Die Dreifach-Feier des Münsterdekans Josef Fischer
Josef Fischer auf dem Balkon am Villinger Pfarrhaus: Der Dekan sitzt dem Kirchenbezirk zwischen Blumberg und Triberg vor. Diesen Sonntag darf er feiern. Bild: Norbert Trippl
Josef Fischer auf dem Balkon am Villinger Pfarrhaus: Der Dekan sitzt dem Kirchenbezirk zwischen Blumberg und Triberg vor. Diesen Sonntag darf er feiern. Bild: Norbert Trippl | Bild: Norbert Trippl
VS-Villingen
11.08.2017 23:36
Am Sonntag feiert der katholische Kirchenmann aus VS-Villingen seinen 60. Geburtstag, zudem kann er ein Jubiläum im Kirchendienst begehen – und obendrein ist Fischer seit nunmehr zehn Jahren Villinger Münsterpfarrer

VS-Villingen – Er ist seit zehn Jahren Münsterpfarrer, er ist seit 25 Jahren im Kirchendienst und er wird am Sonntag sechzig Jahre alt. Josef Fischer ist ein eher aus der Stille heraus wirkender Kirchenherr doch an diesem Sonntag, da will er „mit vielen Menschen feiern“. So verläuft sein Tag: Um 9.30 Uhr ist die Eucharistiefeier im Münster, ein Gemeindefest startet direkt im Anschluss, natürlich im Münsterzentrum beim Käferbergle. Und um 17 Uhr ist Andacht in der Benediktinerkirche, hier erklingt die Silbermannorgel.

Abgesehen davon, dass er es am Geburtstag für seine Verhältnisse schon ein wenig krachen lassen will, ist die spannendste Frage rund um ihn diese: 2019 endet seine zweite Dekanperiode. Was kommt dann? In einem Gespräch mit dem SÜDKURIER ließ er nun seine Neigungen erkennen. „Ich habe mich hier gut eingelebt.“ Eine neuerliche Kandidatur sei für ihn gut vorstellbar, ebenso wie eine Fortführung des Amtes, sofern ihn Erzbischof Stephan Burger bei der Fortführung des Dienstes unterstützen würde.

„Priester ist man sowieso immer“, sagt Fischer mit seinem leisen Lächeln. Der Beruf, besser: die Berufung, solle heute bis ins Alter von 70 Jahren ausgeübt werden. Lasse es die Gesundheit zu, seien auch Amtsperioden bis zum 75. Lebensjahr denkbar, klärt er auf.

Der Dekan sitzt dem katholischen Kirchenbezirk, dem Dekanat, vor. Elf Seelsorgeeinheiten gehören dem Sprengel an, der sich von Blumberg bis Triberg erstreckt. Zu den elf Seelsorgeeinheiten gehören große Kirchengemeinden wie St. Georgen oder ganz kleine wie Weilersbach. Die Zentrale ist in Villingen an der Kanzleigasse.

Josef Fischer ist ein besonderer Mensch in seinen Ausprägungen. Das wird schon daran deutlich, dass er durchaus stolz ohne Fernseher lebt. Auf dem Laufenden hält er sich völlig fortschrittlich über Streamingangebote aus dem Internet. Die Nachrichten schaut er auf diese Weise. In seiner Wohnung über dem Bürotrakt im Pfarrhaus hat er einen prächtigen Blick auf das Münster. Allzu oft genießt er das nicht. Ihn zieht es hinaus in den Schwarzwald. Sein Lieblingsort? „Das Villinger Laible, da ist es schön sonnig, das mag ich.“ Der langgezogene Hügel zwischen Warenberg und Pfaffenweiler erinnere ihn an seine Heimat, vor allem wegen des Anbaus von Getreide und Kartoffeln. Noch ein Lieblingsort: Vor der Jakobusstatue im Münster. „Dritter Pfeiler rechts“, wie er weiß. „Dieses in sich gekehrte Gesicht ist sehr menschlich“, sagt er, so als ob er sich hier ein Stück weit selbst erkenne. Fischer sagte jetzt über sich selbst: „Es liegt in mir auch etwas Einsiedlerisches. In der Ruhe fühle ich mich wohl.“ Kein Widerspruch ist es für ihn, wenn seine Familie jetzt zum Feiern anreist. „Das sind aktuell 40 Personen“, sagt er mit Freude.

Der Münsterpfarrer ist von Beruf auch Gärtner. „Obstgärtner“, wie er präzisiert. Ein Sämann, der auch erntet also. 1978 machte er sein Abitur in Moosbach zwischen Heilbronn und Heidelberg. Nach dem Zivildienst absolvierte er in Karlsruhe seine erste Ausbildung. Im elterlichen Betrieb arbeitete er bis 1984. „Ein ganzes Leben als Obstgärtner konnte ich mir dann aber doch nicht vorstellen“, schmunzelt er heute. Er begann in Freiburg das Studium der Theologie. Nicht nur eine Berufs- sondern auch eine Lebensentscheidung. „Ich habe eine soziale Begabung, fühlte mich im Gottesdienst immer wohl“, spiegelt er sich selbst.

Die Lebensentscheidung für ein Wirken unter dem Zölibat wurde von ihm bewusst ausgewählt. Während des Studiums sei der zweite Berufsweg aber „auf der Kippe gestanden“. Die Gründung einer Familie sei nicht ausgeschlossen gewesen, schildert er sein Ringen von damals. Die Frage, ob er als Priester seinen „Platz in dieser Kirche finden“ könne, sei die entscheidende Frage gewesen. Er betonte dabei die Formulierung „in dieser Kirche“. Mit 35 Jahren wurde er in der Heidelberger Jesuitenkirche schließlich doch zum Priester geweiht. Vikar war er anschließend in Lörrach und Überlingen. Seine erste Pfarrstelle fand er in Vogtsburg am Kaiserstuhl für neun Jahre. 2007 kam er nach Villingen.

Kirche ist? „Menschen in ihrem Leben und Glauben begleiten“, antwortet er. Und ergänzt: „Die ganze Spannbreite, von der Taufe bis zur Trauerfeier.“ Und die sakramentale Begleitung von der Beichte bis zur Eucharistiefeier. Beichtet heute noch jemand? Ja, sagt er. „Null bis 15 Personen“ nähmen dieses wöchentliche Angebot etwa in der Münstergemeinde wahr.

Mit „dieser Kirche“ hadert der Priester Josef Fischer ganz tief in seinem Innern öfters ganz grundsätzlich. Den Missbrauchsskandal in Bayern beantwortet er in seinem Verantwortungsbereich so: Das Dekanat Schwarzwald-Baar entwickle derzeit ein Schutzkonzept zur Prävention. Ziel: ein glasklar strukturierten Umgang mit Schutzbefohlenen. Leitlinien sollen den Mitarbeitern helfen, sich angemessen zwischen einer oft so wichtigen helfenden Umarmung und zu viel Annäherung zu bewegen. Aber auch das Faktische werde geklärt: Wer holt die Führungszeugnisse neuer Kollegen ein? Wer prüft diese wie, welche Qualifikationen sind unerlässlich?

Die Kirche verändert sich. So wie auch der Sonntagsgottesdienst. In den Villinger Kirchen bilde sich leise eine besondere Ausprägung heraus. „9 Uhr in Heilig Kreuz ist eher für die Älteren. Einfach. Schön. Gut.“ 9.30 Uhr im Münster: „Kirchenmusikalisch ist das top.“ Fidelis und Bruder Klaus seien besonders familienorientiert. Und St. Konrad am Rande der Südstadt sei um 18 Uhr „intellektuell etwas Besonders“.

Fischer weiß: „Unsere Antworten reichen heute noch oft nicht aus.“ Er erklärt: „Wie kann Gott es zulassen, dass im Schwarzwald ein Baum auf einen Jungen im Ferienlager stürzt?“ Er fügt dann seinen Erklärungsversuch an: „Unsere Freiheit ist viel größer, als wir denken. Menschen haben nie eine absolute Sicherheit.“

„Jeder Glaube muss auch verstanden sein“, sagt Fischer im August des Jahres 2017. Seine „Begegnungen mit Menschen und die intensive Offenheit für Gott“ machten ihm heute bewusst, dass er für sich den richtigen Weg gewählt habe.

Als Dekan sei er „der kirchlichen Hierarchie verpflichtet. Durch den neuen Papst ist aber eine freie Diskussion möglich“, formuliert er. In der Kirche dürfe man „nicht so sehr in Pfarrerstrukturen denken“, formuliert er.

Auf seiner persönlichen Einladungskarte zu seiner Geburtstagsfeier diesen Sonntag hat er zwei Leitsätze platziert. „Endlich mit der Zeit gehen“, ist der eine. Und: „Lieber ein heller Gedanke als eine düstere Prophezeiung“, lautet der zweite. Man darf sagen: Nichts kennzeichnet diesen Schwarzwald-Dekan besser als die hellen Gedanken.

Und was schenkt man einem wie ihm? Nichts, zumindest im klassischen Sinne. Spenden will er weiterleiten an die Partnergemeinden in Peru. Und sonst? Vielleicht noch dies: „Auch ein Priester braucht menschliche Nähe“, sagt er ganz offen.

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