Falschparker in Furtwangen: rücksichtslos, dreist und gefährlich
Hier zeigt ein Autofahrer, welchen Stellenwert für ihn Fußgänger haben. Der Durchgang wird einfach zugeparkt. Bild: Nadine Klossek
Hier zeigt ein Autofahrer, welchen Stellenwert für ihn Fußgänger haben. Der Durchgang wird einfach zugeparkt. Bild: Nadine Klossek
Eine schöne Lücke – leider kommt so die Feuerwehr nicht an den Hydranten. Da wird das Falschparken sogar zur Gefahr. Bild: Nadine Klossek
Eine schöne Lücke – leider kommt so die Feuerwehr nicht an den Hydranten. Da wird das Falschparken sogar zur Gefahr. Bild: Nadine Klossek
Manche Fahrradfahrer beweisen, dass sie auch nicht besser sind. Bild: Nadine Klossek
Manche Fahrradfahrer beweisen, dass sie auch nicht besser sind. Bild: Nadine Klossek
Die Wiese neben der Pausenbank nutzt hier ein Auto als Ruheort. Bild: Nadine Klossek
Die Wiese neben der Pausenbank nutzt hier ein Auto als Ruheort. Bild: Nadine Klossek
Platz ist in der größten Lücke – auch fürs kleinste Auto auf dem Parkplatz. Bild: Nadine Klossek
Platz ist in der größten Lücke – auch fürs kleinste Auto auf dem Parkplatz. Bild: Nadine Klossek
Nur ein tiefer Graben setzt dem Gebaren der Wildparker teilweise Grenzen. Bild: Nadine Klossek
Nur ein tiefer Graben setzt dem Gebaren der Wildparker teilweise Grenzen. Bild: Nadine Klossek
Furtwangen
21.04.2017 23:00
Tag für Tag wetteifern Studenten um die besten Parkplätze in Furtwangen. Mal stehen sie auf dem Gehweg, mal vor einem Feuerwehrhydranten, mal blockieren sie zwei Stellplätze. Der städtische Vollzugsbeamter sieht Bequemlichkeit als Ursache. Das Kuriose: Kostenlose Parkplätze bleiben oft frei.

In Furtwangen wimmelt es von Falschparkern. Frei nach Pippi Langstrumpf – „Ich mach' mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – sehen Autofahrer die Straßenverkehrsordnung mehr als Option, wenn es ums Parken geht.

Der 25-jährige Philipp Fleig macht mit seiner Facebook-Seite Photo Cop Philipp auf die Falschparker vor den Gebäuden der HFU aufmerksam: Mit teils provokanten Sprüchen präsentiert er Parksünden. „Ab und an fahre ich mit dem Auto. Da merkt man erst mal wie krumm viele parken“, erzählt er.

Fleig selbst wohnt in Triberg und fährt meistens mit dem Bus zur Hochschule. Allerdings: Je später der Abend, desto schlechter die Verkehrsanbindung. In diesen Fällen wählt auch er lieber das Auto. Irgendwann kam ihm die Idee, die Falschparker zu fotografieren und im Internet zu präsentieren.

Die Bilder illustrieren den Teufelskreis, der sich Tag für Tag wiederholt: Während der eine falsch parkt und damit einen oder mehrere Stellplätze blockiert, parkt der andere wiederum falsch, da er keinen Stellplatz findet. Bei 3446 eingeschriebenen Studenten stehen laut Pressesprecherin Jutta Neumann 467 Parkplätze auf dem Gelände der Hochschule zur Verfügung, die sich Studierende und Mitarbeiter teilen. Hinzu komme das Köpfer-Areal mit 120 Parkplätzen. Für Letztere fällt eine geringe Tagespauschale an. Gibt es also tatsächlich zu wenig Parkplätze für Studenten?

Hermann Fengler, Gemeindevollzugsbeamter, sieht den Ursprung des Problems nicht in der Anzahl von Stellplätzen. Vielmehr ginge es hierbei um die Bequemlichkeit. Oftmals wolle man so nah wie möglich an das Gebäude fahren, obwohl die Strecke in unter 15 Minuten zu Fuß zurückgelegt werden kann. „Das zieht sich allerdings durch alle Schichten“, verweist Fengler darauf, dass sich nicht nur Studenten so verhalten.

Bei der Hochschule gehen laut Jutta Neumann immer wieder Hinweise ein, dass es schwer sei, einen Parkplatz zu finden, wenn man erst zur zweiten Unterrichtsstunde kommt. Genau genommen gelte diese Parkplatznot allerdings lediglich von Montag bis Donnerstag.

Eine Fahrt durch die Stadt um die Mittagszeit herum zeigt: Vor dem O-Bau, in der Bismarckstraße oder auch vor dem Studentenwohnheim Großhausberg finden sich zahlreiche kostenlose, zeitlich unbegrenzte Parkplätze. „Alles maximal 15 Minuten entfernt“, betont Fengler abermals. Dennoch werde teilweise so geparkt, dass im Ernstfall für Rettungs- und Einsatzkräfte kein Durchkommen wäre. Die Ausrede bei den auf frischer Tat Ertappten: „Ich bin spät dran.“

Die Schaffung des Köpfer-Areals untermauert für den Stadt-Sheriff, dass es kein Problem geben dürfte. Vergleiche man die Verwarnungen vor und nach Bereitstellung des Areals, halten sich diese laut Fengler die Waage. Weniger Falschparker habe es deshalb nicht gegeben. Beim Ortstermin ist noch genügend Platz vorhanden – während vor dem I-Bau schon Falschparker stehen.

Die Stadt sieht deshalb keinen großen Handlungsbedarf. Genug Stellplätze sind laut Michael Umfahrer vom Bauamt vorhanden, auch von den Anwohnern gebe es keine Beschwerden. Im Zuge der Sanierung der Baumann- und Bahnhofstraße werden zwar neue Parkplätze geschaffen, Hintergrund seien aber neue öffentliche Gebäude wie das Museum von Siedle.

Die Hochschule appelliert an die in Furtwangen Wohnenden, ohne Auto an die Hochschule zu kommen, um Pendlern die Plätze zu überlassen. „Zudem sind wir im Gespräch mit den Verantwortlichen Buslinien-Planungen, um diese besser auf unsere Bedürfnisse zuzuschneiden“, sagt Neumann.

Auch Fleig ist der Meinung, dass die Parkplatznot von bequemen Studenten herrührt. Dass sich Falschparker durch die Fotos auf Facebook belehren lassen, hält er für unwahrscheinlich. Und so geht der Wettstreit um die besten Parkplätze in die nächste Runde – Beweisfotos sind garantiert.

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