400 Arbeitsplätze bedroht: Touratech in Niedereschach meldet Insolvenz an
Der Neubau von Touratech. Laut Insolvenzverwalter ist die verspätete Umsetzung der Grund für die Insolvenz des Unternehmens. Bild: Margit Rowley
Der Neubau von Touratech. Laut Insolvenzverwalter ist die verspätete Umsetzung der Grund für die Insolvenz des Unternehmens. Bild: Margit Rowley | Bild: margit rowley
Niedereschach
11.08.2017 16:52
Der Hersteller von Motorrad-Zubehör hat einen entsprechenden Antrag gestellt. 400 Arbeitsplätze sind bedroht.

Die Touratech AG, Spezialist für Motorrad-Zubehör und mit rund 400 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Niedereschach, hat Insolvenz angemeldet. Das wurde nun von Ingo Schorlemmer, Pressesprecher des Anwaltsbüros Schultze und Braun, in einer Presseerklärung bekannt gegeben. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Dirk Pehl bestellt. Der Geschäftsbetrieb soll aber unverändert fortgesetzt werden.

Die Mitarbeiter des Unternehmens seien laut Pressemitteilung am Freitag vom vorläufigen Insolvenzverwalter sowie vom Vorstand im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Insolvenz und den aktuellen Status informiert worden.. Die Löhne und Gehälter seien bezahlt. Dirk Pehl werde die Phase der vorläufigen Insolvenz nutzen, um sich einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu verschaffen und Sanierungsoptionen zu prüfen.

"Touratech hat bereits vor dem Insolvenzantrag mit seinen Beratern erste Grundzüge für ein Sanierungskonzept entworfen", wird Pehl nach einer ersten Bestandsaufnahme zitiert. "Es geht nun zunächst darum, die begonnene Restrukturierung umzusetzen und Möglichkeiten zu entwickeln, um das Unternehmen auf eine gesunde finanzielle und wirtschaftliche Basis zu stellen, um den Standort und die Arbeitsplätze möglichst zu erhalten", so der Insolvenzverwalter.

Ursache der Insolvenz sei die verspätete Umsetzung des Neubaus, der aufgrund einer erhöhten Nachfrage notwendig war, heißt es in der Presseerklärung. Die damit verbundenen Schwierigkeiten seitens Logistik und Fertigung sowie die in erheblichem Umfang entstandenen Produktions- und Lieferausfälle führten laut Anwalt schließlich zur Insolvenz.

Das neue Logistikzentrum bestehend aus drei Hallen beherbergt ein modernes Hochregallager, Kommissionierung, Werkstatt, Verwaltung, den Touratech-Shop samt Bistro sowie die zuvor in der ehemaligen Tennishalle untergebrachten Büros für Vertrieb, Marketing und Produktmanagement. Es wurde im August 2016 nach einer sechseinhalbmonatigen Bauzeit in Betrieb genommen und Ende Oktober 2016 mit einem großen Festakt, bei dem auch Landrat Sven Hinterseh und Bürgermeister Martin Ragg anwesend waren, eingeweiht.

In den Neubau an der Dauchinger Straße mit rund 20 000 Quadratmetern Fläche, der schräg gegenüber des bisherigen Touratech-Standorts in Niedereschach entstand, investierte das Unternehmen mehr als zehn Millionen Euro. Damit sollten, nach damaliger Aussage des Unternehmens, bestehende Arbeitsplätze gesichert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

International bekannt ist das Unternehmen auch für das Touratech Travel Event, das seit 2004 jährlich tausende Motorradfans nach Niedereschach lockt. 2017 wurde das Unternehmen zudem zum siebten Mal in Folge von den Lesern der Fachzeitschrift Motorrad als beste Marke im Bereich Umbauten und Anbauteile/Zubehör gewählt. 2015 feierte Touratech anlässlich des 25-jährigen Bestehens ein Jubiläumsfest mit mehr als 12 000 Besuchern aus dem In- und Ausland.

Touratech startete 1990 mit der Entwicklung und Produktion von Zubehör für Motorräder, das sich vor allem in der Praxis auf langen Touren unter schwierigen Gelände- und Klimabedingungen bewährt. Produkte der ersten Stunde waren digitale Tachos, selbst gebaute Alukoffer für Motorrad-Touren sowie wasserdichte Motorradcomputer. In der Folge wurden weitere Produkte entwickelt, optimiert, hergestellt und vertrieben.

Die Teile werden von den Gründern auf langen Touren zum Beispiel durch Tibet, Bolivien, Mexiko und Südafrika unter härtesten Bedingungen getestet und kommen auch bei der Rallye Paris-Dakar zum Einsatz. Touratech arbeitet zudem für mehrere Motorradmarken als Zulieferer und Entwicklungspartner. Über ein weltweites Vertriebsnetz werden rund 80 Prozent der Touratech-Produkte exportiert.

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