Lindauer stimmen am Sonntag über Therme ab
Andreas Schauer will in Lindau die größte Therme am Bodensee bauen.
Andreas Schauer will in Lindau die größte Therme am Bodensee bauen. | Bild: Susanne Hogl
Lindau
22.07.2017 06:00
Am Sonntag können 20 000 Lindauer entscheiden, ob hier die größte Therme am Bodensee entsteht oder das Strandbad Eichwald erhalten bleibt. Investor Andreas Schauer aus Überlingen bezieht Position.

Sie haben viel Erfahrung mit Bädern und Thermen. War der Widerstand schon einmal so groß wie hier in Lindau?

Das Thema Bad berührt ja jeden, da fast jeder schwimmen kann – auch wenn es mangels Bädern immer weniger Menschen gibt, die schwimmen können. Bei einem bestehenden Bad wie dem Eichwaldbad, das seit Jahrzehnten und damit über Generationen hinweg beliebt ist und noch dazu so schön und exponiert liegt, gilt dies natürlich in besonderem Maße. Deshalb erzeugen Veränderungen erst einmal Verunsicherung, das ist völlig klar. Gerade aus diesem Grunde haben wir sehr viel und sehr ausführlich über das bevorstehende Projekt informiert und kommuniziert.

Wie ist der Zeitplan für den Thermenbau, wenn das Ratsbegehren am 23. Juli positiv ausfallen und der Bürgerentscheid abgelehnt oder das Quorum nicht erreicht werden sollte?

Durch das Bürgerbegehren wurden die Planungsarbeiten gestoppt und die beauftragten Verträge mit ausführenden Firmen storniert, um einen noch höheren Schaden zu vermeiden. Eigentlich wollten wir im Frühsommer mit dem Abriss beginnen und im Herbst mit dem Neubau loslegen. Das verschiebt sich durch das Bürgerbegehren. Falls die Lindauer für die Therme sind, müssen wir erst einmal die Verfügbarkeit der Planungsbüros und Baufirmen prüfen, denn deren Auftragsbücher sind voll. Durch die Verzögerungen entstehen uns außerdem Mehrkosten, die wir ermitteln müssen. Ich kann also heute nicht sagen, wann wir mit dem Bau beginnen können. Davon hängt ab, wann die Eröffnung ist. Auch hier ist der ursprüngliche Zeitplan wohl nicht mehr zu halten.

Falls es doch anders kommt und der Bürgerentscheid eine Mehrheit bekommen sollte – was würde das für Sie als Investor bedeuten?

Für die Stadt und uns würde das bedeuten, dass bereits investierte Millionenbeträge in die Planung futsch wären. Einen Gewinner gibt es dann nicht, denn neben dem wirtschaftlichen Schaden stünde die Stadt bädertechnisch mit leeren Händen da. Was mit den bereits geschlossenen Verträgen wird, müsste geprüft werden. Es ist aber ganz klar, dass es hier zu Entschädigungsleistungen kommen dürfte. So paradox es klingt, aber die Initiatoren des Bürgerentscheids und dessen Unterstützer hätten dann das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten; nämlich keinen Fortbestand des Strandbades.

Fragen: Susanne Hogl

Zu den Akteuren

  • Andreas Schauer, Investor aus Überlingen, war Projektleiter der Therme Überlingen. Heute betreibt er mit mehreren Betriebsgesellschaften unter anderem Thermen und Bäder in Berlin, Saarbrücken und der Schweiz.
  • Die Bürgerinitiative Eichwald hat den Bürgerentscheid initiiert. Sie befürchtet ein wesentlich höheres Verkehrsaufkommen, eine hohe CO2-Belastung, eine massive Bebauung des Uferbereichs. Außerdem wären durch Sauna- und Spabereiche im Winter, wo der gesamte Uferbereich des Bades öffentlich zugänglich war, etliche Teile zahlenden Gästen vorbehalten.
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