Show auch an eine Förderung aus Mitteln des Landesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Der Katalog für Mundarten ist bei Fidelius Waldvogel ein dicker Wälzer: Eine Reibetrommel wird zum Furzfässle, das Muggeseggele und Bubespitzle gilt es auf Hochdeutsch auszusprechen und die traditionelle Peitsche aus Weidenstecken wird geschwungen, um sie der Vergessenheit zu entreißen. Für das Publikum folgt Brüller auf Brüller. Auch über den vorgeschriebenen Verzehr von geräuchertem Speck weiß Waldvogel zu berichten. Vom fachgerechten Entfernen der Schwarte bis zur Beilage von Öpfelschnitz und Zwiebeln. Der strikte Gebrauch von lediglich einem Messer sei einzuhalten. Das Publikum darf kosten und klatscht spätestens beim besungenen Laurezifest euphorisch im Takt mit.

Derbe Sprüche lockern bei Waldvogel die Atmosphäre auf. "Hänner gbrunzt und gsoffe?", begrüßt er sein Publikum nach der Pause. Durch das sensible Einflechten politischer Komponenten wird an mancher Stelle im zweiten Teil der Heimat-Orgie eher bedächtig gelauscht als beklatscht. Waldvogel echauffiert sich über die Atommeiler in Beznau und Fessenheim, sieht den Konsumrausch kritisch und steuert auch zur Zuwanderungsfrage bei. Alles im Zusammenspiel mit Gitarre, Akkordeon und Bollenhut.

Schon 2016 war Martin Wangler mit seinem Kabarett auf der Wanderbühne und in der Rolle des Fidelius Waldvogel auf einer Heimattour unterwegs. Nach Angaben von Regisseur Uwe Baumann äußerst erfolgreich: "Auf Facebook hatten unsere Filme 2016 eine Gesamtzahl von 2,6 Millionen Klicks. Heute wird jede Sequenz der Tour 40 bis 50 000 Mal auf Facebook angeschaut." Der bestbesuchte Auftritt 2017 war im Ortsteil Weiler bei Königsfeld mit mehr als 500 Gästen. Mit Traktor und Waldarbeiterwagen soll Wangler auch 2018 touren. Die Planungen seien bereits vorangeschritten. Drei Wochen lang soll es nächsten Sommer von der Donau in Richtung Bodensee gehen, um danach den Rhein abwärts bis nach Offenburg zu ziehen.

Zur Person

Martin Wangler ist in Breitnau im Schwarzwald aufgewachsen und seit 2005 Kabarettist. Als Schauspieler ist er vor allem aus der SWR-Schwarzwaldserie "Die Fallers" bekannt. Sein Schauspielstudium absolvierte er am Mozarteum in Salzburg. Bereits 2009 gewann er für seine Kunstfigur des Fidelius Waldvogel den baden-württembergischen Kleinkunstpreis.

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